Mit 35 Booten und rund 350 Akteuren haben die deutschen Seesegler bei der MaiOR-Regatta vor Kiel ihre Saison im Glück eingeläutet. Von Sonnenschein und leichter Frühsommerbrise über knackige Bedingungen bis hin zur Nebel-Herausforderung am Finaltag: Der Klassiker vom Kieler Yacht-Club begeisterte seine Herausforderer mit acht spannenden Rennen und bester Stimmung auf dem Wasser wie an Land.
Drei Auffälliggkeiten ergaben sich nach dem Finale beim Blick auf die Ergebnislisten: Die XR 41er bleiben auch mit ihrem neuen Rating stark und gleich vier Cape 31er machten sich in ORC C&D sehr gut. Dazu haben die Gastgeber der J/70-Klasse trotz Mini-Feld von fünf Booten einen eigenen Start gewährt und hoffen, dass dieses Engagement in den kommenden Jahre mit wachsenden Feldern belohnt wird.
Von der XR 41-Güte zeugte der Sieg von Jens Kuphals “eXciteR” (11,8 Punkte) vor Erik Stannows dänischer Klassenschwester “Dixi 5” (16 Punkte), deren üblicherweise auf Top-Niveau agierendes Team noch einige Crew-Wechsel auszugleichen hatte. Auch den dritten Podestplatz eroberte in ORC A&B mit der HH42 “Quinta light” (21 Punkte) ein Boot unter dänischer Flagge. Anders Bogasons Crew konnte die Teams auf der Mat 1220 “Pure” (24 Punkte) um Lars Hidde und Walter Watermanns Fast 40+ “X-Day” (34 Punkte) beim MaiOR-Kräftemessen in Schach halten und auf die Plätze vier und fünf verweisen.
In ORC C&D rahmten zwei Cape 31er Torsten Bastiansens zweitplatzierte X-35 “Sdybank” auf dem Podium ein. Michael Berghorns Cape 31 “Halbtrocken 3.1” (18 Punkte) gewann die MaiOR-Regatta mit einem Punkt Vorsprung vor der “Sydnbank”-Crew. Auf “Halbtrocken 3.1” segelten mit Michael Berghorn Aike Braje, Marc Fichtner, Leonard Beyer, Mikkel Rossberg, Eike Claas Camincke und Jes Gram-Hansen.
Auf Platz drei segelte Johannes Wackerhagens “Lil’ Desna” (28 Punkte) bei einem Punkt Vorsprung vor Jürgen Klinghardts viertplatzierter Italia 9.98 “Patent 4”. Im J/70-Fünfkampf setzten sich Paul Porthun, Jasper Thoms, Leonie Bergmann und Kajus Goede auf “Jane” vom Mühlenberger Segel-Club durch.
Die Bedingungen vor Kiel-Schilksee präsentierten sich über die drei Tage hinweg abwechslungsreich und – wie im vergangenen Jahr – mit hohem Sport- und Spaßfaktor. Am Freitag und am Samstag wurde Kaiserwetter geboten. Zunächst ging es in sehr leichten, dann auch in druckvollen Winden zur Sache. Zwei Rennen am Freitag und vier Up- and Downs am Samstag verlangten den Crews insbesondere navigatorisch und taktisch alles ab.
Der finale Sonntag zeigte sich dann von einer ganz anderen Seite. Dichter Nebel am Morgen, wenig Wind und eine ruhige Ostsee stellten die Teams vor neue Herausforderungen. Unter diesen typischen, aber anspruchsvollen MaiOR‑Bedingungen wurden in den beiden Schlusswettfahrten noch einmal das seglerisches Können und auch die Erfahrung der Crews geprüft.
In der Gruppe ORC A&B waren Jens Kuphal und seine Crew auf der “eXciteR” zunächst verhalten in die Serie gestartet, lagen nach den ersten beiden Wettfahrten am Freitag noch nicht auf einem Podiumsplatz. Mit einer starken Serie am Samstag konnte sich die Crew jedoch nach den vier gesegelten Wettfahrten an die MaiOR-Spitze katapultieren und diese Führung am Finaltag souverän verteidigen.
Für uns war es der perfekte Saisonauftakt in jeder Hinsicht. Ich habe mich auch sehr bei der großartigen Wettfahrtleitung um Eckart Reinke bedankt. Ich weiß, was es bedeutet, an Feiertagen seine Leute zusammenzukriegen, damit wir segeln. können.” Jens Kuphal
Mit Eigner und Steuermann Jens Kuphal waren auf “eXciteR” Taktiker Robert Stanjek, Neu-Strategin Sarah Ayton, Trimmerin Annie Lush, Großsegeltrimmer Max Gurgel, Phil Blinn, Ludger Gawlitta, Daniel Frahm, Jacek Wysocki, Ivar Elstrodt und Lasse Klein aktiv. Der erste Einsatz von Doppel-Olympiasiegerin Sarah Ayton brachte neue Impulse in die Mannschaft. Die Britin ergänzte die Afterguard im Zusammenspiel mit Stanjek, Gurgel und Lush stark.
“Eine Doppel-Olympiasiegerin, ein Starboot-Weltmeister und das Team – es war echt beeindruckend. Die Zahlen flogen übers Deck wie auf einem Basar”, schwärmte Jens Kuphal von der neuen Konstellation. Annie Lush hatte die langjährige Freundin und Weggefährtin Sarah Ayton empfohlen. Ihre Anmerkung dazu: “Sarah will einfach immer gewinnen.”
Ayton hatte 2004 in Athen als Crew-Mitglied an der Seite von Shirley Robertson 2004 in Athen ihre erste olympische Goldmedaille in der Yngling gewonnen, bevor sie als zweimalige Weltmeisterin dann selbst das Steuer übernahm und mit der eigenen Crew 2008 in Qingdao erneut zum Olympiasieg segelte.
Das um Erfahrung und Können der 46-jährigen Sarah Ayton erweiterte Zusammenspiel in der “eXciteR”-Crew begeisterte Jens Kuphal: “Wir hatten gute Starts, aber natürlich geht es auch mal auf die falsche Seite. Das war es dann aber nicht. Wir hatten mehrere echt starke Comebacks. Dieses Qualität ist schon beeindruckend, echt krass.” Das Kuphal-Team hat sich die ORC-Weltmeisterschaft im August 2027 als Fernziel gesetzt.
“Bei den EMs haben wir den ganzen Satz beisammen, aber dieser Titel fehlt uns noch. Klar müssen wir bis dahin noch Schritte nach vorne machen, aber das ist das ultimative Ziel”, erklärte Kuphal. Auch menschlich, so der Stellvertretende Vorsitzende im Berliner Yacht-Club, stimme es in seinem Team mit “Hammer-Boot”. “Das ist schön und unglaublich wichtig”, so Kuphal.
Ebenso wichtig ist ihm, der auch die Arbeit der Vordenker und Macher der Regatta Vereinigung Seesegeln und das Team um RVS-Dirigent Bertil Balser unterstützt, die “stark inspirierende Wirkung” des MaiOR-Saisonauftakts. Kuphal erinnerte an die zur Kieler Woche anstehende Internationale Deutsche Meisterschaft der Seesegler und sagte: “Wir wollen uns im Rahmen wie jetzt bei der MaiOR darum kümmern, dass wir da erneut so schön segeln können.” Die IDM Seesegeln steigt zur Kieler Woche vom 20. bis zum 23. Juni.
Das jetzt erlebte MaiOR-Wochenende sollte eine Inspiration dafür sein, wie toll und auf was für einem Niveau man bei uns segeln kann.” Jens Kuphal

Giornalista sportivo