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Keine Zulassung mehr für ältere Seefunkanlagen

Achtung beim Kauf von UKW-Geräten; auch Gebrauchtbootkäufer sind betroffen

Olaf Schmidt am 28.01.2004

Seit dem 1.1.2004 gelten neue Vorschriften für UKW-Seefunkanlagen. Die Wirkungen sind vor allem für den Gebrauchtmarkt einschneidend, denn seit Jahresbeginn können nur noch Geräte neu angemeldet werden, die den aktuellen Vorgaben entsprechen.

Zwar wurde diese Veränderung bereits 2001 beschlossen, doch erlangte das entsprechende Gesetz in Deutschland erst zur Jahreswende 2004 Gültigkeit. Hintergrund der Neuregelung ist eine Änderung in der Kanalbelegung für UKW-Funkanlagen, die mit der Einführung von AIS (Automatic identification system) nötig wurde.

Die bisher nur für den Duplex-Verkehr mit Küstenfunkstellen geeigneten Kanäle 87 und 88 mussten jeweils die obere Frequenz an AIS abgeben, die verbleibenden niedrigeren Frequenzen sind jetzt als Simplex-Kanäle für den Funkverkehr zwischen Schiff und Hafen ausgewiesen. Zusätzlich dürfen die früher gesperrten Kanäle 75 und 76 nun für den Verkehr von Schiff zu Schiff benutzt werden. Darüber hinaus werden auch DSC-Anlagen der Klassen C und F - diese können zwar digitale Notrufe absetzen, aber keine empfangen - nicht mehr zugelassen.

Es handelt sich dabei weder um einen deutschen Alleingang noch um Paragrafenreiterei: Diese Regelung ist schon seit 2001 international gültig und in der Vollzugsordnung für den Funkdienst der Internationalen Fernmeldeunion verankert. Der Sachverhalt selbst war sogar schon seit Ende 1998 zumindest den Herstellern von Funkanlagen bekannt, da er im direkten Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Spezifikationen für das AIS-System steht.

Bis Ende 2003 hatte die Regulierungsbehörde noch die Möglichkeit, sowohl für alte als auch neue Funkanlagen Frequenzzuteilungsurkunden auszustellen. Seit 1.1.2004 ist sie jedoch gesetzlich an die neue Regelung gebunden. Es werden daher nur noch für solche Seefunkanlagen Frequenzzuteilungen ausgestellt, die den aktuellen Bestimmungen des Frequenzplans der international gültigen Radio regulations entsprechen.
Das hört sich kompliziert an, doch in der Praxis sind nicht mehr zugelassene Geräte einfach daran zu erkennen, dass die Kanäle 75 und 76 fehlen sowie die Kanäle 87 und 88 im Duplex-Betrieb arbeiten. Wer dagegen auf 87 und 88 hört, was der Nachbar sendet, hat Glück und ein Gerät nach dem neuen Standard.

Auch mit Geräten nach dem alten Frequenzplan kann und darf weiter gefunkt werden, wenn die Frequenzzuteilungsurkunde vor dem 1.1.2004 ausgestellt wurde. Mit Verkauf des Schiffs allerdings erlischt diese Genehmigung, der Käufer sitzt dann auf einer alten Anlage, die er nicht mehr anmelden kann.

Wer die Anlage 2001 oder später gekauft hat, sollte eigentlich auf Kulanz oder gegen kleines Geld ein Update vom Hersteller bekommen - sie hätte nicht nur den neuen Bestimmungen entsprechen können, sondern nach den internationalen Regelungen entsprechen müssen.

Trotzdem werden aber selbst heute noch Geräte verkauft, die nach der alten Kanalbelegung arbeiten. So eine Anlage bekommen Sie gar nicht angemeldet, der Händler muss entweder das Gerät zurücknehmen oder gegen eine aktualisierte Ausführung austauschen.

Inwieweit und zu welchem Preis es für ältere Anlagen Updates geben wird, ist derzeit noch unklar. Denn der Aufwand für die Hersteller beschränkt sich nicht allein auf die meist leichte Neuprogrammierung der Frequenzen - die modifizierte Anlage muss zusätzlich die bürokratischen Wege der Musterzulassung erneut durchlaufen, was einigen Aufwand an Geld und Zeit bedeutet. Das lohnt nur bei Geräten, die auf dem Markt stark vertreten sind. Ansonsten könnte das Update für den Segler teurer als eine neue Funkanlage werden.

Olaf Schmidt am 28.01.2004

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