Am Ende wurde es im Race to the Arctic noch einmal spannend im neuen Polarkreisrennen. Weil die beiden starken deutschen Teams ihre Gruppen zwar zu Halbzeit angeführt hatten, danach aber auf der dritten Etappe minimal von der Erfolgsspur abgekommen waren, mussten sie auf der vierten Etappe um ihre Klassensiege kämpfen. Das gelang sowohl Christoph und Benjamin Morgen auf der JPK 10.50 “Momo” (NRV) in der großen “Klasse Wergeland” als auch Lina Rixgens und Sverre Reinke auf der Sun Fast 30OD “Gaia” (VSaW/TSV Schilksee von 1947) in der “Klasse Partner” erfolgreich.
Beide deutschen Duos hatten das neue Polarkreisrennen mit jeweils zwei Siegen auf den insgesamt vier Etappen von Mandal via Fedje, Kristiansund und Sandnessjøen nach Svolvær in den Lofoten eröffnet. Dann aber änderten sich die Bedingungen, der Amwindanteil nahm sprunghaft zu und sie hatten etwas mehr zu kämpfen. Von Etappe drei kam “Momo” mit Rang drei ins Ziel, “Gaia” mit Rang vier.
“Momo” startete mit nur einem Punkt Vorsprung vor der norwegischen Dehler 44 “Off Course” in die Finaletappe. “Gaia” hatte einen Puffer von zwei Zählern. Dann brachte ein Polartief gepfefferte Winde. Was ursprünglich als langsamer und taktisch geprägter Zieleinlauf bei nachlassendem Wind erwartet worden war, entwickelte sich zu einem der dramatischsten Momente im gesamten Race to the Arctic.
Im Laufe des Nachmittags hatte der Wind zunächst nachgelassen, als sich die führenden Boote den Lofoten näherten. Es sah erst so aus, als könnten die größeren Yachten ihren ersegelten Vorsprung bei diesen leichten Bedingungen noch ausbauen, doch Mutter Natur hatte andere Pläne: Ein schnell verlaufendes arktisches Polartief fegte plötzlich über die Flotte hinweg und veränderte die Bedingungen für manche Crew binnen Sekunden.
Ruhige See und blauer Himmel wichen Windstärken von 30 bis 35 Knoten, in Böen sogar über 40 Knoten. Begleitet wurde der Druck von einer steilen Welle und sintflutartigem Regen. Die weiter hinten in der Flotte liegenden Boote profitierten als Erste von der frischen Brise und verkürzten rasch den Abstand zu den Führenden. “In einem Moment segelte die Flotte noch im strahlenden Sonnenschein durch ruhige Gewässer. Im nächsten Moment geriet sie in ein Polartief. Das sind die Lofoten: wunderschön, wild und wunderbar unvorhersehbar“, sagte Rennleiter Thomas Nilsson.
Die Line Honours im letzten Härtetest der Schlussetappe holte die norwegische Landmark 43 “White Shadow”. Während die Morgens auf “Momo” mit ihrem dritten von vier möglichen Etappensiegen mit insgesamt nur sechs Punkten auf dem Race to the Arctic-Konto und zehn Zählern Vorsprung vor “Off Course” den Gesamtsieg souverän einfuhren, reichte Rixgens und Reinke auch ein dritter Rang im Endspurt zu ihrem Klassensieg.
Vier Punkte Vorsprung vor der norwegischen First 36.7 “Lethe” mit Øyvind und Morten Knudsen ließen die Mixed-Crew aus Hamburg jubeln. Als Siebte in derselben Klasse machten Jochen Denkena und Mini-Ass Hendrik Lenz auf der Sun Fast 3200 “Arrabiata” das bemerkenswerte Gesamtergebnis des deutschen Trios komplett. Kurz vor Mitternacht hatten am Sonntagabend alle 62 noch im Rennen aktiven Teams die Ziellinie passiert. “Die Szenerie ist hier so irre, als würde man in die Alpen reinlegen. Nur mit Wind”, berichtete Hendrik Lenz vom Svolvær-Finale im Race to the Arctic.
Lina Rixgens und Sverre Reinke blickten am späten Sonntagabend im Zielhafen des neuen Polarkreisrennens auf Kurs Mitternachtssonne auf eine gelungene Etappe zurück. Die Co-Skipperin erzählte: “Die erste Hälfte des Rennens war richtig mega für uns! Wir haben das Feld für acht Stunden durch die Schäreninseln angeführt. Und dann kam und kam der erwartete Linksdreher nicht. Und alle Boote auf der rechten Seite lagen weit vorn. So ist es eben manchmal.”
Bei “super Wetter” erlebten nicht nur Lina Rixgens und Sverre Reinke einen Kurs “mit grandiosen Blicken auf die Berge”. Dann gab es noch die graue Dusche, wie Lina Rixgens vom Rodeoritt im Polartief berichtete: “Zehn Seemeilen vor dem Ziel kam nochmal eine fette Regenwolke mit 35 Knoten Wind an. Die hat uns noch auf den dritten Rang surfen lassen, leider aber auch unseren neuen Code 0 aus dem Achterliek rauschen lassen. Aber wir sind gut auf den Lofoten angekommen!”
Wir haben das erste Race to the Arctic gewonnen. Wir sind mega happy!” Lina Rixgens
Dieses erste Race to the Arctic war ein Rennen eher für die kleineren Boote. Es hat seine Herausforderer auf der Schlussetappe über den Polarkreis geführt. Das neue Offshore-Rennen kam bei seinen Teilnehmern gut an und hat mit interessantem Kurs, Bilderbuchküstenabschnitten,fantastischen Wasserwelten und sehr engagierten Gastgebern das Zeug zum Klassiker. Die Crews de Erstauflage kamen aus Norwegen, Schweden, Dänemark, der Schweiz, den Vereinigten Staaten und aus Deutschland.

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