Corona-Virus

Stillstand an den Bändern. Werften im Lockdown-Modus

Die Werftgruppen Beneteau und Fountaine Pajot haben ihre Produktionen wegen des Corona-Virus heruntergefahren. Bei Bavaria und Hanse wird weiter gearbeitet

Michael Good am 19.03.2020
Produktion Gruppe Beneteau
YACHT / J.-M. Liot

Stillstand. In der Produktion der Gruppe Beneteau bei Le Poiré-sur-Vie sind die Arbeiten derzeit eingestellt

Frankreich

Betroffen vom temporären Baustopp beim Marktführer Beneteau sind die Segelboot-Marken Beneteau, Jeanneau, CNB, Lagoon und Excess Catamarans. Nachdem die Gruppenleitung aufgrund der Virus-Pandemie schon vor einer Woche die Produktionen an ihren Fertigungsstandorten in Frankreich und Italien gedrosselt und die Betriebsabläufe gestrafft hatte, folgte gestern der definitive Shutdown. Die Produktionen der Gruppe Beneteau in Polen und in den USA werden in den Kapazitäten zwar ebenfalls reduziert, bleiben aber zunächst noch aufrecht erhalten.

Gleiches Bild beim Katamaran-Hersteller Fountaine Pajot und Dufour Yachts, die seit letztem Jahr in einer Firmengruppe zusammengeschlossen sind. Auch bei deren Produktionsstandorten in Aigrefeuille und La Rochelle ist in schwierigen Zeiten die Zwangspause verordnet. Die Fabrikationen von neuen Booten stehen still. In Frankreich gilt seit letztem Montag die nationale Ausgangssperre. Das bedeutet, dass auch sämtliche Häfen sowie die Transportunternehmen ihren Betrieb einstellen müssen. Die Auslieferung von neuen Yachten kann schon deshalb nicht im gewohnten Umfang stattfinden. Bei Fountaine Pajot rechnet man mit einem Produktionsstopp von mindestens zwei Wochen. Kunden würden rechtzeitig über die neuen Liefertermine informiert werden.

Deutschland

Anders die Situation hierzulande. Sowohl bei Bavaria Yachts in Giebelstadt als auch bei der Hansegruppe in Greifswald mit den Marken Hanse, Moody und Dehler läuft die Produktion vorerst uneingeschränkt weiter. Mehr noch: Wie die Hanseyachts AG berichtet, laufen die Förderbänder derzeit sogar auf einem "überdurchschnittlich hohen Niveau". Ähnliches aus Giebelstadt: Bei Bavaria Yachts sei die Produktion bis mindestens Juli 2020 komplett ausgebucht, die Produktion laufe weiterhin auf Hochtouren. 

Beide großen Werften in Deutschland haben dennoch weitreichende Maßnahmen getroffen, um ihre Mitarbeiter zu schützen und damit die Verbreitung des Virus nach besten Möglichkeiten einzudämmen. Vertriebs- und Produktionsstrukturen werden strikter getrennt, und wo immer möglich, sind auch bei Bavaria und Hanse die Mitarbeiter aus dem Homeoffice tätig. Messen sind abgesagt. 

Bei der Sirius-Werft am Plöner See werden ebenfalls weiter Boote gebaut, allerdings mit reduzierter Kapazität. Die Bereiche Verwaltung und Produktion sind auch hier konsequent getrennt, und die Werftleitung hat es den Beschäftigten seit gestern freigestellt, ob sie zur Arbeit kommen oder nicht. 

Italien 

In der krisengeschüttelten Region Norditalien hat Solaris Yachts in Aquileia nach Anordnung der Behörden in den Lockdown-Modus umschalten müssen. Die Mitarbeiter in der Produktion wurden nach Hause geschickt. Die Werftleitung rechnet deshalb mit Verspätungen bei der Auslieferung von neuen Yachten. 

Keine behördlichen Restriktionen gelten offenbar für die Werft Cantiere del Pardo in Forli an der Adriaküste, wo die Produktion der Segelyachten aus dem Programm Grand Soleil fast ohne Einschränkungen weiterlaufen kann. Es seien alle Mitarbeiter wohlauf und gesund, und man respektiere die angeordneten Schutzmaßnahmen der Regierung, schreibt die Werft. Auch die Zulieferung von Teilen sowie die Transportwege seien weitgehend ohne Einschränkungen geblieben. Die Werft erwartet deshalb keine nennenswerten Lieferverzögerungen.  

Skandinavien 

Entspannte Lage offenbar in Schweden: Es gäbe keinen Grund, warum ihre Schiffe nicht auch weiterhin termingereicht ausgeliefert werden sollten, so wie schon seit 75 Jahren, sagt Magnus Rassy, Chef von Hallberg-Rassy gegenüber YACHT online. Die Anlieferung von Komponenten und Material erfolge weiterhin uneingeschränkt, und es sei nicht absehbar, dass sich daran etwas ändere. Auch am Produktionsstandort in Ellös tut man ebenfalls alles Mögliche und Notwendige, um die Mitarbeiter zu schützten. Wer kann, arbeitet auch hier aus den eigenen vier Wänden. 

Michael Good am 19.03.2020

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