An dieser Stelle bringen wir ausgewählte Beiträge aus 100 Jahre alten Ausgaben der YACHT. In Ausgabe 13/1926 beschrieb der Maler-Architekt G. Rogier das Innere von “Vereins- und Klubhäusern” - beziehungsweise, wie es aus künstlerischer Sicht seiner Meinung nach gestaltet sein sollte.
Die Wohnung eines Menschen gibt ein Bild seines Wesens, ein Merkmal für den Charakter des Einzelnen wie für die Sitten und Bildung der Menge; in ihrer Erforschung liegt ein großes Stück Kulturgeschichte und Psychologie. Niemand wird den Einfluss unterschätzen, den die Beschaffenheit des Hauses auf die allgemeine Behaglichkeit ausübt, und es lässt sich leicht erkennen, wie wesentlich gesunde Proportionen in Bezug auf Lebensstellung und Charakter der Insassen für den Gesamteindruck sind. Oft berühren reiche, kostbar ausgestattete Räume frostig und unangenehm, während bescheidene, unansehnliche, in denen nicht ein einziger Gegenstand besondere Beachtung verdient, bereits beim ersten Eintreten Sympathie erwecken. Gesuchte, leere Einfachheit kann ebenso abstoßen wie aufdringliche, überladene Pracht; das herrlichste Kunstwerk kann seine Wirkung verlieren, wenn es nicht zur Umgebung stimmt. Eine Wohnung wird nie wirklich behaglich sein, solange sie nicht im richtigen Verhältnis zur Lebensstellung des Besitzers steht. Sein Charakter, seine Beschäftigung, der Kreis seiner Verwandten und Freunde, selbst seine physische Erscheinung muss mit den Dingen harmonieren, die ihn umgeben, die er täglich braucht, die ein Stück seines Daseins bilden und zu seiner äußeren Person gehören, wie die Kenntnisse zu seinem inneren Wesen.
Angeregt von Freundesseite habe ich versucht, in drei Studien das Innere von Vereins- und Klubhäusern nach modernen künstlerischen Motiven zu behandeln. Es wird sich bei der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage nicht so bald ein Verein leisten können, ein neues modernes Klubhaus zu bauen und künstlerisch einzurichten, aber ich sehe in Gegenwärtigem ganz von Neubauten ab und möchte mit Altem, Vorhandenem schaffen und bilden. Meinen drei Entwürfen liegt als Ausstattungsmaterial altes Schiffbauholz zugrunde, das man nicht dem Zillenschlächter für Brennholz zu überlassen braucht, sondern aus dessen guten und gesunden Stücken man allerlei Wertvolles für eine gemütliche und schöne Ausstattung seines Klubheimes machen kann.
Die erste Perspektive stellt eine Kaminnische dar, die, alt im Stil behandelt, an stürmischen Winterabenden verschiedene Getreue um ein lustig prasselndes Feuer in bequemen Sesseln finden wird, wo bei einer guten Pfeife und gelegentlichem „lütten Kom" so manches interessante Seemannsgarn gesponnen werden kann.
Die zweite Studie im Aufriss stellt ein Vereins- oder Vorstandszimmer in einer Wandfläche dar. Die Tür nach dem Festsaal ist für evtl. vorgerückte Stimmungen mit B.B.- und St.B.-Lichtern versehen. Zwischen zwei Riemen hängt ein Bild, welches drei unserer großen Vorfahren aus der Hansezeit darstellt, die sich den seemännischen Geist ihrer Nachkommen aus einem Rahmen, der aus einer starken Trosse gebildet ist und in einem Schifferknoten endet, betrachten. Links der Tür eine kleine Bibliothek, darunter ein kleiner Pfeifenhalter. Gegenüber eine alte Uhr. Die Tür befindet sich vertieft; das Brett darüber, von alten Schakeln gehalten, ist gleichsam eine originelle Supraporte. In den oberen Flächen Ständer befreundeter Klubs.
Da die Gelegenheit bekanntlich Diebe macht, dürfte sich für die dritte Perspektive wohl immer eine ziemlich starke Crew finden. Der Entwurf stellt eine Trinkecke dar; ich war bestrebt, darin möglichst die Illusion einer Kajüte zu erwecken, um die Behaglichkeit und Gemütlichkeit recht zu steigern. Ein mit Bleiverglasung versehenes Fenster wird durch zwei Bordschränkchen eingerahmt, über denen Delphine die Beleuchtungskörper halten. Der Deckensprung entspricht dem Deckssprung, worin durch eine Vertiefung ein Deckslicht vorgetäuscht wird. An einer starken Kette hängt über der Mitte des Kajüttisches eine genaue Kopie einer alten Schiffslampe. Das Deckslicht selbst ist mit kleinen Glühbirnen bestückt, die ein sehr festliches Licht auf die versammelte Korona herabscheinen lassen. Die einzelnen Flächen in der kassettierten Decke tragen gemalte Motive von alten Schiffstypen. Links eine kleine Bibliothek mit eingebautem Likörschränkchen, darunter Platz für Ehrenhumpen. Rechts ein Bild. Das halb achteckige Sofa gibt bequem achtzehn Personen Platz, und die Zahl der Unentwegte kann durch Backensessel noch stark vergrößert werden, auf dass ihr Charakter, ihre Beschäftigung, der Kreis ihrer Freunde und selbst ihre physische Erscheinung durch das wirkungsvolle Milieu ins rechte Licht gesetzt werde.
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