Boot Düsseldorf

Neuheiten VII: Bali Catspace – schöner wohnen

Die französische Katamaranwerft präsentiert einen neuen 40-Fußer und trimmt das Boot noch weiter in Richtung Komfort und Wohnangebot

Michael Good am 24.01.2020
Bali Catspace
YACHT/ Nils Günter

Bali Catspace

In der Riege der Großserien-Fahrten-Kats besetzt Bali das Segment der Boote, die eindeutig in Richtung Wohnkomfort optimiert sind: Als einziger 40-Fuß-Kat auf dem Markt eine komplette Flybridge auf dem Salondach, gleich zwei Liegewiesen und Sitzgruppen, eine auf dem Vordeck, eine oben, und statt Netzen zwischen den Rümpfen vorn eine feste Laminat-Verbindung. 

Bali Catspace

Bali Catspace

Die Komfort-Linie der französischen Werft, die zu Catana gehört, stellt die Optimierung des Lebensraums in den Vordergrund, es ist kein Geheimnis in der Charterbranche, dass die Balis dafür Segelleistung opfern. Aus Ausgleich gibt es clevere Merkmale, die wieder eine Alleinstellung markieren. Etwa indem auf eine feste Salonwand mit Scheibe und Schiebetür achtern verzichtet wird. Dafür gibt es ein massives GFK-Formteil, das mit einer cleveren Schwenk-Mimik unter das Dach geklappt werden kann. Beim Ausprobieren funktioniert dies tadellos, auch wenn das Teil ganz schön Gewicht hat. 

Fotostrecke: Bali Catspace

Ergebnis: In warmen Revieren kann der Salon durch das Hochklappen der Rückseite und Aufschieben der beiden großen Fenster an den Seiten fast völlig geöffnet werden. Es entsteht ein riesiger Salonbereich, der eine Großzügigkeit und Lüftung bietet, die wohl einmalig ist. Wird die Klappe geschlossen, entsteht ein stabiles, festes Deckshaus, das bei schlechtem Wetter mehr Schutz bietet, ohne dass irgendwelche Persenningstücke angebracht werden müssen oder diese im Wind flattern und die Crew durch verkratze Folienfenster nur erahnen kann, was draußen vor sich geht. 

Wie der Name "Catspace" schon vermuten lässt, ist die Raumausnutzung bei dem Boot Programm – etwa indem das vordere Cockpit bis zum Bug ausgedehnt wird. Dort entsteht eine Liegewiese mit Sitzgruppe, die im Vergleich zum ähnlichen großen Modell Bali 4.1 nun andersherum angeordnet ist: An das Salonfenster schließt jetzt erst die Liegefläche an, danach folgt eine Sitzgruppe. So kann man besser am Anker arbeiten. Neu ist auch, dass das Salonfenster nicht mehr senkrecht nach unten abgesenkt werden kann, jetzt ist es eine klassische Luke, die nach oben geschwenkt wird. Liegen dort Gäste, muss man entsprechend Rücksicht nehmen.

Die Ankerwinsch ist in einem Kasten komplett verborgen, die Kette verschwindet in einem praktisch nicht zugänglichen Fach – nicht gerade ideal, wenn sich dort einmal etwa verkeilt. Aber der Lebensraum vorn ist enorm, und die massive Bauweise schafft quasi ein gleichwertiges zweites Cockpit zum normalen Deck achtern. Ideal vor Anker und wenn große Crews mitfahren, wie etwa bei Kojencharter. So ballt sich nirgendwo die Crew auf zu wenig Raum.

Bali Catspace

Bali Catspace

Durch das Vorschiff gewinnt die Werft auch innerhalb der Rumpfstruktur zusätzliches Volumen, um die vorderen Doppelkabinen quer zur Fahrtrichtung einbauen zu können – ein Novum, denn diese Möglichkeit ist bei herkömmlichen Katamaranen erst ab einer Rumpflänge von wenigstens 14 Metern gegeben. Mehr noch: Dank des zusätzlichen Raums kann in den vorderen Kabinen auf Wunsch nochmals eine zusätzliche Einzelkoje untergebracht werden; damit erhöht sich die Anzahl der möglichen Schlafplätze an Bord auf insgesamt zehn. Allerdings ist die ausziehbare Koje nicht sehr breit und unter 1,90 Meter lang. Sie dürfte wohl vor allem von Paaren mit Kindern genutzt werden; jüngerer Nachwuchs ist dort gut untergebracht. Natürlich kann der Bali Catspace auch als Dreikabiner mit einer großen Eignerkabine, großem Bad und abgetrenntem Duschbereich ausgebaut werden, in Düsseldorf steht aber die Vier-Kammern-Variante. Schade ist, dass die Betten aus Designgründen zum Fußende abgerundet wurden. So kommt man vielleicht besser hinein und hinaus, und es wirkt eleganter, es geht aber spürbar Fußraum verloren. 

Bali Catspace

Bali Catspace

Jede Kammer hat ihr eigenes Bad, die eher simple Pantry punktet dafür mit einem riesigen, normalen Kühlschrank, wie man ihn aus der heimischen Küche kennt. In Serie hat dieser zudem zwei Gefrierfächer; Solarpaneele auf dem Deck helfen für deren Stromversorgung. Neu, was sicher seine Fans finden wird, ist ein Außengrill am Ende des Salons auf der Steuerbordseite. Lebensraummäßig setzt der Kat tatsächlich wohl Maßstäbe, wozu auch die Flybridge beiträgt: Der Skipper hat einen kleinen, aber funktionalen Steuerplatz mit allen Bedienelementen, dahinter liegt eine weitere Liegefläche für zwei bis drei Personen. Der Steuerstand ist über zwei Aufgänge von beiden Seiten erreichbar. 

Segeltechnisch wirkt der Bali entsprechend etwas reduziert: Der Baum ist wegen der Flybridge sehr hoch angeschlagen, und es wird auf einen Traveller auf Schienen verzichtet, zwei angeschlagene Großschoten sind der nicht ganz gleichwertige Ersatz. Das Vorsegel ist eine Selbstwendefock, ein Trend bei den Fahrtenkats. 

Wer eine Runde um den in Halle 15, Stand B43 ausgestellten Kat dreht, merkt, dass er sich in weiteren Merkmalen vom Bali 4.1 unterscheidet. Die beiden Bugsektionen sind deutlich abgeflacht, wirken wie abgeschnitten und verleihen dem Boot ein sehr bulliges "Gesicht". Achtern fällt auf, dass die Propeller weit achtern hinter den Ruderblättern angeordnet sind. Beim Manövrieren im Hafen kann der Prop so eher einmal eine Muringleine fangen.

Segler, die Zweibeiner vor allem wegen ihre großzügigen Lebensraums schätzen, sollten sich den Bali anschauen, der in der Klasse der kleinen Kats in Sachen Raumausbeute Maßstäbe setzen könnte. 

Technische Daten Bali Catspace
Konzept Oliver Poncin
Konstrukteur Lasta Design Studio
Lüa (Länge der Rümpfe) 11,80 m
Gesamtlänge 12,33 m
Breite  6,59 m
Tiefgang  1,10 m
Gewicht (leer) 9,2 t
Segelfläche am Wind  101,0 qm
Motorisierung  2 x 30 PS / Saildrive 
Kapazität Treibstoff  400 l
Kapazität Frischwasser 

700 l

Zum Vergleich:

Fotostrecke: Lagoon 42

Fotostrecke: Fountaine Pajot Astréa 42 im YACHT-Test

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Artikelstrecke Messe-Neuheiten


Michael Good am 24.01.2020

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