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Schadenersatzklage gegen Bavaria wegen Kielverlust an 42match

Vercharterer des Unglücksschiffs, das Ende April in der Adria sank, erhöht den Druck auf Bavaria-Werftleitung

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 16.06.2005

Adriatic Challenge Rissspuren an der Kielbasis der Bavaria 42match "Antigua" aus der Flotte von Adriatic Challenge

Ein Vorbericht des Hamburger Sachverständigen-Büros Zucker&Partner belegt nach Ansicht von Adriatic Challenge schwere konstruktive und bauliche Mängel an allen Schiffen aus der Flotte von 20 Bavaria 42match, zu der auch die durch einen Kielabriss havarierte Yacht zählt.

Wie der Gründer und Chef des Charterunternehmens gegenüber YACHT online sagte, bereitet sein Unternehmen derzeit eine Schadenersatzklage gegen Bavaria vor, die in der Summe weit über den Wert der Boote hinausgeht.

"Nach wie vor haben wir keine ausreichenden Unterlagen über die beabsichtigten Verstärkungsmaßnahmen übermittelt bekommen", so Lang. Derweil liegen sämtliche Schiffe seiner Flotte, die er für Firmen-Events, Teamtrainings und Fun-Regatten gekauft hatte, im Hafen fest und dürfen nicht bewegt werden.

Adriatic Challenge Haarrisse auch im Rumpf der "Antigua" lassen auf schwere konstruktive Mängel schließen

Der Umsatzausfall, die Kosten für Liegeplätze, Rechtsberatung und Sachverständige könnten sich nach Langs Schätzung auf mehr als 4 Mio. Euro summieren. Eine sofortige Rücknahme der Boote - nach seiner Überzeugung der für alle beste und günstigste Weg - habe die Werft kategorisch abgelehnt. Deshalb droht jetzt ein erbitterter Rechtsstreit.

Dabei sieht der Adriatic Challenge-Chef alle Argumente auf seiner Seite, wie er in einer Stellungnahme verdeutlicht, die wir hier auszugsweise dokumentieren.

Die YACHT hat den Fall der havarierten Bavaria 42match in Heft 12/2005 ausführlich analysiert und bringt in der aktuellen Ausgabe (13/2005, jetzt am Kiosk) einen großen Hintergrund-Report über die Stärken und Schwächen moderner Kielkonstruktionen.

Stellungnahme von Adriatic Challenge zum Kielabriss einer 42match

Adriatic Challenge Die unverletzte Kielsohle der selben 42match legt den Schluss nahe, dass keine Vorschädigung durch Grundberührung vorlag

Die Bavaria-Werft versucht in ihrer jüngsten Pressemitteilung von der eigentlichen Problematik und der Ursache des tragischen Unglücks abzulenken: ... Offenkundig war die Bodensektion der havarierten Yacht in den Bereichen der Kielaufnahme unterdimensioniert. Es fehlte zudem eine ausreichende Verstärkung im Bereich der Kielbolzen. Das Erschreckende ist, dass dieser Mangel nicht nur der verunglückten Yacht, sondern auch ihren baugleichen 19 Schwesterschiffen anhaftet. Zu diesem Ergebnis kommt der Gutachter des durch uns beauftragten Sachverständigenbüros Zucker & Partner/Hamburg.

Der Bericht des Gutachters liegt der Werft bereits seit dem 24. Mai 2005 vor. Umso mehr verwundert es, dass die Bavaria Yachtbau GmbH nach wie vor mit Spekulationen über vorangegangene Grundberührungen von der eigenen Verantwortlichkeit für das tragische Unglück ablenken will. ...

Die am 8. Juni 2005 veröffentlichte Unterwasseraufnahme zeigt den Kiel der Segelyacht „Fastnet“, die unstreitig bei der Überführung im Seegebiet von Umag einen Auflaufschaden erlitten hat und in der Folge repariert wurde.
Die „Fastnet“ nahm an der Regatta, auf der sich das tragische Unglück ereignete, nicht teil und lag im fraglichen Zeitraum in der Heimatmarina in Biograd.

Mit anderen Worten: Der auf dem Foto gezeigte Kielschaden steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Unglück und den bei der Flotte festgestellten Herstellungsmängeln.

Nur der Vollständigkeit halber weisen wir darauf hin, dass — anders als bei den Schwesterschiffen - gerade bei der „Fastnet“ im Inneren der Yacht kein nennenswerter Schadenbefund festgestellt wurde. Auch dieser Sachverhalt ist der Werft bekannt. Die Aufnahme, die aus unserem Bildbestand stammt und der Werft im Sinne einer kooperativen Schadenbearbeitung übergeben wurde, wurde ohne unsere Autorisierung ... veröffentlicht.

Die Bavaria Yachtbau GmbH verschweigt in ihrer o.g. Pressemitteilung die Kernaussage des ihr bekannten Gutachtens: Je nach Nutzungsgrad zeigen sich bei praktisch allen 20 Yachten der Lieferung gravierende, mit bloßem Auge erkennbare Schäden im Bereich der Kielaufnahme.

In der Anlage fügen wir diesem Schreiben eine Außenaufnahme der Kielsektion der Segelyacht „Antigua“ bei. Ein weiteres anliegendes Foto aus dem Innenraum der „Antigua“ zeigt beginnende Haarrisse an der Platte der mittleren Kielbolzen. Der Vollständigkeit halber fügen wir auch eine Aufnahme der unteren Kielzone der „Antigua“ bei: Erkennbar liegen hier keine Anzeichen einer vorangegangenen Grundberührung vor.

Weitere Aufnahmen werden alsbald auf unserer homepage www.adriatic-challenge.com veröffentlicht werden. Bei der mit am stärksten beschädigten Yacht ist eine vorangegangene Grundberührung demnach nachweislich ausgeschlossen.

Trotz unserer ausdrücklichen Aufforderung hat sich die Bavaria Yachtbau GmbH zu dieser offensichtlichen Unschlüssigkeit der von ihr gegenüber der Öffentlichkeit vertretenen These einer schadensursächlichen Grundberührung nicht geäußert. ...


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Themen: 42matchAdriatic ChallengeBavariaKielKielverlustMatch

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