Martimes UpcyclingWie aus alten Booten Möbelstücke werden

Fabian Boerger

 · 18.05.2026

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Photo: YachtingGate
Aus diesem Folkeboot wird nie wieder jemand segeln. Dafür bekommt es ein zweites Leben – als Möbel. Das Eckernförder Unternehmen YachtingGate verwandelt ausgediente Boote in Schreibtische, Zweisitzer oder Lampen, ganz nach Kundenwunsch.
Aus ausgedienten Segelbooten werden in der Werft YachtingGate in Eckernförde hochwertige Möbel – vom maritimen Schreibtisch bis zum Strandkorb. Was mit einem Prototypen begann, ist ein kreativer Ansatz gegen die Verschrottung alter Boote. Geschäftsführer Steffen Kluike über Upcycling, Nachhaltigkeit und die Frage, wieviel altes Boot in neuen Möbeln stecken kann.

​Sagen Sie mal, Herr Kluike, wie viel Boot steckt in so einem Möbel?

100 Prozent. Beim Schreibtisch zum Beispiel haben wir Teile aus dem Rumpf entnommen, den Übergang vom Deck zum Aufbau genutzt und dazu noch eine neue Arbeitsplatte eingepasst. Aber das heißt nicht, dass wir das gesamte Boot für einen einzigen Tisch verwendet haben – wir haben noch Rohlinge stehen, für die wir bereits Pläne haben.

Aus der Bugsektion würde sich zum Beispiel ein Strandkorb anbieten, aus der Hecksektion ein Zweisitzer, wo man das Achterstag so modifizieren könnte, dass hinten eine kleine Minibar entsteht. Aus Ruderblatt und Baum würden wir zum Beispiel Lampen bauen, oder man könnte Regale fertigen – die Möglichkeiten sind eigentlich unendlich.

YachtingGate ermöglicht Werft-Service und Möbelbau

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Wir arbeiten mit einer Firma in Rendsburg zusammen, die Yachten verschrotten. Wir übernehmen den Transport. Dabei stellten wir fest: Bei einigen Booten war vieles noch gut in Schuss. Zum Segeln taugten sie nicht mehr, klar. Aber wir dachten, es wäre schade, alles einfach wegzuschmeißen oder in den Ofen zu stecken. Im Sinne der Nachhaltigkeit wollten wir kreativ werden. Die Idee: maritimer Möbelbau. Als ersten Prototyp bauten wir einen Schreibtisch.

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Eignet sich jedes Boot dafür?

Wir schauen es uns vorher an. Direkter Kontakt mit dem Kunden läuft parallel, teilweise schicken sie Fotos. Wenn darauf eindeutig nichts mehr zu retten ist, lehnen wir ab. Sehen wir aber Potenzial – wenn wir denken „Da könnte noch was draus werden" – sprechen wir mit dem Kunden und schlagen vor: Wir nehmen das als Rohling und verarbeiten es weiter.

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Der Prototyp ist auch eine Art Testballon. Warum?

Mit dem Prototyp wollten wir Kunden zeigen, was möglich ist. Alles ließe sich bauen, natürlich. Doch sinnvoller ist es, wenn der Kunde mit konkreten Vorstellungen auf uns zukommt. Fatal wäre, wenn wir etwas vorfertigen und er dann sagt: einen halben Meter länger, bitte. Deshalb entwickeln wir gemeinsam, was der Kunde möchte, wie es aussehen soll, und schneiden entsprechend zu.

Wiederverwertung statt Verschrottung

Wie aufwendig ist das upcyceln angesichts der vielen Materialien, die in einem Boot verbaut sind?

Das ist gar nicht so wild. Den Sandwichkern entfernen wir zum Beispiel nicht komplett. Wir entnehmen nur einzelne Komponenten: Motor, Elektrik, Kabelstränge. Zunächst gehen wir etwas gröber vor beim Selektieren – nachher ist das kein Problem. Das ist bei einem Refit, den wir auch in unserem Betrieb anbieten, nicht sonderlich anders. Da zerlegen wir das Boot ebenfalls komplett, bringen es auf eine Basis und bauen es wieder auf. Das passt gut mit dem Upcycling zusammen. So kamen wir auf die Idee.

Wie ist die Resonanz?

Die Idee wird überwiegend positiv aufgenommen. Konkrete Bestellungen halten sich noch in Grenzen, aber wir stehen auch erst am Anfang. Außerdem ist unsere Zielgruppe ziemlich spitz: Menschen, die etwas Besonderes suchen. Das kann die Anwaltskanzlei sein, die einen außergewöhnlichen Schreibtisch will, oder die Gastronomie, die einen hochwertigen Tresen braucht. Dahinter steckt viel Vorarbeit, viele Arbeitsstunden. Um mal einen Richtwert zu nennen: So ein Schreibtisch, wie wir ihn gebaut haben, kommt fertig und schön gemacht auf rund 6.000 bis 7.000 Euro.

Weitere Informationen finden Sie hier.


Fabian Boerger

Fabian Boerger

Editor News & Panorama

Fabian Boerger ist an der Lübecker und Kieler Bucht zuhause – aufgewachsen in diversen Jollen und an Bord eines Folkeboots. Seit September 2024 arbeitet er als Redakteur im Panorama- und News-Ressort und verbindet dort seine Leidenschaften für das Segeln und den Journalismus. Vor seiner Zeit bei Delius Klasing studierte er Politikwissenschaften und Journalistik, arbeitete für den Norddeutschen Rundfunk und das ZDF. Sein Volontariat machte er bei der MADSACK Mediengruppe (LN, RND). Jetzt berichtet er über alle Themen, die die Segelwelt bewegen – mit dem Blick des Praktikers und der Präzision des Journalisten.

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