Interboot
Interboot-Premieren VII: Waarship 700

Auf der nur noch dieses Wochenende laufenden Bodensee-Messe feiert vis-à-vis vom YACHT-Stand ein spannendes Sportboot aus Holz Premiere

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 29.09.2012

YACHT/J. Rieker Blick ins aufgeräumte, gut gegliederte Cockpit der Waarship 700 LD

YACHT-Leser kennen das Projekt schon von unseren Aktuell-Seiten im Heft, doch in Friedrichshafen ist die neue Waarschip 700 LD nun erstmals live zu sehen. Eine leistungsorientierte Light-Displacement-Konstruktion, die auf geschickte Weise Knick- und Rundspant-Bauweise kombiniert. Mit tiefem T-Kiel, flachem Unterwasserschiff, ausfahrbarem Bugspriet und Squarehead-Groß ist sie die mit Abstand sportlichste Yacht des Werft-Programms.

Man muss schon zweimal hinschauen, um zu erkennen, dass dies hier eine Waarschip ist. Denn Knicke im Rumpf sind in den vergangenen drei Jahren ja schwer en vogue, sodass die hier doppelten Kimmkanten der 700 LD gar nicht mehr besonders auffallen. Sie markieren die oberen drei Plankengänge aus Bootsbausperrholz. Das Unterwasserschiff dagegen sieht aus wie bei allen anderen Konstruktionen: Es ist in Holz/Epoxid-Leistenbauweise gearbeitet, also glatt und schier, was eine ungestörtere Anströmung ermöglicht, den Wasserwiderstand verringert und obendrein einen sehr zeitgemäßen U-Spant mit flachem Austritt achtern erlaubt.

Die neue Waarschip 700 LD im Detail

12 Bilder

Hier erste Bilder von der Deutschland-Premiere des Sportboots auf der Interboot in Friedrichshafen (bis 30. September)

Die gesamte Rumpfkonstruktion wird mit zwei Lagen Biaxial-Gewebe und Epoxidharz überlaminiert, welche die Festigkeit noch erhöhen und das Schiff unempfindlich gegen Osmose machen. Sauber verspachtelt, verschliffen und lackiert sieht die 700 LD wie ein GFK-Boot aus.

Damit enden die Besonderheiten freilich nicht. Auch die Kielaufnahme sowie der Kiel selbst sind erwähnenswert. Ähnlich modernen Grand-Prix-Regattayachten besitzt die Waarschip 700 LD eine geschlossene Kielbox, in die der Ballastkörper von unten kraft- und formschlüssig eingesetzt und an zwei massiven Bolzen von innen verschraubt wird.

Die Finne ist aus Holz und Carbonfasern gefertigt; sie wiegt nur 50 Kilo. An ihrem Ende hängt eine 600 Kilo schwere Bleibombe. Das sorgt für einen maximal tiefen Schwerpunkt und ist ein Kernbestandteil des Boots-konzepts. Denn die 700 LD ist als Allrounder gedacht, schnell auf allen Kursen, auch am Wind. Und dank des Ballastanteils von 55 Prozent braucht es keine große Crew, um auf Regatten erfolgreich zu sein. Nur eine Einschränkung bringt sie mit, die insbesondere auf Binnenrevieren mit flach auslaufendem Küstenbereich oder schwankenden Wasserständen relevant ist: Der immerhin 1,55 Meter tief gehende Kiel lässt sich nicht aufholen.

Am Wind trägt die Waarschip 32,4 Qudratmeter Segelfläche. Bei 1,15 Tonnen Verdrängung ergibt sich ein gutes Leistungsgewicht. Die Segeltragezahl beträgt 5,4 – mehr als viele Cruiser/Racer am Markt aufweisen. Auch der GPH-Rennwert von 680 kann sich sehen lassen. Wahlweise wird das Boot mit asymmetrischem Spinnaker am Bugspriet (50 qm) oder mit klassischem Spi (44 qm) gefahren.

Die als Einheitsklasse konzipierte Yacht ist alternativ auch als Tourer erhältlich, eine attraktive Variante: Dann verlängert die Werft den Kajütaufbau um 50 Zentimeter nach achtern, schafft so einen echten Niedergang mit Schiebeluk und erweitert den Innenraum. Eine Luke im Vorschiff sorgt für mehr Licht und bessere Ventilation. Aber auch das One-Design-Sportboot wirkt alles andere als karg. Dank der schiffigen Holzspanten und Stringer kann man sich dort sehr wohl fühlen, und für zwei bis vier Cremitglieder reicht der Platz gut. Ausreichend Sitzhöhe ist vorhanden, Stauraum unterm Cockpit ebenso.

Die Beschlagsausrüstung ist hochwertig: Waarschip verbaut ausschließlich Harken-Ware, und dies sehr komplett. Barberholer für Spi und Fock gibt es im Standard, ebenso einen Traveller ganz achtern. Dessen Kontrollleinen sollten aber nach vorn umgelenkt sein, sodass sowohl Trimmer wie Steuermann sie im direkten Zugriff haben.

Wer gerne Regatten segelt oder ohne allzu große Komfortansprüche auf Törn geht, findet in der 700 LD eine attraktive Alternative zu den sonst üblichen Gfk-Sportbooten. Zwar kostet sie mit rund 50.000 Euro segelfertig deutlich mehr als etwa die neue Bavaria B/One oder eine Mak7, dafür bietet sie eine gewisse Exklusivität und das besondere Gefühl, eine Yacht aus Holz zu segeln. Vor allem unter Deck begeistert die Waarship mit ihrem  angenehm warmen Ambiente, und schon die Baunummer eins überzeugt mit guter Verarbeitung.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Werft


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