First flight"Gitana 18" takes off

Martin Hager

 · 29.05.2026

Vor wenigen Tagen hob der neue „Maxi Edmond de Rothschild" erstmals ab – stabil, kontrolliert und bei Windstärken von gerade einmal 10 bis 13 Knoten.
Photo: © Yann Riou - polaRYSE / Gitana S.A.
“Gitana 18” nimmt Fahrt auf

Nur drei Monate nach dem Stapellauf hat der neue 32-Meter-Trimaran „Maxi Edmond de Rothschild" seine ersten stabilen Flüge absolviert – und das bei überraschend leichten Windverhältnissen. Für “Gitana 18”-Skipper Charles Caudrelier und sein Team ist es ein emotionaler wie wegweisender Meilenstein auf dem Weg zur Route du Rhum.

​Es war eine dieser Morgendämmerungen, die man nicht vergisst. Noch vor Sonnenaufgang legte Charles Caudrelier mit der Mannschaft des Gitana-Teams in Lorient ab, hinaus auf den Atlantik, in Richtung Belle-Île. Im Gepäck: die Hoffnung, dass die 19,5-Tonnen-Rakete namens „Maxi Edmond de Rothschild" endlich zum ersten Mal foilt. Und tatsächlich: Vor wenigen Tagen hob der auch „Gitana 18" genannte Rekordjäger erstmals ab – stabil, kontrolliert und bei Windstärken von gerade einmal 10 bis 13 Knoten. Ein Augenblick, auf den das ganze Team jahrelang hingearbeitet hatte.

Wer „Gitana 18" zum ersten Mal sieht, fragt sich unwillkürlich, ob man hier ein Segelboot oder doch eher ein Raumschiff vor sich hat. Das 32 Meter lange und 23 Meter breite Trimaran wurde am 14. Februar 2026 zu Wasser gelassen und ist das 28. Boot in der bald 150-jährigen Geschichte des Gitana-Rennstalls. Entwickelt in 36 Monaten, mit mehr als 50.000 Forschungsstunden und 200.000 Baustunden, unter Beteiligung von über 200 Menschen – darunter Designer-Koryphäe Guillaume Verdier –, ist dieses Boot der konsequente nächste Schritt in der Evolution des Offshore-Foilens.

Most read articles

1

2

3

Schon 2017 war das Gitana-Team unter Rennstall-Besitzerin Ariane de Rothschild das Erste, das auf konstantes Fliegen mit Foils im Offshore-Segelsport setzte. „Gitana 17" legte mit mehr als 200.000 Seemeilen den Grundstein und gewann 2024 die Arkea Ultim Challenge mit Skipper Charles Caudrelier. Jetzt soll „Gitana 18" das Prinzip auf ein neues Level heben – mit dem erklärten Ziel des 100-prozentigen Flugbetriebs. Nicht nur auf Kurzstrecken wie im SailGP, sondern auf hoher See, bei jedem Wetter.

How do you like this article?

Die Revolution steckt in den Anhängen

Das Herzstück der neuen Maschine sind die Foils – und genau dort verbirgt sich das eigentlich Aufregende. Der neue „Maxi Edmond de Rothschild" trägt Y-förmige Pendelanhänge in bislang ungekannten Dimensionen, inspiriert von den Foils der America's-Cup-Monohulls. Mit einer Spannweite von über 10 Metern sind diese Bauteile nicht nur imposant, sondern technologisch wegweisend.

Bei den Foils können die beiden Wings unabhängig voneinander angestellt werden, was Auftrieb erzeugt, die Abdrift verringert und das aufrichtende Moment erhöht. Ein zusätzliches T-Foil unter dem Hauptrumpf sorgt in Kombination mit den drei U-förmigen Ruderblättern für einen stabileren Flugmodus – besonders in rauer See. Diese Ruderblätter wurden übrigens nicht aus Karbon, sondern aus einer speziellen Metalllegierung gefräst, die dem System deutlich mehr Steifigkeit verleiht. Über die genaue Zusammensetzung dieser Legierung schweigt das Team eisern – es bleibt eines der wenigen gut gehüteten Geheimnisse der Mission.

Technikdirektor Pierre Tissier bringt es auf den Punkt: „Mit ‚Gitana 17' haben wir das Thema des konstanten Offshore-Fliegens auf Foils als Erste begonnen. Mit ‚Gitana 18' wissen wir, wie man fliegt – aber wir pushen die Konzepte weiter, wollen konstanteres Foilen erreichen. Das ist schon herausfordernd. Der Simulator sagt, wie es geht. Aber er ist auch nur ein Simulator."

Erst das rechte Foil, dann der erste Flug

In der vergangenen Woche hatte das Gitana-Team das erste Hydrofoil – den Steuerbord-Flügel– installiert. Seither arbeiteten alle Beteiligten auf Hochtouren, um die Installation aller Foils zu finalisieren und “Gitana 18” so schnell wie möglich zu testen. Dann kam Montag, Belle-Île, 10 bis 13 Knoten Wind – und der Gigant hob ab.

„Nach wenigen Minuten, um die richtigen Einstellungen zu finden, hoben wir ab – und 20 Minuten später war unser Flug stabil!", berichtet Charles Caudrelier sichtlich bewegt. Dass dies unter solch leichten Bedingungen gelang, macht den Erfolg umso bemerkenswerter. Teamdirektor Cyril Dardashti zog den direkten Vergleich mit der Vorgängerin: „Bei ‚Gitana 17' hat dieser Prozess fast zwei Jahre gedauert. Hier schafften wir es in weniger als 30 Minuten, den richtigen Modus zu finden und die ersten Einstellungen für einen stabilen Flug vorzunehmen. Das gibt uns enormes Vertrauen für die Zukunft."

Ein Mast als Revolution

Neben den Foils sorgt auch das neue Mastkonzept für Gesprächsstoff. Im Vergleich zu „Gitana 17" ist der neue Flügelmast kürzer und schmaler – und er ist ein Canting-Mast mit verstellbaren Salingen, die erstmals bei einem Boot dieser Größe bis zu 35 Grad nach hinten verstellt werden können. Caudrelier nennt ihn schlicht „eine Revolution". Durch das Verstellen der Salinge lässt sich der Mast stärker biegen, die Segel werden je nach Wunsch bauchiger oder flacher, und die Segelform kann deutlich flexibler und präziser an die Geschwindigkeit angepasst werden – besonders wichtig in der Übergangsphase in den Flugmodus.

Auch das Deckshaus wurde grundlegend neu gedacht: Großzügige Fensterflächen, deren Positionierung mit Hilfe eines Virtual-Reality-Programms optimiert wurde, sollen Caudrelier einen bestmöglichen Überblick verschaffen. Unter Deck besteht das Interieur auf Wunsch des Skippers aus nacktem schwarzem Karbon – weniger Reflektion von den allgegenwärtigen Datendisplays.

Simulator, digitaler Zwilling und 8 Kilometer Kabel

Caudrelier hat nach eigenen Angaben rund 99 Prozent seiner Zeit im vergangenen Jahr in dieses Projekt gesteckt – und dabei viele Stunden im Simulator verbracht. „Es wird das erste Mal sein, dass ich auf ein neues Boot gehe, aber es in der virtuellen Welt schon gesegelt habe. Das ist sehr interessant und hat den Designprozess wirklich verändert", sagt er. Das Gitana-Team nutzte einen digitalen Zwilling und einen eigens entwickelten Autopiloten – entwickelt in Zusammenarbeit mit WDS – sowie 500 Sensoren und acht Kilometer Elektrokabel an Bord, um das Schiff zu einem der intelligentesten Renntrimarane der Welt zu machen.

Auf einer Skala von Supergefährten zur See vergleicht Caudrelier „Gitana 18" mit einem perfektionierten Formel-1-Rennwagen. Und er gibt sich durchaus ehrgeizig: „Im Idealfall werden wir sehr hoch fliegen können, ohne jemals die Wellen zu berühren. Wir hoffen, in drei Meter hohen Wellen foilen zu können und eine durchschnittliche Segelgeschwindigkeit von fast 40 Knoten zu erreichen."

Jules Verne im Visier, Route du Rhum als erstes Ziel

Für Caudrelier und das Gitana-Team bedeutet dieser erste Flug auch einen wichtigen mentalen Schub mit Blick auf das unmittelbare Ziel: In fünf Monaten, am 1. November 2026, fällt in Saint-Malo der Startschuss zur Route du Rhum – Destination Guadeloupe. Als amtierender Titelverteidiger geht Caudrelier mit hohen Erwartungen an den Start – und mit dem Wissen, dass die Zeit knapp ist.

„Die Fristen sind eng; wir wissen das, und jeder Moment zählt. Um dieses Rennen gewinnen zu können, brauchte ‚Gitana 17' zwei Jahre Feinschliff. Aber heute können wir auf die Erfahrung und das Know-how des Teams zurückgreifen, und auf all die Planung und das virtuelle Segeln mit dem digitalen Zwilling im Simulator", sagt Caudrelier.

Caudrelier hat große Ziele: „Ich glaube, wir können den Jules-Verne-Rekord brechen – den ‚Idec Sport'-Rekord von 40 Tagen und 23 Stunden aus dem Jahr 2017. Das wäre auch mit ‚Gitana 17' möglich gewesen. Aber jetzt sind die Chancen weiter gestiegen."

Zweiter Foil folgt in Kürze

In den kommenden zwei Wochen wird nun der Backbord-Foil an der „Gitana 18" montiert. Danach kann Caudrelier mit umfangreicheren Offshore-Trainingseinheiten beginnen. Die kommenden Monate werden intensiv – das ist allen Beteiligten klar. Aber nach diesem ersten Flug vor Belle-Île ist eines gewiss: „Gitana 18" ist nicht nur ein außergewöhnliches Kunstwerk, das auf den fast 2000 Quadratmetern Segelfläche und auf den Rümpfen die fünf Gesichter von Ariane de Rothschild und ihren vier Töchtern zeigt. Sie ist vor allem das, was ihr Team immer von ihr erwartet hatte – eine Maschine, die übers Wasser rast.

Martin Hager

Martin Hager

Editor in Chief YACHT

Martin Hager is editor-in-chief of the titles YACHT and BOOTE EXCLUSIV and has been working for Delius Klasing Verlag for 20 years. He was born in Heidelberg in 1978 and started sailing at the age of six, in an Opti of course. This was soon followed by 420s, Sprinta Sport and 470s, which he also sailed on the regatta course with his brother. His parents regularly took him on charter trips through the Greek and Balearic Islands. Even at a young age, it was clear to him that he wanted to turn his passion for water sports into a career. After graduating from high school and completing an internship at the Rathje boatbuilding company in Kiel, it was clear that he did not want to become a classic boatbuilder. Instead, he successfully studied shipbuilding and marine engineering in the Schleswig-Holstein state capital and focused on yacht design wherever he could. His diploma thesis dealt with the “Testing of a new speed prediction method for sailing yachts”. In 2004, the superyacht magazine BOOTE EXCLUSIV was looking for an editor with technical and nautical background knowledge, a position that was perfect for Martin Hager. The application was successful and a two-year traineeship was arranged. After twelve years as an editor, the editorial team changed and he took over responsibility for BOOTE EXCLUSIV as editor-in-chief in 2017. After long-time YACHT editor-in-chief Jochen Rieker moved to the role of publisher, Martin Hager also took over the position of editor-in-chief of Europe's largest sailing magazine YACHT, which is celebrating its 120th anniversary this year, at the beginning of 2023. When he's not working on topics for the two water sports titles, Martin Hager likes to go out on the water himself - preferably with kite and wingfoil equipment or on a little after-work trip across the Alster.

Most read in category Regatta