Zu Halbzeit lag im 1000 Race Favorit Sam Goodchild vorne. Der britische “Macif Santé Prévoyance”-Skipper hatte sowohl den Fastnet-Felsen in der Irischen See als auch die folgende Bahnmarke der Trophée Guy Cotton als Erster passiert. Da ging es im Reaching noch mit erfrischenden 20 Knoten Speed voran. Goodchild konnte die Stärken seiner jüngsten Vendée-Globe-Siegerrakete ausspielen. Auch die Konkurrenz genoss die Bedingungen, für die ihre Boote gemacht sind.
Das Boot flog in perfekter Balance. Ehrlich gesagt: Es war das absolute Glück!” Élodie Bonafous
Doch inzwischen hat sich das Bild stark gewandelt. Die rasanten Zeiten sind vorbei. Das Tempo hat sich fast halbiert. Die Aussichten sind eher flau. Am frühen Mittwochmorgen hat zunächst Francesca Clapcich auf “11th Hour Racing” (Ex-”Malizia 3”) die Führung im 1000 Race übernommen, die sie bis in den Vormittag hinein hielt. Eine Handvoll Seemeilen hinter ihr hat sich Violette Dorange auf “Initiatives - Cœur” auf Platz zwei vorgeschoben. Knapp dahinter folgten Corentin Horeau auf “Macsf” (Ex-”Paprec Arkéa”) und Élodie Bonafous mit “Association Petits Princes - Quéguiner”. Zum Live-Tracking geht es hier.
Langzeitspitzenreiter Sam Goodchild bezahlt indessen – zumindest zwischenzeitlich – für seine Investition: Er bildet den südlichsten Außenflügel auf der drei Tage nach dem Start stark in Nord-Süd-Achse verteilten Flotte. Alle sieben Solisten wollen vor dem 1000-Race-Endspurt nach Concarneau schnellstmöglich die letzte Bahnmarke unterhalb des 46. Breitengrads Nord erreichen, bevor es mit dem letzten Abschnitt wieder nach Nordosten in Richtung Ziellinie vor Concarneau geht.
Die Position für den Wegpunkt Gallimard hatte die Rennletung auf den Breitengrad von Bordeaux und den Längengrad von Kap Finisterre verlegt. Auf den letzten, insgesamt gut 400 Seemeilen stehen im 1000 Race schwere Aufgaben bevor, denn die Winde werden zunehmend leicht und unbeständig. Für den 7. Mai wird Flaute in der sonst so oft stürmischen Biskaya erwartet. Die schwachwindigen Felder dürften sich in unangenehmer und nur schwer berechenbarer Weise im Endspurt zunehmend ausdehnen.
Der abrupte Tempowchsel sorgt aber auch für neue Chancen und anhaltende Hochspannung im 1000 Race. Seit dem Wegpunkt Guy Cotten hat sich das Bild radikal gewandelt. Vorbei ist das „gemütliche“ Reaching: Die Flotte bewegt sich in stark fordernden schwankenden Winden. Die Bedingungen machen die Navigation schwer und rauben den Schlaf.
„Die Situation ist wirklich nicht einfach“, hatte Sam Goodchild am sehr frühen Morgen des 6. Mai vermeldet. „Wir schwanken ständig zwischen 10 und 20 Knoten, mit permanenten Richtungswechseln, Böen, Wolken… Und da es stockfinster ist, macht das die Sache ziemlich kompliziert.“ Das gleiche Bild beschrieb Francesca Clapcich, die weiterhin ihre Imoca im Alleingang entdeckt: „Der Wind ist extrem wechselhaft, sowohl in der Richtung als auch in der Stärke. An Bord ist ständige Wachsamkeit gefragt.”
Ich bin mir nicht sicher, ob ich noch viel schneller fahren kann, aber ich gebe weiter Gas.“ Francesca Clapcich
An Bord der Imocas hat sich im 1000 Race die Müdigkeit nun voll und ganz breitgemacht. Von der fordernden Situation berichtete auch Élodie Bonafous nach sehr schwierigen Stunden, die an Bord von “Association Petits Princes - Quéguiner” von einem heiklen Segelwechsel und dem Bruch eines Jockey-Poles geprägt waren. Élodie Bonafous sagte: „Ich habe schon eine Weile nicht mehr geschlafen. Aber jetzt kann ich nicht nachlassen: Jede Schwankung kann einen Abstand schaffen, und man muss jede noch so kleine Chance nutzen können.“
Mit dem bald anbrechenden vierten Renntag im 1000 Race richten sich nun alle Augen auf den Wegpunkt Gallimard. Die schnellsten Boote dürften ihn am Donnerstagmorgen passieren, bevor sie Concarneau ansteuern, wo sie nach jüngsten Prognosen nun am Freitag erwartet werden. Der Kurs ist alles, nur nicht einfach zu lesen. Während sich die 60-Fuß-Einrumpfboote im Golf von Biskaya vorankämpfen, dürfte der Wind deutlich nachlassen, bis er am Donnerstag zusammenbricht oder sogar ganz verschwindet.
Das Szenario lässt eine erneute Kompression der Flotte erwarten, bietet den weiter hinten liegenden Booten neue Aufholmöglichkeiten. „In den nächsten Stunden gilt es vor allem, diesen Übergang genau im Auge zu behalten“, betonte Sam Goodchild. „Das ist typischerweise die Art von Situation, in der man einen großen Coup landen oder enorm viel verlieren kann. “ Élodie Bonafous sieht es ähnlich.
Wir müssen es schaffen, an der windstillen Zone entlangzufahren, ohne jemals in die Falle zu tappen, und uns gleichzeitig richtig positionieren, um die nächste Strömung im richtigen Moment zu erwischen.“ Élodie Bonafous
Für die Fans, so beschrieben es die Veranstalter herrlich anschaulich, komme das Beobachten des Rennens inzwischen dem Zuschauen bei einer Flipperpartie gleich. Diese wird in den kommenden Tagen in der Biskaya gespielt. Der Ausgang? Weit offen!

Sports reporter