Die 29 Meter lange „Ouzel“ hat die Erprobungsphase abgeschlossen. Der Ende 2025 gewasserte Neoklassiker musste sich auf der Penobscot Bay im Norden Maines bei mäßigen Winden beweisen. Die Yacht verbindet klassische Optik mit einem Rigg, das auf schnelles Fahrtensegeln ausgelegt ist. Mehrere Testtage erlaubten die Beurteilung verschiedener Windstärken und Kurse.
Alle Projektpartner nahmen an den Segeltests teil, um gezielte Feinabstimmungen vor der Auslieferung vornehmen zu können. Erstmalig war auf dem Code Zero die namensgebende Ringdrossel zu sehen, ein seltener Singvogel, der in Europas Bergregionen wie den Alpen oder schottische Highlands zu Hause ist.
Tom Degrémont von Langan Design Partners begleitete die mehrtägigen Tests und beschreibt „Ouzels“ Leistung an der Kreuz so: „Das Boot hat einen Wendewinkel von 90 Grad, und bei 15 Knoten Wind erreichten wir zehn Knoten. Raumschots waren zwölf Knoten möglich.”
Doyle Sails betuchte das bewusst einfach gehaltene Rigg. Die Standardbesegelung besteht aus Großsegel, Yankee und Stagsegel. Auf Raumschotskursen wird ein Code Zero ausgerollt. Für schnelle Manöver in Küstennähe lässt sich eine Fock anstelle von Yankee und Stagsegel setzen. Die gesamte Segelfläche beträgt am Wind über 420 Quadratmeter. Der Verzicht auf komplexe Segelpläne soll den Wartungsaufwand reduzieren und schnelle Manöver mit kleiner Crew zulassen.
„Ouzel“ entstand bei Rockport Marine in Holz-Verbundbauweise. Die Werft aus dem Norden des US-Ostküstenbundesstaates Maine verbindet traditionellen Holzbootsbau mit modernen Verbundwerkstoffen und schafft stabile wie leichte und pflegeleichte Rümpfe, die sowohl klassische Ästhetik als auch zeitgemäße Leistungsfähigkeit bieten. Die Vorteile lägen auf der Hand: hervorragendes Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht, leichter als Massivholz und dennoch oft fester als reine Glasfaserkonstruktionen.
Unter dem Rumpf entschieden sich die Eigner für einen 3,7 Meter tief gehenden Festkiel mit Stahlfinne. Die fiel so groß aus, dass das Langan-Team sich dafür entschied, die Flosse als zusätzlichen Tank zur Lagerung von Treibstoff auf Langfahrt zu nutzen. Was zu einigen interessanten Überlegungen hinsichtlich der Rohrleitungen führte und dazu, wie der Tank in regelmäßigen Abständen inspiziert und gereinigt werden kann. Die Bombe besteht aus einem Bleiguss mit etwa zwei Prozent Antimon zur Erhöhung der Steifigkeit. Das Gesamtkunstwerk Kiel kam von der anderen Seite des Atlantiks, von Irons Brothers aus Cornwall, die 66 Zentimeter lange Kielbolzen verschweißten.
Mit an Bord von „Ouzel“ war auch der britische Designer Mark Whiteley, der unter Deck die Gestaltungsvorgaben machte. Er steuerte die Yacht bei etwas mehr Druck und erreichte kurzzeitig über 13 Knoten. Das Steuergefühl erlebte er als direkt und präzise. Der bewusst etwas höher gehaltene Freibord bietet mehr Innenraum, lässt das Boot aber auch größer wirken als traditionelle Yachten ähnlicher Länge.
Werftchef Sam Temple erinnert den Entwicklungsprozess als intensive Zusammenarbeit vieler Spezialisten. Frühe Mockups dienten der Optimierung von Schot-Führungen und Sichtachsen. Rockport Marine koordinierte Segelmacher, Hydraulik-Techniker, Mastbauer und Rigger während der Erprobung.
Peter Wilson von Marine Construction Management (MCM) begleitete das Projekt als Bauüberwacher. Er nennt die erste Segelerprobung einen wichtigen Meilenstein nach Jahren der Planung. Die Ruderwirkung beschreibt Wilson als leichtgängig und reaktionsschnell. Nur eine kurze Liste kleinerer Nachbesserungen gab es nach den Tests zu erledigen.
Die Eigner planen Törns in höhere Breiten und zu entlegenen Inseln. Die Kombination aus tiefem Kiel und kräftigem Rigg soll zügiges Vorankommen auch bei moderaten Winden ermöglichen. Und der einfache Segelplan soll den Betrieb mit kleiner Stammcrew erlauben. Die Yacht verzichtet auf Regatta-Optimierung zugunsten von Langfahrt-Tauglichkeit.
Degrémont betont den Sicherheitsaspekt: „Ein schnelles Boot kann sich bei Wetterverschlechterung zügig in Sicherheit bringen. Die Kreuzeigenschaften ermöglichen auch bei ungünstigen Windrichtungen gute Fortschritte. Das klassische Erscheinungsbild verbindet sich mit zeitgemäßer Segeltechnik. Diese Mischung spricht Eigner an, die Wert auf Ästhetik und Fahrtleistung legen.“

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV