Sun Fast 3300

Ein Auge schielt schon nach Olympia

Zwei Konstrukteure, ein Projekt: Andrieu und Verdier entwickeln für Jeanneau einen neuen Offshore-Racer. Eine Bewerbung als Olympia-Klasse ist geplant

Michael Good am 10.12.2018
Sun Fast 3300
Chantiers Jeanneau

Attraktiver Racer für hohe Ansprüche: neue Sun Fast 3300 als Modell

Hochseerennen im Einhand- oder Zweihandmodus gewinnen an Reiz und rufen eine schnell wachsende Gruppe von sportbegeisterten Seglerinnen und Seglern auf den Plan. Die steigende Attraktivität und die rasch zunehmenden Teilnehmerzahlen bei Langstreckenregatten wie zum Beispiel der Silverrudder Challenge oder dem Transatlantik-Klassiker Transquadra belegen diesen Trend. Und der Offshore-Regattasport soll jetzt sogar olympisch werden. Der Welt-Seglerverband hat das neue Format "Mixed Keelboat" ins olympische Segelprogramm aufgenommen (wir haben darüber berichtet). 

Die Yachtbauer von Jeanneau in Frankreich reagieren auf die steigende Nachfrage jetzt mit einer neuen und attraktiven Plattform. Auf der Messe in Paris wurde ein erstes Modell der Sun Fast 3300 enthüllt und das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt. Mehr noch: Jeanneau möchte sich mit dem Racer auch als Offshore-Klasse die Olympischen Spiele 2024 in Paris bewerben.

Für die Ausarbeitung der Konstruktionspläne hat die Werft gleich zwei namhafte Architekten beauftragt. Daniel Andrieu wird sich insbesondere mit den Optimierungen nach IRC-Handicap befassen, während Guillaume Verdier die Rumpflinien und die Rumpfanhänge über CFD-Programme (Computational Fluid Dynamics) perfektioniert. Für das Konzept zeichnen beide Konstrukteure verantwortlich. Speziell ist die konkave Formgebung am Rumpf im Bugbereich und vor allem achten unter der bereiten Heckpartie. Diese "Beulen" sollen für eine bessere Verteilung des dynamischen Drucks sorgen und beim Segeln insbesondere im Heckbereich deutlich mehr Auftrieb generieren, was letztlich die benetzte Oberfläche verringert. Damit das Boot deshalb nicht zu stark über die Front abtaucht, fällt die Bugsektion ebenfalls extrem voluminös aus. 

Sun Fast 3300

Sun Fast 3300

Als Folge davon können der IRC-Flossenkiel  aus Blei sowie das Zweisalings-Rigg aus Aluminium vergleichsweise weit hinten positioniert werden, etwa in der Schiffsmitte. Die 106 Prozent überlappende Genua kann damit größer sein, und für das Großsegel ist ein hoher und schlanker Schnitt mit ausgestelltem Square-Head geplant. Über die doppelt geführten Achterstagen (Runners) wird vor allem der Durchhang des Vorstags getrimmt. Ein Mast aus Kohlefaser wird auf Wunsch ebenfalls machbar sein. Die Sun Fast 3300 kommt mit doppelten Ruderblättern, die über eine zentrale Pinne und Schubstangen angesteuert werden. Doppelte Steuerräder sind auch als Option nicht vorgesehen. 

Für den einfachen Innenausbau liegen aktuell noch keine Zeichnungen oder Layouts vor. Geplant sind aber zwei Doppelkabinen achtern sowie eine Nasszelle ganz im Vorschiff. Um maximal viel Gewicht zu sparen, will Jeanneau für den Ausbau weitgehend leichte Komposit-Materialien mit Schaumkern verwenden. Rumpf und Deck werden als GFK-Sandwichkonstruktionen mit Balsaholz und Schaumkern gebaut. 

Mit dem neuen Projekt trifft Jeannau auf einen spannenden und aktuellen Wettbewerb. Dehler zum Beispiel arbeitet ebenfalls an einem etwas kleineren, leistungsstarken Hochsee-Racer mit knapp über neun Meter Rumpflänge. Das Projekt Dehler 30 OD hatten wir in der YACHT, Heft 15/2018 ausführlich vorgestellt. Marken wie Pogo, JPK, Django und Ofcet haben dazu ebenfalls sportliche Schiffe in ähnlicher Ausrichtung im Programm.

Und Jeanneau stößt sogar hausintern auf Konkurrenz. Die ebenfalls von Daniel Andrieu gezeichneten Typen Sun Fast 3200 (Test in YACHT 22/2007) und Sun Fast 3600 (YACHT 24/2013) haben sich als Einheitsklassen vor allem im Frankreich weit entwickelt und werden deshalb auch weiterhin angeboten. 

Jeanneau wird auf der Messe in Düsseldorf alle Interessierten über das Projekt Sun Fast 3300 informieren und auch Pläne, Rendings und Modelle zeigen können. Zudem nennen die Franzosen heute schon eine erste Preiseinordnung: zwischen 120.000 und 130.000 Euro soll das Boot kosten, in der Basisausstattung inklusive Mehrwertsteuer, aber ohne die Segel. 

Jeanneau auf der Messe in Düsseldorf: Halle 16, Stand B18

Technische Daten Sun Fast 3300
Konstrukeure D. Andrieu / G. Verdier 
CE-Entwurfskategorie A6 – B7 – C10 
Gesamtlänge (mit Bugspriet) 10,49 m
Lüa (Rumpflänge)  9,99 m
Breite  3,40 m
Tiefgang (Bleikiel)  1,95 m
Gewicht  3,5 t
Segelfläche am Wind  60,0 qm
Segelfläche vor dem Wind  128,0 qm
Einbaumaschine 15 PS / Saildrive
IRC-Rating (erw.) 1,015 TCC

Fotostrecke: Sun Fast 3600

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Michael Good am 10.12.2018

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