Leuchtturm Roter Sand
Maritimes Denkmal in Gefahr

Die Nordsee setzt dem Leuchtturm Roter Sand stark zu. Das historische Bauwerk muss dringend saniert werden. Das wird aber nicht einfach

  • Jan Zier
  • Lars Bolle
 • Publiziert am 03.06.2021
Der Leuchtturm Roter Sand Der Leuchtturm Roter Sand Der Leuchtturm Roter Sand

Roland Rossner/DeutscheStiftungDenkmalschutz Der Leuchtturm Roter Sand

Die Zahl lässt erahnen, wie schlecht es um das bekannteste Seezeichen an Deutschlands Nordseeküste steht: 12,5 Millionen Euro. Auf diese Summe taxieren Experten den möglichen Sanierungsaufwand für den Leuchtturm „Roter Sand“. Dessen Feuer ist zwar schon vor 35 Jahren erloschen – seither dient er der Seefahrt allenfalls noch als Tagessichtzeichen. Dennoch ist das Bauwerk von unschätzbarem historischem Wert – handelt es sich doch um nichts weniger als die erste Offshore-Konstruktion der Welt.

Roland Rossner/ DeutscheStiftungDenkmalschutz

Der Turm in Zahlen

Koordinaten

53° 51’11,4” N , 8° 4’ 55,8” O

Indienststellung

1885

Elektrifizierung

1947

Feuer erloschen

1986

Turmhöhe

52,5 m

Feuerhöhe

24 m

Ehem. Tragweite

10 sm

Vor über 130 Jahren vollbrachten die damaligen Ingenieure und Arbeiter draußen in der Außenweser nordöstlich von Wangerooge eine architektonische Meisterleistung. Auf einem gewaltigen Fundament errichteten sie ein Bauwerk, das mit seinen drei markanten Erkern zum Sinnbild des Leuchtturms schlechthin wurde. Als maritimes Wahrzeichen steht es auf halbem Weg zwischen Helgoland und Bremerhaven in offener See, 30 Seemeilen von Bremerhaven entfernt. Viele Nordseesegler passieren den Turm regelmäßig.

Bereits 1987 hatte „Roter Sand“ mit einer spektakulären Aktion vor dem Verfall gerettet werden müssen. Der unter Wasser liegende Turmsockel war mit einer Manschette versehen worden, die von oben über den gesamten Turm gestülpt wurde. Eine weitere Sanierung war in den Jahren 2011/12 erforderlich. Nun aber setzen dem Turm erneut die See und ihre steigenden Unwägbarkeiten zu. Sturmfluten und nicht zuletzt die Folgen des ansteigenden Meeresspiegels machen dem Bauwerk zu schaffen.

Und zwar so sehr, dass es mittelfristig verloren zu gehen droht, werden keine Maßnahmen zu seiner Rettung ergriffen. Das älteste Offshore-Denkmal sei zwar eine geniale Ingenieursleistung des 19. Jahrhunderts, doch „für die heutigen, seinerzeit nicht vorhersehbaren Belastungen ist der Turm nicht präpariert“, erklärte vor kurzem Diplom-Ingenieur Matthias Wagner. Der Projektarchitekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, in deren Obhut sich das Bauwerk befindet, begleitete gemeinsam mit Fachleuten des Bundes – der Eigentümerin des Turms – sowie der Dresdner Ingenieurgemeinschaft GMG und beteiligten Labors umfangreiche Untersuchungen zum Schutz des Leuchtturms. Die Ergebnisse wurden nun vorgestellt.

Insbesondere die einst verwendeten Puddelstähle erfüllten demnach nicht mehr die Anforderungen an Offshore-Bauwerke heutiger Tage. Höhere Belastungen verlangten eine nachhaltige Ertüchtigung der Statik, so die Fachleute. Dafür käme etwa räumliches Stabwerk oder Aufdoppelungen von Stegblechen in den einzelnen Geschossen in Betracht. Auch eine komplexe Erhöhung des Turmsockels könnte erforderlich sein.

Alle Arbeiten draußen auf See durchzuführen sei allerdings kaum möglich und teils auch zu gefährlich. Eine Alternative, die angedacht ist: den oberen Teil des Feuers zu demontieren, an Land zu sanieren und anschließend wieder auf den Sockel zu setzen. Aber auch das sei ein gewaltiges Unterfangen. Einigkeit besteht indes darüber, dass der Turm erhalten und wieder Besuchern zugänglich gemacht werden soll. Nun muss entschieden werden, wie das geschehen kann.


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