Die Hoverair Aqua richtet sich primär an Wassersportler wie Kitesurfer, Wingfoiler und Stand-up-Paddler, die beim Sport keine Hand für die Kamerasteuerung frei haben. Mit unter 249 Gramm fällt die wasserdichte Drohne in die EU-Klasse C0. Herzstück des Systems ist der Lighthouse-Transponder: ein wasserdichtes Armband-Steuergerät, das die Drohne per GPS und Beschleunigungssensoren führt – präziser als optische Tracking-Systeme. Wir wollten wissen: Taugt das Konzept auch auf dem Segelboot?
Die Klasse C0 umfasst sehr leichte Drohnen unter 250 Gramm. Das hat praktische Vorteile: Für C0-Drohnen ist kein Drohnenführerschein erforderlich. Erforderlich sind lediglich eine Drohnenversicherung, eine Registrierung als Pilot beim Luftfahrt-Bundesamt und eine von außen sichtbare Kennzeichnung der Drohne mit der UAS-Betreiber-ID. C0-Drohnen dürfen in der Kategorie Open A1 betrieben werden, was den Flug nahe an Menschen ermöglicht, sofern die Sicherheitsvorschriften eingehalten werden. Fliegen über wenigen unbeteiligten Personen ist erlaubt, über Menschenmengen jedoch verboten. Die maximale Flughöhe liegt bei 120 Metern über dem Startpunkt.
Die Verarbeitung der Aqua überzeugt. Drohne und Lighthouse-Armband sind komplett wasserdicht und für nasse Hände geeignet. Die Drohne verfügt über ein 1,6-Zoll-AMOLED-Display mit physischen Tasten statt eines Touchscreens. Das Lighthouse bietet Sprachausgabe und einen Vibrationsalarm, der bei schwacher Verbindung oder leerem Akku warnt.Die Inbetriebnahme gelingt dank Sprachführung beider Geräte relativ einfach. Eine schnell auffindbare, stringente Anleitung fehlte beim Test allerdings. Da wir die Drohne noch vor dem Verkaufsstart bekommen haben war offensichtlich nicht alles fertig. Die App-Tutorials bezogen sich auf lediglich auf andere HOVERAir-Modelle. Inzwischen findet jedoch gute Videoanleitungen, man muss lediglich darauf achten das passende Drohnenmodell aus zu wählen.
Starts vom Boden, aus der Hand und vom Wasser klappten zuverlässig. Besonders beeindruckend: die Turtle-Funktion – fällt die Drohne kopfüber ins Wasser oder wird von einer Welle im Wasser erfasst, kann sie auf Knopfdruck aufgerichtet werden und ist wieder in Startposition.
Die Landung an Bord erwies sich als kniffliger. Die Drohne hält beim Rückkehrflug einen Mindestabstand von etwa fünfeinhalb Metern zum Lighthouse ein, der sich nicht kleiner einstellen ließ. Mit geübter Armbewegung und einem ausreichend langen Bootshaken lässt sie sich über Heck und Cockpit steuern, indem man mit dem Lighthouse-Transponder aufs Vorschiff geht. So lässt sie sich von einer zweiten Person direkt aus der Luft greifen – wenn der Anflug klappt. Seitliche Kollisionssensoren fehlen komplett: Bei uns kollidierte die wasserdichte Drohne mehrfach mit dem am Heckkorb gestauten Beibootaußenborder und fiel kurz vor dem Zufassen ins Wasser. Das Gute dabei: Dank der durch den Schaumauftrieb geschützten Propeller geht dabei weder am Boot noch an der Drohne etwas kaputt.
Kritisch: Liegt die Drohne im Wasser und entfernt sich das Boot, bricht die Lighthouse-Verbindung noch schneller ab als im Flug. Bereits bei drei bis vier Knoten Fahrt kann das Boot sehr schnell außer Reichweite sein. Wir mussten bei jeder Wasserung ein Mann-über-Bord-Manöver fahren, um wieder eine Verbindung zum Transponder zu bekommen. Anschließend ließ sich die Drohne per Knopfdruck aus dem Wasser starten und ein neuer Ladeversuch beginnen. Aus dem Wasser fischen mussten wir die Drohne nie.
Vor dem Start wählt man einen Flugmodus: Surf, Kajak, Follow, Selfie und weitere stehen zur Verfügung. Die Einstellungen des gewählten Programms, etwa die Verfolgung links oder rechts oder die Entfernung und Höhe, in der die Drohne fliegen soll, lassen sich über den Lighthouse-Transponder im Flug verändern. Da man kein Livebild hat, ist es aber sehr schwierig abzuschätzen, wann das Boot gut im Bild sein könnte. Der Flugmodus als solcher lässt sich ohne Zwischenlandung in der Luft nicht mehr ändern.
Im Automatikmodus folgt die Drohne sehr präzise. Das GPS- und sensorgestützte Lighthouse-Tracking ist optischen Systemen klar überlegen. Für Nahaufnahmen von Crew und Deck funktioniert das sehr gut. Für Totalen des ganzen Boots braucht man 12 bis 15 Meter Abstand; in dieser Entfernung ist die Verbindung zum Lighthouse-Transponder bereits instabil. Bricht sie ab, fliegt die Drohne zur GPS-Startposition zurück. Das ist ungünstig, wenn sich das Boot inzwischen weit entfernt hat.
Per Smartphone-App lässt sich jederzeit während des Flugs in den manuellen Modus wechseln; dann und nur dann steht auch ein Livebild zur Verfügung. Der Rückweg in den Automatikmodus funktioniert jedoch nur nach einer Zwischenlandung. Im manuellen Modus ist die Drohne stark gedrosselt: Bereits bei drei bis vier Knoten Fahrt wird es schwierig, dem Boot zu folgen. Im Automatikmodus hat die Aqua damit kein Problem, da sie so deutlich schneller fliegen kann. Laut Hersteller soll die wasserdichte Drohne bis zu 55 Kilometer pro Stunde erreichen. Wir haben die wasserdichte Kamera-Drohne im Test bei acht bis zwölf Knoten Wind geflogen.
Die wasserabweisende Linse und die selbstheizende Anti-Nebel-Funktion arbeiteten einwandfrei. Selbst im Salzwasser setzten sich keine Kristalle auf der Optik ab. Videos sind akzeptabel. Die elektronische Stabilisierung hält den Horizont gerade, Farben wirken manchmal etwas übertrieben. Die Fotoqualität hingegen enttäuscht: Bilder sind vergleichsweise matschig und verrauscht. Mit aktuellen Smartphones oder Action-Cams können die Fotos nicht mithalten.
Die Akkulaufzeit liegt in der Praxis bei rund 15 Minuten, bei stärkerem Wind sogar nur bei zehn Minuten – statt der versprochenen 20 bis 23 Minuten. Das geringe Gewicht von unter 249 Gramm lässt keinen großen Akku zu. Unangenehm fiel zudem die Lautstärke auf: Die Aqua ist deutlich lauter als viele moderne Drohnen.
Die HOVERAir Aqua ist für Segler ein nettes Gadget – nicht mehr. Die Flugmodi sind für Action-Wassersportler optimiert, die nah am Geschehen filmen. Für Nahaufnahmen von Crew und Manövern an Deck funktioniert sie gut. Für Segelboot-Totalen fehlen Reichweite und Flexibilität; zudem ist es ohne Livebild schwierig, den Bildausschnitt zu beurteilen. Der stark gedrosselte manuelle Modus lässt sich nur bei Leichtwind nutzen.
Als Fotodrohne können wir die wasserdichte Drohne nicht empfehlen – die Bildqualität enttäuscht. Als Videodrohne ist die Qualität gut. Das echte Alleinstellungsmerkmal dieser wasserdichten Kamera-Drohne bleibt die IP67-Zertifizierung. Eine 400- bis 500-Euro-Drohne macht bessere Bilder als die rund 1300 Euro teure Aqua, aber ein Sturz ins Wasser bedeutet dort den Totalverlust. Wohingegen die Aqua einfach wieder starten kann.
Für Segler, die Nahaufnahmen an Deck drehen und die Drohne auch im Wasser einsetzen, ist die Aqua eine robuste, wenn auch teure Option. Schöne Fotos und Videos von der gesamten Yacht erfordern viele Versuche und Experimente mit der Position des Lighthouse-Transponders. Vertrieb: eu.hoverair.com
Drohne:
| Gewicht | <249 g (EU-Klasse C0) |
| Schutzklasse | IP67 (schwimmfähig) |
| Kamerasensor | 1/1,28" CMOS, 12 MP |
| Video | 4K/100 fps, H-Log (10-Bit) |
| Stabilisierung | 1-Achsen-Gimbal + Elektronische Stabilisierung |
| Akku | 2.013 mAh |
| Flugzeit | bis 23 min (Herstellerangabe), real 10–15 min |
| Max. Geschwindigkeit | 55 km/h (Herstellerangabe) |
| Windbeständigkeit | 55 km/h (Herstellerangabe) |
| Sensoren | Millimeterwellen-Radar (unten), keine seitliche Kollisionswarnung, keine Hinderniserkennung |
| Speicher | 128 GB intern |
| Display | 1,6" AMOLED, physische Tasten |
Lighthouse-Transponder:
| Schutzklasse | IPX7, schwimmfähig |
| Tracking | GPS + Beschleunigungssensoren |
| Alarme | Sprachausgabe + Vibrationsalarm |
| Bedienung | 55 km/h (Herstellerangabe) |
Preise:
| Standard Combo | 1.299 € |
| Basic Combo | 1.399 € |
| Fly More Combo | 1.499 € |
| Land and Sea Bundle | 1.699 € |

Test & Technology editor