Spektakuläre Aktion

Einmal wenden bitte: Spirit Yachts dreht 34-Meter-Monster

Nach einem Jahr Bauzeit hat die britische Werft für feinste Retroklassiker gestern die erste Rumpfschale der Spirit 111 gewendet. Nun folgt der Ausbau

Jochen Rieker am 21.02.2018
Spirit 111 Rollover
Spirit Yachts

Zum Glück ist Ipswitch keine Metropole. Zum Glück ist gerade Winter, keine Touristensaison also. Zum Glück hat es gestern in Strömen gegossen. Ansonsten wäre die spektakuläre Aktion vor den Werkstoren von Spirit Yachts dazu geeignet gewesen, Massenaufläufe in dem hübschen Ort im Südosten Großbritanniens zu provozieren.  

Am frühen Dienstagnachmittag wurde dort das Produkt Tausender Mannstunden ins Freie gerollt, ein Koloss von 34 Meter Länge und 6,40 Meter Breite, der in seinem eigentlichen Element gleichwohl höchst elegant aussehen wird – Baunummer 1 der spektakulären Spirit 111. 

Beim "Dreh-Termin" gestern am Ufer des Flusses Orwell waren drei große Mobilkräne vonnöten, um die riesige Mahagoni-Konstruktion zu wenden. Ein Kraftakt in Zeitlupe. Werftchef Sean McMillan, der seine Modelle auch selbst entwirft, sprach von einem "geschichtsträchtigen Moment".  

Spirit 111 Rollover

Richtig rum. Rumpf der Spirit 111 nach dem "Rollover"

Die Aktion ist Teil des Bauverfahrens bei Spirit. Der Rumpf entsteht in Leistenbauweise zunächst verkehrt herum. Als Erstes werden die aus formverleimtem Holz gefertigten Ringspanten gestellt, die mit einer zentralen Struktur aus Edelstahl verbunden sind, welche Kiel- und Riggkräfte aufnimmt. Dann werden Längsstringer und Decksbalken eingepasst, bevor die Bootsbauer mit dem Beplanken beginnen.

Den Abschluss bilden vier Diagonallagen Furnierleisten, alle mit Epoxid verklebt und unter Vakuum bei 45 Grad Celsius getempert, bevor das Ganze noch mit einer Lage Glasfaser beschichtet wird. Ein aufwändige Methode, die freilich höchste Festigkeit bei relativ geringem Gewicht gewährleistet. 

Die Spirit 111 wird die größte je gebaute Slup aus Holz seit den 1930er-Jahren – ein Retroklassiker im Superyacht-Format. Das Längen-Breiten-Verhältnis des Schiffs beträgt 5,2:1, ist damit mehr als doppelt so gestreckt wie das einer Pogo 30 (2,5:1). Man darf also von einer aufreizenden Erscheinung ausgehen.

Noch aber liegen anderthalb Jahre Ausbau und technische Installationen vor ihr, und auch die haben es in sich.

Der Eigner hat gemeinsam mit der Werft ein dieselelektrisches Antriebskonzept favorisiert. Hafen- und Ankermanöver sowie kurze Strecken soll die Spirit 111 rein elektrisch fahren – mit einem von Torqeedo gelieferten 160-kW-Hochvolt-Motor. Er wird von vier Lithium-Ionen-Akkubänken aus dem BMW i3 versorgt, die auf längeren Strecken von zwei Generatoren geladen werden. Beim Segeln dient der Elektro-Motor selbst als Generator und lädt seinerseits die Batterien.

Hydraulisch angetriebene Winschen und Strecker sollen den Bedienaufwand der Yacht, die nahezu J-Class-Format hat, so weit reduzieren, dass die Spirit auch ohne Profi-Crew gesegelt werden kann. Ungeachtet ihrer Länge bleibt sie ein Vergnügen für wenige. Nur vier Kammern mit insgesamt acht Kojen sind unter Deck vorgesehen. 

Jochen Rieker am 21.02.2018

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