Quaggamuschel-InvasionKommt nun die Reinigungspflicht für Boote am Bodensee?

Ursula Meer

 · 06.07.2026

Quaggamuschel-Invasion: Kommt nun die Reinigungspflicht für Boote am Bodensee?Foto: picture alliance / imageBROKER
Quagga-Muscheln sorgen für extreme Probleme am Bodensee. Es handelt sich um eine invasive Art, die ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum kommt.
​Die invasive Quaggamuschel bereitet am Bodensee arge Probleme. Nun hat die Internationale Bodensee-Konferenz beschlossen, eine gemeinsame Schiffsmelde- und Bootsreinigungspflicht vorzubereiten. Wassersportverbände begrüßen die Pläne – sehen aber offene Fragen bei der Umsetzung. Dass eingewanderte Muscheln den Bodensee bedrohen, ist übrigens keine neue Erfahrung.

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Die Quaggamuschel breitet sich im Bodensee rasant aus und gefährdet Ökosystem und Trinkwasserversorgung. Beim Strategiegespräch der Internationalen Bodensee-Konferenz (IBK) am 27. Juni 2026 in Horgen haben die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Anrainerstaaten reagiert: Die zuständigen Fachgremien wurden beauftragt, die nächsten Schritte für eine gemeinsame Reinigungspflicht vorzubereiten. In der Schweiz gibt es sie bereits – mit spürbaren Folgen für Segler.

Was ist die IBK?

Die Internationale Bodensee-Konferenz (IBK) ist ein Zusammenschluss der Regierungen aller Bodensee-Anrainerregionen: die deutschen Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern, das österreichische Vorarlberg, das Fürstentum Liechtenstein sowie die Schweizer Kantone Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, St. Gallen, Schaffhausen, Thurgau und Zürich. Gegründet 1972, koordiniert sie grenzüberschreitende Themen rund um den Bodensee – von Naturschutz über Schifffahrt bis hin zu Trinkwasser. Dass sie sich nun der Quaggamuschel annimmt, zeigt, wie ernst das Problem genommen wird.

Wassersportverbände unterstützen die Pläne

Die Internationale Wassersportgemeinschaft Bodensee (IWGB), die nach eigenen Angaben über 30 Verbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertritt, stellt sich hinter die geplanten Maßnahmen. Man finde „grundsätzlich alles sinnvoll, was der Einschleppung invasiver Arten, wie beispielsweise der Quagga-Muschel, vorbeuge", sagte Vorsitzender Edgar Raff gegenüber dem SWR. Es geht dabei nicht um Boote, die bereits auf dem Bodensee beheimatet sind, sondern um jene, die zwischen verschiedenen Gewässern wechseln.

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Die Umsetzung wirft jedoch Fragen auf. Das Hauptproblem laut Raff: Noch sei völlig unklar, wer die Einhaltung einer solchen Reinigungspflicht überhaupt kontrollieren soll. Eine Möglichkeit wäre, die Hafenmeister damit zu beauftragen – aber ob diese die Kapazitäten hätten, sei fraglich. Großflächig sämtliche Boote zu überprüfen, sei kaum möglich. Parallel zur Reinigungspflicht sei daher Aufklärungsarbeit besonders wichtig, so Raff.

Was die IBK beschlossen hat - und wie es weitergeht

Die IBK beauftragte die Internationale Schifffahrtskommission für den Bodensee (ISKB) und die IBK-Kommission Umwelt, die nächsten Schritte für eine mögliche Schiffsmelde- und Schiffsreinigungspflicht im Einzugsgebiet des Bodensees vorzubereiten. Sobald die Ergebnisse einer Neobiota-Studie vorliegen – sie werden bis Ende 2026 erwartet – sollen beide Gremien einen Vorschlag zur Anpassung der Bodensee-Schifffahrts-Ordnung erarbeiten. Eine erste rechtliche Abklärung kommt zum Ergebnis, dass für eine einheitliche Regelung zunächst ein klarer politischer Auftrag und eine Änderung der Schifffahrts-Ordnung notwendig wären. „Invasive Arten machen nicht an Grenzen halt. Deshalb braucht es beim Schutz des Bodensees ein abgestimmtes Vorgehen der Länder und Kantone", sagte IBK-Vorsitzender Ernst Stocker.

Wie die Reinigungspflicht in der Schweiz funktioniert

In mehreren Schweizer Kantonen gibt es die Schiffsmelde- und Reinigungspflicht (SMRP) bereits. Eigner, die mit ihrem Boot von einem See zum anderen wechseln wollen, müssen dies im Vorhinein anmelden und eine professionelle Reinigung nachweisen. Daniel Kallenbrunn, Geschäftsführer der Kibag-Marinas, erklärt das Verfahren: „Die Schiffe werden bei uns mit dem Hochdruckreiniger mit mindestens 70 Grad heißem Wasser gesäubert. Außer dem Rumpf müssen alle Teile gereinigt werden, die mit Seewasser in Kontakt gekommen sind." Besonders aufwändig sei das Spülen der Kühlwasserkreisläufe: „Durch die Leitungen muss mindestens 15 Minuten lang ebenfalls 70 Grad heißes Wasser fließen." Die Reinigung kostet mindestens 320 Euro – und ohne Zertifikat wird kein Boot ins Wasser gelassen.

Für Regattasegler gibt es ein vereinfachtes Verfahren: Sie dürfen die Reinigung unter Aufsicht eines geschulten Kontrolleurs selbst vornehmen. Je nach Bootstyp und Liegedauer gelten unterschiedliche Freigabeprozesse.

Kein neues Problem - und vorsichtiger Optimismus

Dass eingewanderte Muscheln den Bodensee bedrohen können, ist übrigens keine neue Erfahrung. Bereits 1970 berichtete die YACHT, Taucher sollten in 60 Metern Tiefe die Saugstellen der Trinkwasserentnahme untersuchen – auf Dreikantmuscheln, eingeschleppt durch Sportboote von Nord- und Ostsee. Damals warnte das Staatliche Seenforschungsinstitut Langenargen, die Trinkwasserversorgung sei ernsthaft gefährdet. 1969 hatte ein Autor in der DDR-Segelzeitschrift „Segelsport" die Folgen anschaulich beschrieben: Ein 90 Zentimeter weites Leitungsrohr sei bis auf 23 Zentimeter Durchmesser zugewachsen – aus einer 400 Meter langen Leitung wurden 400 Kilogramm Muscheln entfernt.

Meeresbiologe Dr. Michael Zettler vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde kennt das Muster. Die Quaggamuschel sei am Bodensee zwar gerade in den Schlagzeilen – aber keineswegs neu: „Bei uns in Mecklenburg war sie schon ab etwa 2010 zu finden." Und er verweist auf ein Muster, das sich bei invasiven Arten immer wieder zeigt: „Zuerst gibt es eine explosionsartige Vermehrung. Die Bestände schießen nach oben, man erreicht einen Peak mit sehr hohen Dichten – und dann fallen diese Dichten wieder ab, bis hin zu normalem Vorkommen." Auch die Dreikantmuschel hat sich schließlich ins Ökosystem eingepegelt: 1980 berichtete die YACHT nicht mehr von ihr als Schädling – sondern als Nahrungsgrundlage für überwinternde Tauchenten auf Schweizer Seen.

Ob die Quaggamuschel denselben Weg nimmt, bleibt offen. Prävention aber sei das einzig wirksame Mittel, betont Zettler mit Blick auf die anstehende Reinigungspflicht: „Wenn eine Art erst mal etabliert ist, hat man überhaupt keine Chance mehr einzugreifen. Eine Reinigungspflicht wird die Verbreitung nicht komplett verhindern – Fischer schleppen die Larven mit ihren Netzen, Enten mit Wasser in ihrem Federkleid – die Wege der Einschleppung sind unergründlich. Aber ein Hinauszögern ist besser, als nichts zu tun."

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Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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