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Irak-Krieg und GPS

Kann man ohne Elektronik segeln? Ein Kommentar von YACHT-Mitarbeiter Olaf Schmidt

Olaf Schmidt am 08.04.2003

Immer mehr Skipper verlassen sich in der Navigation ausschließlich auf ihren GPS-Empfänger. Und kommen nun arg ins Schlingern.

Die USA könnten ja angesichts des Irak-Krieges eventuell die Genauigkeit dieses Satellitennavigationssystems für zivile Nutzer ein wenig herunterschrauben - oder es womöglich für diese Benutzergruppe sogar ganz abschalten.

Diese potenzielle Bedrohung lässt einige Segler schlecht schlafen. Kann man denn ohne zentimetergenaues Navigationssystem überhaupt noch einen Hafen verlassen?

Leute, vor nur zehn Jahren gehörte GPS zur Luxusausstattung - und trotzdem sind wir über die Kieler Bucht geschippert, durchs Skagerak, nach England. Und es sollen sogar Schiffe den Weg über den Atlantik geschafft und Amerika gefunden haben. Wie solche "Wundertaten" zu vollbringen sind, haben wir doch alle mal gelernt.

Man könnte zum Beispiel wieder über die Technik der Kreuzpeilung nachdenken oder Logge und Kompass zum Koppeln benutzen. Für die Atlantiküberquerung reicht das nicht, aber im Hausrevier - wie wär's? Natürlich ist GPS viel bequemer. Aber zur guten Seemannschaft gehört, wenigstens die einfachen Alternativen zu beherrschen. Klar, für elektronische Seekarte und Plotter sieht es ganz ohne GPS schlecht aus. Da ist dann die althergebrachte Papierkarte plötzlich wieder im Vorteil, in der man mit Peilungen und Standlinien jonglieren kann.

Das ganz große Erwachen für die reinen Elektronik-Skipper wird es aber gar nicht geben. Die USA können und wollen es sich nicht erlauben, den Zugriff auf die GPS-Satelliten allzu stark einzuschränken. Einerseits hängt das weltweite Seenot- und Sicherheitssystem GMDSS an der Zuverlässigkeit von GPS.

Aber selbst wenn die USA sich über die - durch internationale Verträge gesicherten - Belange der Schifffahrt hinwegsetzen, sprechen wirtschaftliche Belange gegen GPS-Einschränkungen: Derzeit haben die USA praktisch ein Navigationsmonopol. Das Konkurrenzprodukt GLONASS wird lediglich für wenige kommerzielle Anwendungen eingesetzt, ist aber betriebsbereit.

Daneben steht Europa mit einem eigenen Navigationssystem (Galileo) in den Startlöchern und wartet nur auf einen genügend großen Markt. Würden die USA jetzt am GPS drehen, würde das starke Umsatzeinbußen für einige große amerikanische Firmen bedeuten.

Selbst als "Strafaktion" für die nicht kriegswilligen Staaten kommt so etwas daher nicht in Frage. Im letzten Golfkrieg war die GPS-Verfügbarkeit auch nicht eingeschränkt - unter anderem deshalb, weil auch für die US-Army kleine, zivile GPS-Handgeräte schneller in großen Stückzahlen verfügbar sind als militärische.

Aktuelle Beobachtungen bestätigen die volle Verfügbarkeit von GPS. Der klassischen Navigation unkundige Skipper können also mit großer Wahrscheinlichkeit ihre Box im Hafen wie gewohnt per Navigationssystem ansteuern - sollten aber bitte vor dem Einlaufen trotzdem nachsehen, ob der anvisierte Platz auch frei ist ;-)

Olaf Schmidt am 08.04.2003

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