Centreboard 40
Heavy Metal für blaues Wasser

Segelyachten aus Stahl sind selten geworden. Da sie bei Langfahrern jedoch hoch im Kurs stehen, hat eine kleine Werft diese Nische besetzt

  • Alexander Worms
 • Publiziert am 07.01.2013

Werft Aufsteigen, losfahren: Die Centreboard 40 mit Geräteträger am Heck

Bislang haben die Ungarn unter der Leitung des Niederländers Jan van der Weide vor allem Motorboote aus Stahl gebaut. Nachdem die Firma Pedro, größter Kunde, jedoch Insovenzantrag stellen musste, half es, dass der Werftboss, selber Segler, schon einen Prototypen eines 38 Fuß messenden Dick-Koopmanns-Entwurfs gebaut hatte. „Den habe ich in aller Ruhe vier Jahre lang getestet. Dabei sind mir viele Punkte aufgefallen, die im Detail verbessert werden mussten. Das Resultat ist jetzt die Centreboard 40." Dabei ist das Wort Centreboard etwas irreführend: Der erste Kundenauftrag der Mittelcockpityacht wird gleich mit einem Tiefkiel mit Bleibombe anstelle des namensgebenden Schwertes mit Innenballast gebaut. Ein Vorteil von Stahl: Ist man doch nicht sklavisch an die Vorgaben einer Laminierform gebunden und kann sich nach den Wünschen des Eigners richten.

Werft Eines von vielen möglichen Layouts: Klassisches, helles Innenleben einer Centercockpityacht

Solides Stahl-Schiff

Die schätzen an einem Untersatz, der eben nicht aus Kunststoff ist, seine Sicherheitsreserven. Acht Millimeter dicke Spanten alle 40 Zentimeter, eine 12 Millimeter dicke Bodenplatte sowie 4 bis 5 Millimeter starke Außenwände sorgen genau dafür. Kollisionen mit Treibgut oder Bodenkontakt, etwa auf einem Riff, verlieren so deutlich ihren Schrecken. Auch durch das am Spiegel angehängte Ruder mit Vollskeg. Der Nachteil der Solidität ist das Gewicht: etwa 15,5 Tonnen wiegt die Centreboard 40 voll ausgerüstet und betankt. Mit Groß, Fock und 40-Quadratmeter-Klüver kommt die Ungarin mit holländischen Genen damit auf eine Segeltragezahl (STZ – Verhältnis von Gewicht und Segelfläche) von nicht mal 4. Eine Hallberg-Rassy 40 bringt es auf etwa 10 Tonnen und schafft mit der größeren Genua immerhin eine STZ von 4,48. Während die Schwedin damit gut betucht ist, deuten die eher wenigen Segel-PS im Verhältnis zum Gewicht der Centreboard auf eine mäßige Schwachwindleistung hin. Das wird vielen Langfahrern das Plus an Sicherheit jedoch wert sein, zumal sich auf raumeren Kursen zusätzliche Leistung mittels größeren Vorsegeln aus dem Rigg kitzeln lässt.

Rost war gestern

Rost sei dank moderner Lacksysteme kein Thema mehr, so die Werft. Und tatsächlich wird das Schiff nach der Fertigstellung der Schweißarbeiten zunächst mit Glasperlen gestrahlt und dann mit einem System aus 2k-PU-Lacken von Hempel und AWL-Grip zunächst grundiert und dann gefinisht. Besonders gefährdete Stellen, wie das Schwert, werden zudem feuerverzinkt.

Werft Sorgfältige Grundierung sorgt für lange Jahre ohne Rost: die Centreboard 40 vor der Installation der Technik und des Ausbaus

Komplett ausgerüstet

Das Schiff ist fertig zum Losfahren. Neben dem kompletten Kutterrigg mit allen Segeln und Carbon-Spibaum ist ein Dingi enthalten mitsamt Außenborder. Eine Rettungsinsel ist an Bord, komplette Elektronik mit Radar, AIS und Plotter. Heizung und Warmwasserboiler verstehen sich von selbst, ebenso wie der VW-Marine- (jetzt Cummins) Diesel mitsamt Drucklager in der Welle und Diesel-Tagestank. Ebenfalls im Lieferumfang eingeschlossen ist eine komplette Fotodokumentation vom Bau sowie eine Datenbank mit allen Lieferanten und den Artikelnummern der verbauten Teile. Fraglos praktisch bei Reparaturen, wo auch immer auf der Welt. Eine solchermaßen komplett ausgerüstete Langfahrtyacht, auf der sogar die Halterung für eine Windfahnensteuerung schon installiert ist, kostet 380.000 Euro und liegt damit deutlich unterhalb vergleichbarer GFK- oder Aluschiffe. Individualismus inklusive.

Mehr Info finden Interessierte auf der Website der Werft .


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Themen: Centreboard 40Dick KoopmannsLangfahrtyachtStahl

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