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boot-Premieren, Teil I: Oyster 825 DS

Zutritt nur auf Einladung? Nicht bei uns! YACHT online zeigt zum Auftakt gleich mal die Primadonna vom Rhein – und erklärt ihre Raffinessen

Jochen Rieker am 18.01.2014
Oyster 825

Auf diesem Vorschiff kann man sich verlieren: Oyster 825 DS

So etwas gab es auf der boot zuletzt vor elf Jahren: eine Superyacht in Halle 16, die selbst 45-Fußer zu Statisten schrumpfen lässt. Im Januar 2000 verblüffte eine Jongert die See- und Sehleute, jetzt thront die flammneue Oyster 825 über allem. Und das liegt nicht nur an ihren fast vier Meter Tiefgang. Es gilt in jeder Hinsicht.

Nur wenige Privathäuser kosten signifikant mehr als dieser Luxuskreuzer, selbst in sogenannten "Wasserlagen". Mit fünf Millionen Euro liegt die Oyster jedenfalls weit jenseits der Neidgrenze. Damit wäre das Unvermeidliche gesagt. Hinzuzufügen ist allenfalls noch, dass als potenzielle Eigner ohnehin nur Menschen in Frage kommen, die aufgrund glücklicher Umstände überhaupt nicht nach dem Preis fragen müssen.

Widmen wir uns also lieber dem sinnigeren Thema, was einen für den Fall erwartet, dass man doch einmal zu diesem Personenkreis gehören sollte.

Fotostrecke: boot Premiere I: Oyster 825

Nun, da ist so einiges. Zuvorderst die Erkenntnis, dass es dieses Boot immer nur einmal geben wird. Denn wir bewegen uns hier strenggenommen nicht mehr im Bereich des Serienbootsbaus, auch wenn die Vorgängerin fast zwanzig Mal verkauft wurde und der 825 durchaus noch größere Stückzahlen zuzutrauen sind.

Nein, das hier ist auch kein Semi-Custom mehr: Oyster setzt die Schotten so, wie es den Wünschen des Eigners am nächsten kommt, verlängert mal eben das Heck, um einer Dingi-Garage Platz zu verschaffen, erhöht den Aufbau, der sich bei der ausgestellten 825 DS so anmutig flach ins Deck fügt, um 30 Zentimeter zur RS-Version (für "Raised Saloon"). Alles, na ja: fast alles geht.

Konstrukteur Rob Humphreys, dessen Schaffen eine ungeheure Spannweite umfasst – vom 21-Fuß-Kleinkreuzer bis zum J-Class-inspirierten Retro-Design – ist mit der jüngsten Oyster ein ungemein ästhetischer Entwurf geglückt. Reduzierter, geradliniger, aufgeräumter als die vier Generationen britischer Blauwasseryachten zuvor. Die 825 ähnelt Maxis aus Italien oder Finnland tatsächlich mehr als ihren eigenen Schwestern. Und sie ist eine "Yacht für Segler", wie Werftchef David Tydeman gestern YACHT online erklärte, "kein "Captain’s Boat", das von bezahlter Crew bedient wird.

Vor dem Mast nichts als ein Squashcourt großes Flushdeck aus feinstem Teak. Achtern hinter den genau richtig dimensionierten Steuerständen dieselbe Flächigkeit. Das ist großes Freiluftkino. Und auch der Aufenthalt im großen, leicht tiefergelegten Gästecockpit mit dem seitlich nach Steuerbord platzierten Niedergang entspricht höchsten Erwartungen – funktional wie ästhetisch.

Unter Deck sagen die Fotos in unserer Galerie alles. Großartiges Finish. Klares Styling. Und was man nicht sieht: mehr Platz, als selbst 82 Fuß erwarten lassen. Die neue Oyster hat tatsächlich 15 Prozent mehr Volumen als ihre Vorgängerin. Am meisten gewinnt sie im achteren Drittel, das sehr breit ausfällt. Daher auch die Doppelruder, die bei Lage und Druck mehr Kontrolle erlauben.

Oyster 825

Blitzsauber, aber eng

Nix zu bekritteln? Na ja, der Maschinenraum der 825 DS hat nur Kriechhöhe.

Wen dieser Gedanke quält, der kann ja die RS ordern. Würden wir allerdings nicht machen. Dann ginge etwas von der grandiosen Eleganz des Deckshauses verloren, die der 25-Meter-Yacht einfach zu gut steht, um sie praktischen Erwägungen zu opfern.

Jochen Rieker am 18.01.2014

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