Test Amel 60

Von zart bis hart – was Europas Luxusyacht des Jahres kann

Sie verwöhnt ihre Crew mit Geborgenheit und jedwedem Komfort. Aber sie kann auch was wegstecken. Starkwindtest einer Ausnahmeerscheinung im PDF-Download

Jochen Rieker am 08.08.2020
Amel 60 segeln Barcelona EYOTY 2019 RTo_RT-2560
EYOTY/Rick Tomlinson

Geschickt integriertes Deckshaus und moderne Linien – die von Berret/Racoupeau gezeichnete Amel 60 kann auch optisch überzeugen

Amel

Risszeichnung der Amel 60

Segeln bei Starkwind und bewegter See kann ganz schön auf die Knochen, auf Dauer sogar auf die Nerven gehen. Viel Lage zwingt zum permanenten Abstützen, die Wellen zu aufmerksamem Steuern, Böen zur Arbeit an den Schoten, und überkommende Gischt wird – seien wir ehrlich – einfach lästig. Es sei denn, man begegnet den Elementen auf der Amel 60.

Kein Spritzer, kein Kurbeln an den Winschen, kein Prügeln gegenan. Im Schutz ihres großen Deckshauses sitzend genießen Crew und Skipper völlig entspannt, wie der 26-Tonner halbwinds mit acht bis neun Knoten auf der Logge durch die azurblaue Buckelpiste stiebt.

Die Gelassenheit, die das Boot dabei ausstrahlt, und die Behaglichkeit im tiefen, üppig dimensionierten Mittelcockpit zählen zu den herausragendsten Eigenschaften der Slup, mit der sich die Werft endgültig vom jahrzehntelang gelebten Ketsch-Konzept verabschiedet hat. Das galt bislang als ein Alleinstellungsmerkmal der Franzosen und half, die Segel­fläche auf mehrere kleine, leichter handhabbare Tücher zu verteilen.

Heute erfüllen bis zu drei Vorsegel diese Funktion: Selbstwendefock und Genua, beide elektrisch wegrollbar, und auf Wunsch ein Code Zero, der eng aufgewickelt auch bei 25 Knoten Wind angeschlagen bleiben kann, ohne zu pumpen oder sich aufzudrehen. Raumschots wird das Ensemble bei Bedarf noch ergänzt um einen Gennaker, der sich ebenfalls wickeln oder mittels eines Bergeschlauchs bändigen lässt – ein Riggkonzept, so flexibel wie auf einem Imoca-Renner, der mittlerweile bekanntlich auch vom überdachten Cockpit aus bedient wird.

Selbst der Mast ist hier wie dort aus Kohlefaser laminiert und ge­backen. Damit nicht genug: Unter Deck gibt es vorn und achtern fest ab­geschottete Bereiche; im Havariefall lassen sich darüber hinaus die Türen der Kabinen wasserdicht verriegeln. Salon, Pantry und Navigation bleiben dann als Rückzugsort und Restauftrieb.

Sonst allerdings erinnert auf der Amel 60 rein gar nichts an die puristische Welt moderner Hochsee-Rennyachten. Vielmehr ist sie der totale Gegenentwurf, ein Schiff, gebaut, um zu verwöhnen und seine Crew in Sicherheit zu wiegen. In der hier gezeigten Konsequenz kann das derzeit kein Boot besser.

Das soll nicht die Leistungen der arrivierten Konkurrenz schmälern, zumal die mehr Wert auf den aktiven Segelspaß legt, womit die große Amel nicht in gleicher Weise dienen kann. Sie vermittelt kaum Gefühl fürs Ruder und verleitet deshalb dazu, das Kurshalten größtenteils dem Autopiloten anzuvertrauen. In allen anderen Belangen dagegen ist die Yacht ihren Mitbewerbern ent­weder ebenbürtig oder überlegen.

Warum die Amel etwas ganz Besonderes ist, erfahren Sie im ausführlichen Einzeltest in YACHT 15/2020 –  das Heft ist direkt hier bestellbar! Oder Sle laden sich den Test über den Link unten herunter.

Fotostrecke: Amel 60

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Jochen Rieker am 08.08.2020

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