Seit vielen Jahren schlummert auf der Flensburger Werft Robbe & Berking Classics eine Prinzessin, die nur darauf wartet, wachgeküsst zu werden. Am liebsten von einem australischen Prinzen - so jedenfalls wünscht es sich Werftchef Oliver Berking. “Sie gehört nach Hause”, so der intime Kenner der Yachtsportgeschichte des America’s Cups und seiner Yachten. Die Lebensläufe der Zwölfer, auf welchen in den Jahren von 1985 bis 1987 um die Silberkanne gesegelt wurde, kennt er wie kein anderer.
So kam es auch, dass der Voreigner von “Gretel”, der amerikanische Konstrukteur Doug Peterson, sich mit seinem Veräußerungswunsch eines Tages an Berking wandte. “Ich habe sie damals in Italien abgeholt, wo Doug Peterson ein Sommerhaus hatte. Er wollte sie restaurieren, wurde aber immer älter und kam nicht recht dazu,” so Berking, der die historische Bedeutung der 1962 in Australien gebauten Yacht kannte und bewahren wollte. Die beschreibt Berking auf der Internetseite Robbe & Berking Classics:
”Die 12-m-R Yacht GRETEL segelte 1962 als Herausforderin um den America’s Cup. Designt wurde GRETEL von dem Yachtkonstrukteur Alan Payne. Ihr Rumpf wurde aus Holz auf Stahlspanten gebaut. Der erste australische 12er überhaupt lief am 19. Februar 1962 von Stapel, sieben Monate vor den America’s Cup Wettfahrten. Neun Tage später wurde die Yacht auf den Namen GRETEL getauft, in Erinnerung an Frank Packers verstorbene Ehefrau. Schon bei den ersten Probeschlägen gegen „Vim“ zeigte sich, dass „Gretel“ sehr schnell war. Ende Mai 1962 wurden beide Schiffe in die USA geschickt, wo „Gretel“ später der Verteidigerin, „Weatherly“ einen harten und würdigen Kampf lieferte. Die Rennen waren spannend und wurden jeweils nur knapp gewonnen, eine Wettfahrt konnten die Australier für sich entscheiden.“
Irgendwo, da ist Berking sich sicher, gibt es jemanden, der diese einzigartige Yacht retten wird. “Nur leider hat dieser Australier bisher meine Telefonnummer irgendwie nicht herausgefunden”, so Berking. Um ihm auf die Sprünge zu helfen, hat der Enthusiast jetzt einen Post auf Instagram abgesetzt. Zwar steht der Zwölfer auf seiner Werft nicht nur gut, sondern neben “Vim” im Winterlager auch in vertrauter Gesellschaft. Aber für den Sommer hat Berking eine Mitfahrgelegenheit nach Australien organisiert. Und zwar an Deck eines Frachtschiffes, das gegenüber bei der Flensburger Schiffbauf Gesellschaft gebaut und im Juli nach Australien ausgeliefert wird. “Ein australischer Käufer bekäme das Schiff frei Haus geliefert”.
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Wie sehr man sich auch Down-Under die Heimkehr des Zwölfers wünscht, zeigt die Kampagne des Australiers Nigel Watts. Der hat auf Change.Org eine Petition ins Leben gerufen, mit deren Unterzeichnung dazu beigetragen werden soll, die Regierung auf den historischen Wert von “Gretel” hinzuweisen. Die wird darüber hinaus dazu aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Rückkehr und die Restaurierung zu finanzieren.
Viel Geld ist dafür nicht nötig. Oliver Berking jedenfalls möchte sich an der Vermittlung des Zwölfers nicht bereichern. Dem Gründer des Robbe & Berking Yachting Heritage Centre geht es bei ”Gretel” allein um die Bewahrung eines bedeutenden Kapitels der Yachtsportgeschichte - der Tagessieg war der erste Triumph über die amerikanischen Titelverteidiger seit fast 30 Jahren und gilt als Inspiration für viele weitere Herausforderer. Bisher habe er 160.000 Euro für den Zwölfer ausgegeben, die sind heute dessen Kaufpreis. Dafür, so Berking, mache er auch “eine Schleife drumrum”.

Rédacteur en chef adjoint de YACHT