Die Flotte im neuen Island Offshore Race to the Arctic hat Sandnessjøen erreicht. Dort endete die längste und taktisch anspruchsvollste Etappe des Rennens. Auf forderndem Amwindkurs haben sich Per Haugen und Thomas Robberstad auf der norwegischen Swan 45 “Zorro” die Line Honours und den Sieg in der Gruppe “Wergeland” gesichert.
Christoph und Benjamin Morgen, zuvor zweimal Etappen-Erste, mussten sich nach 36 Stunden über rund 250 Seemeilen erstmals einreihen. Das Duo vom Norddeutschen Regatta Verein segelte mit der JPK 10.50 “Momo” auf Platz drei hinter “Zorro” und der zweitplatzierten norwegischen Dehler 44 “Off Course”. Der Vorsprung der Morgens als Gruppenspitzenreiter ist vor der letzten Etappe von Sandnessjøen nach Svolvær auf einen Punkt zusammengeschmolzen. Zu den Ergebnissen geht es hier.
Die Finaletappe startet am Samstagabend. Sie bringt die Zweihand-Teams unter der Mitternachtssonne über den Polarkreis. Der Kurs führt zuerst durch das Helgeland-Archipel, dann Richtung Vestfjord, der die Lofoten vom Festland trennt. Die berühmte Felsformation der Svolværgeita wird immer klarer, wenn die Boote der Ziellinie vor Svolvær näher kommen.
Die 250 Seemeilen lange dritte Etappe hatte zuvor völlig andere Herausforderungen als die vorherigen gebracht. Nach zwei überwiegend vor dem Wind gesegelten Etappen musste die Flotte eine lange Kreuz nach Norden durch bewältigen, bevor sie die dramatischen Berge und Inseln von Helgeland erreichte. Wechselhafte Bedingungen hatten diesen dritten Abschnitt zu einer echten taktischen Herausforderung gemacht.
Einige Crews hatten sich für die geschützten Gewässer der Trondheimsleia entschieden. Andere blieben vor der Küste. Weil die Vorhersagen für Freitagmorgen sehr schwache Winde rund um Sandnessjøen bereithielten, hatte die Rennleitung die Strecke um etwa 15 Seemeilen verkürzt und die Ziellinie südlich nach Tjøtta verlegt, um faire Rennbedingungen für die gesamte Flotte zu gewährleisten.
Rennleiter Thomas Nilsson sagte nach den Zieldurchgängen: “Diese Etappe hatte einfach alles. Das Rennen begann bei leichtem Wind, entwickelte sich zu einer langen taktischen Kreuz und endete im magischen Licht der arktischen Sommernacht. Zu sehen, wie die ersten Boote unter dem Mitternachtshimmel die Ziellinie überquerten, ist etwas, das keiner von uns vergessen wird.“
Das gilt auch für Lina Rixgans und Sverre Reinke auf der Sun Fast 30OD “Gaia” (Verein Seglerhaus am Wannsee/TSV Schilksee von 1947). Zwar waren sie auf Etappe drei erstmals im Race to the Arctic nicht als Erste ihrer Gruppe ins Ziel gekommen, doch konnten sie sich ihren vierten Rang leisten.
Wir sind als kleinstes Boot der Flotte und mit vielen guten Kreuzbooten in unserer Gruppe mit Rang vier nach 200 Seemeilen Kreuz zufrieden.” Lina Rixgens
Den Etappenverlauf schilderte Lina Rixgans so: “Zum Start war es sehr flau, da sind wir super rausgekommen. Dann ging es auf die ewig lange Kreuz. Erst bei etwa zehn Knoten Wind und einem Meter Dünung, später bei 14 bis 22 Knoten Wind und sehr ekliger zwei Meter hoher Welle. In Küstennähe wurde es für die letzten 50 Seemeilen nochmal richtig tricky, den besten Weg durch die Felsen, Steine und Inseln zu finden. Das ganze bei drehendem Wind (aber inzwischen abgeflaut auf zehn Knoten) und einer Böenwalze, unter der der Wind plötzlich um 180 Grad drehte – mit anschließender kurzer Flaute.”
Rixgens und Reinke legten aber noch einen klasse Endspurt hin. Lina Rixgens berichtete von der vorletzten Etappe der Premiere für das Race to the Arctic: “Am Ende in die Schärenwelt rein konnten wir nochmal gut aufholen, da vor uns alle in der Flaute steckengeblieben sind und wir uns im großen Bogen angepirscht haben. Unseren fehlenden Speed und die fehlende Höhe mit kleinstem Boot an der Kreuz haben wir anscheinend gut wettgemacht durch Dreher, Wenden zur richtigen Zeit und Strömung. Im Gesamtranking unserer Gruppe führen wir weiterhin. Mit zwei Punkten Vorsprung.” Zu den Ergebnissen der Gruppe “Partner Class” geht es hier.
Etwas zurückgefallen sind im Race to the Arctic Jochen Denkena (Sail-Lollipop Regatta Verein) und Hendrik Lenz (Düsseldorfer Yacht-Club) auf der Sun Fast 3200. Das “Arrabiata”-Doppel greift nach Rang 13 auf Etappe drei im Finale von Platz acht aus an. Die vierte und letzte Etappe beginnt am Samstagabend und bietet die Gelegenheit, den Polarkreis in der Nacht zu überqueren.
Sportlich heiß wird es auf dem Regattakurs zugehen, wo die Podiumsplätze bis zu den letzten Zieldurchgängen des Race to the Arctic offen bleiben werden. Am Ende wir die Flotte seit dem ersten Etappenstart in Mandal rund 800 Seemeilen zurückgelegt und dabei einige der spektakulärsten Küstenlandschaften Europas haben. Während fast überall in Europa Sommerhitze herrscht, müssen sich die Segler im Race to the Arctic warm anziehen.
Lina Rixgans erzählte kurz nach dem Zieldurchgang von Etappe drei: “Die Natur ist atemberaubend! Seit dem Start ist es echt frisch und ‘nachts’ jetzt richtig kalt, aber mit selbsterhitzenden Einlegesohlen und noch einer extra Midlayer-Schicht ist es halbwegs zu ertragen. Dunkel wird es gar nicht mehr, heute hatten wir ein tolles Farbspektakel in rot/grau und vorletzte Nacht war dazu auch noch Vollmond. Jetzt motoren wir noch 15 Seemeilen bis zum Hafen und bewundern bei Nieselregen die Berge mit Schneeresten.”

Giornalista sportivo