Einheitsklasse

Neue Drachen aus der Wüste

Premier Composite Technologies in Dubai arbeitet an einer modernen Interpretation des bereits 1929 entworfenen Dreimann-Kielbootes Drachen

Fridtjof Gunkel am 19.08.2014
PCT Drachen

"Invers"-aufbau und ausladendes Süll: Drachen von Premier

PCT Drachen

VIrtuell geschleppt, neu berechnet und mit gefrästem KIel: Drachen als Forschungsprojekt

Einheitsklasse? Da geht nicht viel, möchte man meinen, schließlich liegt es im Wesen und im Wortsinn, dass auch die Boote unterschiedlicher Werften nicht unterschiedlich sind. Tatsächlich gibt es kleine feine Modifikationsmöglichkeiten, wie es zuletzt die Starbootklasse vorgemacht hat. Nun versucht sich die Werft Premier Composite Technologies in Dubai unter Leitung der Deutschen Hannes und Max Waimer daran, den Drachen zu optimieren. Der Hersteller, bekannt für hochwertige Kleinserien und Einzelbauten in verschiedenen Klassen wie Carkeek 47, Landmark 43, Farr 400, Premier 45 und jüngst Farr 280, hat ein Team zusammengestellt, das diverse Teilbereiche des Drachens untersucht und nun verschiedene Lösungsansätze in zwei Prototypen umgesetzt hat.

Die Gruppe besteht aus diversen Gewerken und ist im Grunde mit Experten verschiedener Fachgebiete fast aufgebaut wie die Technikabteilung eines America's-Cup-Teams: Engineering, Formenbau, Herstellung (PCT), Laminatberechnungen, Spezifikationen, Finite Elemente Analyse und Materialien (Gurit, Paolo Manganelli), Numerische Strömungsmechanik oder auch Computational Fluid Dynamics sowie Geschwindigkeitsprognosen (Wolfson Unit, Andy Claughton) und Koordination (Carpe Diem Yacht Design, Claus Röder).

Augenfällige Neuerung ist der Invers-Aufbau mit nach unten einfallenden Seitenwänden. Klassenkonform folgt das Süll dieser Form, und dies wiederum hat Vorteile, da das nutzbare Cockpit größer und das Ausreiten komfortabler wird.   Eine Folge der Aufbauform ist auch, dass die Genuaschienen auf dem Kajütdach platziert werden müssen, was ebenfalls Vorteile bringen soll. Der neue Drachen soll der Theorie nach verwindungsstabiler werden und am besten an der Kreuz bei mehr Wind funktionieren. Die Ziele sind letztlich schnellere Boote, gebaut nach einem in der Klasse bisher unbekannten Standard. 

Für die Tests und die Kooperation mit dem Designteam sicherte man sich die Dienste von Drachen-Ass Markus Wieser (der die bei PCT gebaute Carkeek 47 "Platoon" zum Titel Deutscher Meister Seesegeln und auf der ORCi-WM in Kiel skipperte) und seiner Crew. Die Feuertaufe findet bereits am kommenden Wochenende statt, wenn die Boote zur Marblehead Trophy in Kiel starten. PCT-Mitarbeiter Hendrik Witzmann, der das zweite Boot steuert: "Wir wissen im Moment nicht, wo wir stehen, testen jetzt die Prototypen, dann sehen wir weiter. Wir gehen mit den Booten erst auf den Markt, wenn sie funktionieren." 

Fridtjof Gunkel am 19.08.2014

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