In Lorient La Base geht es für “Malizia 4” stramm weiter im Programm. Nachdem der Mast schon wenige Stunden nach dem Stapellauf am Montagnachmittag im Boot stand, sind am Abend noch die statischen Belastungstests durchgeführt worden. Am Dienstmorgen dann folgten die spannenden Momente des in der Imoca-Klasse vorgeschriebenen 90-Grad-Krängungstests.
“So werdet Ihr sie nie wiedersehen!”, kündigte Co-Skipper Will Harris zugleich hoffnungsfroh und selbstbewusst an. Kentern soll den offiziellen Auflagen vorbehalten bleiben, ist für die kommenden Rennen natürlich nicht vorgesehen. Nachdem der Kran zunächst einmal muckte, lief die Prozedur reibungslos ab. “Malizia 4” benahm sich in Regie von Technik-Direktor Pierre-François “Pifou” Dargnies nach Plan, hielt dem Test bestens stand.
Nachdem das klar war, wechselte die Stimmung im Team Malizia von angespannt und konzentriert in heiter und lustig. Boris Herrmanns Rennstall nutzte den Pflichttermin auch für eine Foto-Session und etwas Spaß am Rande. So balancierte Boris Herrmann selbst den 90 Grad querliegenden Mast entlang, den er dabei inspizierte. Co-Skipperin Cole Brauer folgte.
Am Ende sammelten sich die Segler auf der in die Höhe ragenden Rumpfseite für Teamfotos der etwas anderen Art, bevor sich Will Harris und Cole Brauer von oben wie vom Fünf-Meter-Brett ins Hafenbecken von Lorients La Base stürzten. Während das Boot stark gekrängt im Hafen lag, war auf der Rumpfunterseite in großen weißen Lettern eine für Boris Herrmann und sein Team wichtige Frage auf beiden Seiten zu lesen: “What’s under your boat – Was ist unter deinem Boot?”
Warum Team Malizia diese Botschaft so wichtig ist, erklärte der Skipper nach Abschluss des 90-Grad-Krägungstests: “2024 waren wir in New York. Cornelius Eich (Red.: Leiter des Partner- und Nachhaltigskeitsprogramms im Team Malizia) hatte eine Konferenz im Deutschen Haus bei der Uno organisiert, bei der es um Ozeanschutz ging.”
Mit den Malizianern auf einer Bühne war damals bei der Konferenz mit Sylvia Alice Earle die führende US-amerikanische Ozeanografin und Umweltaktivistin für den Schutz der Meere. “Sie hat mich gefragt, ob ich eigentlich darüber nachdenke, was unter dem Boot ist”, erinnert sich Boris Herrmann sehr lebendig. “Daher kommt der Spruch. Silvia Earle ist so eine Art David Attenborough der Meere.” Die Frage und ihre vielen Antworten begleiten Team Malizia jetzt und in Zukunft.
Auch Boris Herrmanns im Oktober 2025 veröffentlichtes Buch “Die Welt unter meinem Boot” hat die Frage intensiv aufgegriffen, gibt spannende Antworten. Mit der auf den Rumpf der neuen “Malizia 4” geschriebenen Frage will Herrmann weiter Menschen inspirieren, sich mit ihrem Umfald und den Meeren zu befassen. Er selbst und die Mannschaft sind aber in diesen Tagen vorerst voll auf die neue “Malizia 4” konzentriert. Ein erster Segeltest ist schon für Mittwoch, spätestens Donnerstag geplant.
Die Test- und Vorbereitungsszeit auf die schnell näherrückenden Aufgaben ist knapp bemessen. Schon Anfang August geht es mit der ersten Transat-Überführung nach New York, wo am 1. September die Premiere des Ocean Race Atlantic startet. Ist das Mannschaftsrennen gemeistert, wartet ab 1. November mit der legendären Route du Rhum das erste Solo mit der neuen Imoca auf Boris Herrmann. Geht alles nach Plan, wird “Malizia 4” binnen rund viereinhalb Monaten schon dreimal den Atlantik überquert haben.

Giornalista sportivo