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Neue Stellungnahme zum Kielverlust einer Bavaria 42match

Verstärkungen im Kielbereich von Zertifizierer IMCI geprüft und freigegeben - Werft bekräftigt Verdacht auf Vorschädigung durch Grundberührung

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 08.06.2005

Neue Stellungnahme zum Kielverlust einer Bavaria 42match

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Neue Stellungnahme zum Kielverlust einer Bavaria 42match

In einer Stellungnahme hat Bavaria gestern erneut die Vermutung geäußert, der fatale Kielabriss einer 42match in der Adria sei durch eine vorausgehende Grundberührung verursacht worden. Doch Beweise fehlen nach wie vor. Jetzt soll der Kiel gesucht und geborgen werden.

Mit Fotos von Kielschäden in der Flotte des Vercharterers Adriatic Challenge, zu der auch die Unglücksyacht gehört, versucht die Werft, ihre These von einer Vorschädigung zu erhärten.

Auch fügte sie ihrer Pressemitteilung eine Seekarte bei, die von Bord der havarierten 42match stammen und belegen soll, dass die Crew nahe an einige Untiefen im Bereich südlich der Adria-Insel Murter navigiert habe.

All dies sind freilich nur Indizien, die für das von Bavaria vetretene Szenario sprechen, wonach der Kiel aufgrund einer voran gegenagenen Grundberührung oder Kollision abgerissen ist (siehe dazu die ausführliche Analyse in der aktuellen YACHT 13/05).

Den Beweis könnte eine Untersuchung des Kiels bringen. Nach ihm soll nun offenbar gesucht werden — sechs Wochen nach dem Unfall, in dessen Folge ein Segler ertrank.

Unterdessen hat der Zertifizierer der Werft (IMCI )die Verstärkungsmaßnamhen, die jetzt an allen bisher gebauten ca. 150 Schiffen der Typen 38match und 42match durchgeführt werden sollen, geprüft und freigegeben. Auch Pantaenius, bei der das Unglücksschiff versichert war, hat nach Einsicht in die Laminatpläne grünes Licht gegeben und wird den Versicherungsschutz für die fraglichen Typen nach einer Nachrüstung aufrecht erhalten.

Nachfolgend die jüngste Presseinformation der Bavaria Yachtbau GmbH zum Kielverlust einer 42match in der Adria im Wortlaut:

"Die Untersuchungen der Schadensursache, die zu dem tragischen Unfall einer Segelyacht vom Typ Bavaria 42match in Kroatien geführt hat, dauern noch an. Zur Zeit wird das Unglücksschiff und die verbliebenen Schiffe der Charterflotte von einem weiteren Gutachter und mehreren Inspektoren des "International Marine Certification Institute — IMCI" begutachtet.

Der Untersuchungsbericht der kroatischen Behörden steht Bavaria Yachtbau GmbH noch nicht zur Verfügung. Aus der vom Unglücksschiff stammenden Seekarte (Großansicht) und der dort vorgesehenen Navigation geht jedoch eindeutig hervor, dass das Schiff einige Untiefen vor dem Unglück passieren musste, zuletzt die kurz vor dem Unglücksort und bei Welle unter der Wasseroberfläche liegende Untiefe bei Kukuljari. Ein Scan der Seekarte mit den nachgezeichneten Bleistiftlinien liegt dieser Information bei.

Auch liegen eindeutige Fotos aller Kiele aus der gesamten Flotte von Adriatic Challange vor. Demnach weisen 8 von 9 an der Regatta beteiligten Bavaria 42match Segelyachten in Vodice eindeutige Spuren von Grundberührungen auf. Von den weiteren 10 Schiffen aus dieser Flotte in Biograd zeigen 6 Schiffe ebenfalls eindeutige   Zeichen von vorausgegangenen Grundberührungen, die bestimmt nicht als Antifouling-Abrieb interpretiert werden können. Ein weiteres Schiff mit einem Netz im Propeller ist definitiv ein Anzeichen dafür, dass die Schiffe bereits im Einsatz waren und die besagte Regatta nicht der Ersteinsatz gewesen sein kann. Dies wurde uns mittlerweile von anderer Seite schriftlich bestätigt, die Schiffe wurden vorher schon einmal ebenfalls im flachen Wasser vor Biograd zu einer Regatta eingesetzt.

Nachdem auch Beschädigungen an Kielen und in den Schiffen in Biograd nachweisbar sind, stellt sich die Frage, wie viele Schiffe dieser Flotte bereits mit solchen Beschädigungen zur Regatta geschickt wurden. Wären die Schiffe vorher überprüft worden, hätte man zumindest bei den in Biograd verbliebenen Schiffen die jetzt proklamierten "Vorschäden" sehen und die Schiffe stoppen müssen. In der Anlage finden Sie eines der Kielfotos von einem der Schiffe in Biograd, ebenso wie das umstrittene Netz im Propeller eines weiteren Schiffes. Sicherlich trägt das nicht zu einem Kielverlust bei, zeigt aber den Wartungszustand der Schiffe, die zum Unglückszeitpunkt "auslaufbereit" zum verchartern in Biograd lagen.

Da seitens der kroatischen Behörden und der Eigner bisher nicht nach dem verlorenen Kiel gesucht worden ist, wird Bavaria in Abstimmung mit dem Eigner des Unglücksschiffes den Kiel suchen und bergen lassen.

Bavaria Yachtbau GmbH liegt vom Zertifizierer der Bavaria 42match Baureihe die Bestätigung vor, dass die in der Serie produzierten Schiffe dieses Yachttyps konstruktiv innerhalb der geforderten Richtlinien ausreichend konstruiert worden sind. Der Zertifizierer sieht keine Veranlassung, die erteilte Baumuster-Zertifizierung zurückzunehmen.

Die technischen Pläne der zugesagten und vorbeugenden Upgrade-Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheitsreserven sind von dem zuständigen Zertifizierer "IMCI" und der Versicherungsgesellschaft "PANTENIUS" geprüft und zur Ausführung freigegeben worden. Diese Pläne wurden auch der kroatischen Registrierungsbehörde zur Einsicht und Freigabe zugestellt.

Die Nachrüstmaßnahmen für die betroffenen Segelyachten dieses Typs sind gleich danach angelaufen und für die meisten der betroffenen Schiffe bereits im Gange, die ersten Nachrüstungen sind abgeschlossen."

Bavaria Yachtbau GmbH
07.06.2005


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Themen: 42matchAdriaBavariaKielKielverlustMatch

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