Messe-Neuheiten Cannes, No. 5
Dufour Grand’Large 520: modellgepflegt ins nächste Jahr

Der Name ist neu, der Rumpf nicht. Dafür hat sich unter Deck einiges getan. Wie Dufour gegen die Konkurrenz von Beneteau und Jeanneau bestehen will

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 20.09.2017
Sonnige Aussichten. Auf der Grand Large 520 gibt es Decksliegen vor und hinter dem Mast Sonnige Aussichten. Auf der Grand Large 520 gibt es Decksliegen vor und hinter dem Mast Sonnige Aussichten. Auf der Grand Large 520 gibt es Decksliegen vor und hinter dem Mast

YACHT/J. Rieker Sonnige Aussichten. Auf der Grand Large 520 gibt es Decksliegen vor und hinter dem Mast

Während die großen Konkurrenten mit der Oceanis 51.1 und der Sun Odyssey 490 gerade zwei brandneue und innovative Modelle auf den Markt gebracht haben, versucht der kleinere Rivale aus dem Hinterland von La Rochelle mit einer Überarbeitung gegenzuhalten.

Die Dufour Grand’Large 520, die ihre Andersartigeit auch dadurch deutlich macht, dass die Ziffern jetzt nicht mehr vor, sondern hinter dem Modellnamen stehen, basiert auf der 512, die wiederum aus der 500 Grand’Large hervor gegangen ist.

Copy & Paste kann man Umberto Felci jedoch nicht vorwerfen. Der stilsichere Hauskonstrukteur hat die 14,75 Meter lange Yacht spürbar modifiziert und dabei vor allem den Komfort an Bord sowie den visuellen Anspruch angehoben.

YACHT-Galerie zur Messepremiere der Dufour Grand’Large 520 in Cannes

24 Bilder

Mehr Komfort und einige clevere Funktionen machen die 15-Meter-Yacht für Fahrtensegler interessant

Manches erscheint etwas gewollt, wie etwa die "Wet-Bar" achtern – eine kleine Freiluft-Pantry unter der Sitzbank Backbord achtern, die sich sinnvoll nur von der abgesenkten Badeplattform bedienen lässt. Das ist gerade schwer en vogue im Bootsbau, wenn auch nicht wirklich praktisch, weil man ja trotzdem alles Geschirr und Essen erst mal aus dem Schiffsinneren hochschaffen müsste, wenn man denn das Kochen und Spülen wirklich draußen erledigen wollte.

Auch offeriert die Grand’Large 520 auf Wunsch gleich zwei Doppelliegen an Deck, eine vor und eine achtern des Masts. Das wirkt einladend. Nur: Wohin mit den riesigen Polstern, wenn es auf See zur Sache geht oder sich vor Anker eine Regenfront entlädt? Den Salon würden sie versperren, die Achterkammern ebenso, und in die Backskisten passen sie nicht ohne Weiteres. Eine Krux, mit der andere Werften, die ähnlich opulente Chill-out-Bereiche offerieren, am Ende ebenfalls ihre Kunden alleinlassen.

Doch jenseits solchen Messe-Chichis bietet die geliftete Dufour durchaus handfeste Vorteile. So ist die absenkbare Badeplattform jetzt erstmals zweiteilig ausgeführt, was zum einen die Fläche erweitert, viel wichtiger aber: zwei Niveaus ermöglicht. Bei bewegter See belässt man es dabei, nur den ersten, größeren Teil abzufieren, sodass genug Freibord bleibt, um ein Schlagen der Plattform in der Welle zu vermeiden. Bei ruhigem Wasser kann auch die zweite Stufe ausgeklappt werden.

Schlau gelöst ist ferner das Mittelteil der achteren Cockpitbank. Es kann noch vorn geklappt werden und bildet dann einen zusätzlichen Sitz am großen Cockpittisch. Eine eigentlich simple, gerade deshalb aber so geniale Lösung.

Unter Deck fällt vor allem der jetzt in mattem Teak gehaltene Ausbau auf, der sehr warm und gediegen wirkt. Er steht ein wenig im Widerspruch zum überall beobachtbaren Trend zu hellen Holzsorten. Doch ist die Kajüte dank großer und zahlreicher Fenster und Luken so licht, dass jede Sorge vor einem dunklen Ambiente unbegründet erscheint.

Die Aufteilung der Kammern entspricht im Wesentlichen noch dem Stand, den die YACHT 2013 beim Debüt der Dufour 500 Grand’Large als "kleine Revolution" beschrieben hatte. Die Pantry am Hauptschott – das gab es damals bei einer Fahrtenyacht aus Großserie in diesem Format noch nicht. Nach wie vor ist das Konzept attraktiv und zudem praxisgerecht.

Die eigentliche Neuerung der Grand’Large 520 findet sich in den Achterkammern. Dort lassen sich die Doppelkojen wahlweise zu zwei Einzelkojen auseinanderschieben – oder eben verbinden. Der Salontisch ist elektrisch absenkbar – und dient somit wahlweise auch als Couchtisch oder zur Schaffung einer riesigen Doppelkoje.

Nicht durchweg überzeugend am Messeboot war die Verarbeitungsgüte. Schwergängige Türdrücker, scharfkantike Plexiglas-Abdeckungen, zu große Lukenausschnitte im Deck und fummelige Drehriegel an Backskisten- und Ankerdeckeln passen nicht zum ansonsten gelungenen ästhetischen Eindruck der Yacht. Die Baunummer eins sei so gerade eben zur Messe in Cannes fertig geworden, erklärte ein Händler. Dem Interesse der Besucher tat das keinen Abbruch. Die neue Dufour war schwer gefragt.

Technische Daten und weitere Informationen der Werft finden Sie hier! 

Im sechsten und letzten Teil des Premieren-Reports aus Cannes stellen wir Ihnen vor:

  • Grand Soleil 52 LC – Wie wandelbar die neue Fahrtenyacht von Cantiere del Pardo ist

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