Jollen

Der britische Laser-Killer?

Die britische Dinghy-Schmiede RS bringt den Aero heraus, eine Ein-Mann-Jolle zum Ausreiten ohne Gennaker und mit drei Rigg-Optionen

Andreas Fritsch am 03.03.2014
RS Aero

Der neue RS Aero

Der Aero ist optisch die moderne Interpretation des Themas Einhand-Jolle à la Laser: eine mehr oder weniger offene Rumpfschale mit ergonomisch ausgeformten Seitendecks, Carbonmast und -baum, fast offener Heckspiegel, schlankeres Vorschiff. Das Design orientiert sich am Stand der Technik im Jollenbau, die Verwandtschaft zur mittlerweile großen RS-Familie ist eindeutig. Entsprechend kündigt RS den Aero als  "Variante des Lasers für das 21. Jahrhundert" an, so die Pressemitteilung.

Nötig hat die britische Innovations-Schmiede solche Vergleiche eigentlich nicht. Auf der Insel bringt sie seit Jahren mit fast jedem neuen Boot in kurzer Zeit gute Felder zustande, sodass Regatta-Segler dort keine Sorge haben müssen, dass sie mit einem neuen hippen Boot, aber ohne Mitstreiter dastehen und nur gegen Verrechnung bei Regatten gegen andere Boote antreten können. 

Fotostrecke: Galerie RS Aero

In Deutschland war das bislang aber deutlich schwieriger: Die Segler hierzulande hängen viel mehr an ihren einmal etablierten Klassen, sind weniger experimentierfreudig. Eigentlich ist es natürlich unfair, ein Design von 1970 mit einer modernen Jolle zu vergleichen, aber da der Laser ohne Frage die in Deutschland am weitesten verbreitete Einhand-Jolle ist, drängen sich eben keine anderen Kandidaten auf.  

Wie auch immer – ein Blick aufs Datenblatt des RS Aero lässt ein sehr attraktives Boot vermuten: Es ist mit 30 Kilogramm Bootsgewicht gerade einmal halb so schwer wie der Laser, was besonders beim Autodach-Transport eine große Hilfe sein dürfte. Trotzdem hat der RS sogar mehr Segelfläche (8,9 zu 7,06 Quadratmeter), die dank guter Trimmmöglichkeiten auch am Wind bei viel Druck beherrschbar bleiben sollen. Für leichtere Segler und Jugendliche gibt es wie beim Laser kleinere Segel- und Riggvarianten mit 7,4 und 5,2 Quadratmetern. Der unverstagte Mast aus Carbon ist ebenfalls teilbar, das Segel wird aber mit Rutschern und Fall gesetzt und nicht wie beim Laser über den Mast gezogen. Die Trimmleinen sind auf beiden Seitendecks mit eigenen Klemmen ausgelagert und so auch sehr gut während des Ausreitens auf der Kreuz erreichbar, beim Laser sind sie zentral vor dem Schwert angeordnet.

Noch ein paar weitere Punkte zeigen, dass der RS Aero einige Kinderkrankheiten vermeiden konnte, die der Laser nie loswerden konnte, weil er als Olympia-Einheitsklasse sozusagen unter Artenschutz steht: Im Bereich des Mastfußes schützt ein Metallbeschlag den Rumpf vor Schäden und hat eine Lenzöffnung, das Heck hat zwei riesige Lenzklappen, die das Wasser schneller loswerden dürften als die Miniteile des Lasers. Ruderblatt und Schwert sind deutlich schlankere, längere Profile, die zeigen, wie sich die Kenntnisse im Bereich der Strömungsforschung in den letzten 45 Jahren verbessert haben. Vier Jahre lang entwickelten Designer Jo Richards und RS an dem neuen Aero, vier Rumpfformen und diverse Rigg- und Beschlagsvarianten wurden erprobt. 

Das Segel wird allerdings genau wie beim Laser aus Dacron sein, da auch unverstagte Kohlefaser-Profile beim Durchsetzen aller Trimm-Einrichtungenso stark durchbiegen, dass das Material nicht genug dehnbar ist, so RS.

Der Rumpf ist ein Glas-Schaum-Epoxid-Laminat, das an stark belasteten Stellen wie dem Mastfuß extra Carbon-Gelege hat. Mit vier Metern ist das Boot 23 Zentimeter kürzer als der Laser, laut Hersteller wurde aber angeblich extra darauf geachtet, dass genug Auftrieb auch für schwere Segler vorhanden ist, indem die Wasserlinie entsprechend ausgelegt wurde. 

Bleibt abschließend die Frage, was das neue State-of-the-Art Boot im Vergleich zum Laser kostet. RS nennt noch keinen endgültigen Preis, da das Sportgerät erst jetzt, nach der Vorstellung des letzten Prototyps auf der Dinghy Boatshow in London, in die Serienfertigung geht. Bislang ist nur klar, dass es trotz aller teureren, modernen Bauteile preislich in etwa "in der Nähe" des Lasers liegt – man will eben besser sein, nicht billiger. Interessenten müssen sich allerdings noch etwas gedulden: Die Produktion läuft erst im Laufe dieses Jahres an, Verkaufsstart soll dann voraussichtlich Januar 2015 sein.

Importeur ist die Firma Onsail in Hamburg. Mehr Infos zum RS Aero auf der RS-Webseite.

Andreas Fritsch am 03.03.2014

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

    ANZEIGE

    Das könnte Sie auch interessieren

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online