Liparische InselnAlicudi, Filicudi und Lipari - Die wilden Westinseln

Jan Jepsen

 · 05.07.2026

Liparische Inseln: Alicudi, Filicudi und Lipari - Die wilden WestinselnPhoto: Jan Jepsen
Segeln vor Filicudi. Mit einer Million Jahre altem Lavagestein ist sie die älteste der Liparischen Inseln.
Tagsüber türkisblaues Wasser, nachts glühende Lava: Die Liparischen Inseln nördlich von Sizilien gehören zu den spektakulärsten​ Segelrevieren des Mittelmeers. Eine Woche, sieben Inseln, aktive Vulkane, traumhafte Ankerplätze und italienische Lebensart – ein Törn zwischen Dolce Vita und Erdgeschichte live in drei Teilen. Teil 3: Alicudi, Filicudi und Lipari.

Am nächsten Tag perfekte Segelbedingung. Zu perfekt, um nach zwei Stunden schon wieder die Segel zu streichen. Das Schiff läuft einfach zu gut. Wir überspringen Filicudi erstmal, behalten den Kurs bei und segeln weiter zur kleinsten und westlichsten der Äolischen Inseln: Alicudi. Hier gibt es nur Schiffe und Esel als Transportmittel. Was auch fehlt, ist ein guter Ankerplatz. Man braucht schon optimale Bedingungen. Das Wasser ist bis dicht unter Land sehr tief. Es muß ordentlich Kette gesteckt werden. Und ob die Handvoll Murings für Gastlieger, Fischer- oder Ausflugsboote sind wird auch nicht klar.

Western-Vibes auf Alicudi

Aber der Abstecher, Tendenz zum Abenteuer, lohnt sich. Am Hafen sieht man urige Typen. Wettergegerbt. Etwas verschlagen. In der Vorsaison trifft sich alles in der einzigen Bar, die Saloon Atmosphäre hat. Wäre man nicht vom Meer umzingelt, könnte man hier glatt einen Western drehen. Allerdings mit Eseln statt Pferden vor der Tür.

Ein Crewmitglied will unbedingt zur Chiesa San Bartolo, die liegt auf ca. 330 (gefühlt senkrechten) Metern über dem Meer. Spätestens nach der Hälfte wünscht man sich völlig verschwitzt, man hätte ein Esel-Taxi gebucht. Das Meer und der warme Fels reflektieren die Wärme. Aber wie heißt es: Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Die Geräusche werden mit jedem Meter weniger, die Häuser bleiben hinter und unter einem. Man wähnt sich in einer anderen Welt. Am Ende rauscht nur noch das Blut in den Adern, als befände man sich am Basiscamp des Mount Everest. Wenn die Aussicht nicht so blau und flach wäre. Der Ausblick ist geradezu göttlich. Wenn gläubig werden, dann hier! Fernab vom Wüten der Welt.

Zurück in die Zivilisation

Nächster Tag, nächstes Glücksgefühl, dass der Anker bei 12 Meter Wassertiefe und steinigem Untergrund problemlos freikommt. Hurra. Segel setzen und auf nach Filicudi. Zurück Kurs Zivilisation, so fühlt es sich jedenfalls an, selbst wenn es auf Filicudi, von den Sommermonaten mal abgesehen, angenehm beschaulich zugeht. Erkennt man schon daran, dass wir uns einen der beliebtesten Ankerplätze im Süden der Insel nur mit einem weiteren Boot teilen.

Spätestens am sechsten Tag merkt man, dass sieben Tage – sieben Inseln etwas überambitioniert ist. Wir müssen uns entscheiden: Lipari oder Vulcano. Die Entscheidung fällt zugunsten der Hauptinsel. Und Lipari Stadt. Als schöner Mittelmeerhafen – perfekt für einen letzten Abend an Land. In dem kleinen, alten Fischerhafen, der wie ein Amphitheater wirkt. Und überhaupt: Vulcano ist kein harmloses Postkarten-Eiland. Sondern ein aktiver und gefährlicher Vulkan. Auch das macht den Reiz des Reviers aus. Die Insel schaut man sich am besten bzw. sichersten vom Wasser aus an. Schon allein wegen des strengen Schwefelgeruchs.


Praktische Tipps für einen gelungenen Törn im Segelparadies nördlich von Sizilien finden Sie in unseren Artikeln über Törnführer, Seekarten und Informationen zum Revier:


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Jan Jepsen

Jan Jepsen

Freier Autor

Jan Jepsen, freier Autor, Fotograf, Schriftsteller, Krimiautor - in Hamburg Övelgönne (schon mit Gummistiefeln) auf die Welt gekommen. Er hat das Reisen früh zu seinem Beruf gemacht. Seitdem schreibt und segelt er sich durch die Welt. Am liebsten und längsten für die YACHT - mit über 100 Reportagen in knapp 40 Jahren. Sein ewiges Motto: „Hier bin ich ja sowieso – schön ist es auch anderswo.“

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