So einen Auftakt hätten sich andere auch gewünscht: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer führen das Feld der olympischen Nacra-17-Katamarane zum Auftakt der 125. Kieler Woche mit beinahe weißer Weste an. Die Kieler eröffneten die zweite olympische Halbzeit der weltgrößten Regattaserie mit zwei Tagessiegen und einem vierten Rang, liegen auf ihrem foilenden Katamaran mit der Segelnummer GER 77 mit einem Punkt Vorsprung vor den italienischen Weltcup-Finalsiegern Vittorio Bissaro und Maelle Frascari nach den ersten drei Wettfahrten in Führung. "Das war ein riesiger Spaß heute da draußen", freute sich Kohlhoff an seinem 24. Geburtstag im Heimatrevier bei Kieler Kaiserwetter, "ein besseres Geschenk hätte ich mir nicht wünschen können. Und morgen geht es in Gelb weiter."
Deutschlands beste Skiffsegler dagegen haben die zweite Kieler-Woche-Halbzeit mit einem eher schwachen Start eingeläutet. Während die Australier Will und Sam Phillips die herausragend besetzte Flotte der 79 49er-Jollen aus 29 Ländern anführen und die neuseeländischen Top-Favoriten Peter Burling und Blair Tuke nur zwei Punkte dahinter auf Platz vier lauern, konnte sich zum Auftakt in der deutschen Parade-Disziplin keine GER-Crew in den Top Ten platzieren.
Jakob Meggendorfer und Andreas Spranger (Bayerischer Yacht-Club) liegen als beste Deutsche nach drei Rennen auf Platz 14. Die WM-Dritten Tim Fischer (Norddeutscher Regatta Verein) und Fabian Graf (Verein Seglerhaus am Wannsee) reihten sich dahinter zunächst als 15. ein. Die Weltranglisten-Fünften Justus Schmidt/Max Boehme (Kiel) sind 17. "Das waren heute fantastische Segelbedingungen da draußen", sagte Schmidt zu Sonnenschein satt und bis zu 20 Knoten Wind, "aber der Spaß daran hat offensichtlich nicht gereicht. Wir haben uns heute ein bisschen schwer getan und unsere Fehler mit den Rängen 9 und 10 in den ersten beiden Wettfahrten bezahlt. Damit sind wir natürlich nicht zufrieden, wollen es morgen besser machen."
Zumindest in der Spitze fast so gut besetzt wie die 49er-Flotte mit den Olympiasiegern Burling und Tuke, den Weltmeistern Sime und Mihovil Fantela (Kroatien) sowie den Weltranglisten-Ersten James Peters/Fynn Sterritt (Großbritannien) ist der olympische Teil ausgerechnet bei der 125. Jubiläumsauflage der Kieler Woche nur in zwei weiteren Disziplinen: 49erFX und Nacra 17. Als beste deutsche 49erFX-Crew lagen Vicky Jurczok/Anika Lorenz (Berlin) zunächst auf Platz sieben, Tina Lutz und Susann Beucke (Chiemsee Yacht Club/Hannoverscher Yacht-Club) auf Platz zehn.
Aufgrund von Kollisionen mit anderen Großveranstaltungen wie der Laser-WM in Japan fehlt in anderen Olympiaklassen teilweise die komplette Weltelite. "Der zweite Teil ist mit etwas ausgedünnten Klassen gestartet", räumte Dirk Ramhorst ein. Der Kieler-Woche-Organisationsleiter hofft darauf, "dass wir in zwei Jahren einen übergeordneten Kalender vom Weltseglerverband World Sailing bekommen, der sicherstellt, dass die Kieler Woche nicht von anderen Serien kannibalisiert wird". Mit nur knapp 500 Aktiven und 325 Booten aus 48 Nationen schwächelt die weltgrößte Regattawoche in ihrer olympischen Herzschlagkammer ohne Eigenverschulden.
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