Bénéteau Figaro 3

Beflügeltes Überraschungspaket

Auf der Messe in Paris stellt Bénéteau sein jüngstes Projekt vor – die Neuauflage des Figaro-Konzepts. Der Racer kommt jetzt auch mit Foils

Michael Good am 04.12.2016
Figaro 3

Figaro 3

Dass von Bénéteau demnächst etwas Ultramodernes mit Foils kommen würde, hatte sich gerüchteweise bereits abgezeichnet. Zum Auftakt des "Salon Nautique de Paris" hat der Branchen-Führer nun das Geheimnis gelüftet. Als Figaro 3 soll der knapp zehn Meter lange Nachfolger des Hochsee-Klassikers Figaro 2 bereits im kommenden Sommer als Prototyp zu Wasser gehen.

Figaro 3

Figaro 3

Wer sich im französischen Offshore-Rennsport einen Namen machen will, der kommt an zwei Bootstypen nicht vorbei: am Mini 6.50 und an der Einheitsklasse Figaro von Bénétau. Beide Boote bilden die klassische Karriere-Leiter für angehende Hochsee-Skipper, insbesondere bezogen auf die Ein- und Zweihand-Szene.

Nach 14 Jahren und über 100 verkauften Einheiten hat die Figaro 2 ausgedient. Hersteller Bénéteau kündigt jetzt die dritte Generation des beliebten Offshore-Bootes an. Für die Konstruktion wurde das renommierte Büro von Van Peteghem / Lauriot-Prévost in Paris (VPLP) beauftragt. Unter Anderem haben deren Entwürfe die letzten beiden Austragungen der Vendee-Globe gewonnen. 

Auffälligste Besonderheit der neuen Figaro 3 sind natürlich die Foils. Anders als bei den aktuellen Konstruktionen der IMOCA Open 60 sind die J-förmigenTragflügel aber nicht nach oben gebogen, sondern nach unten und nach innen. Damit wird es möglich sein, die Foils fast bündig bis an den Rumpf hin einzuziehen. Das soll den Umgang mit diesen Booten zum Beispiel im Hafen deutlich erleichtern und auch die Leichtwindeigenschaften verbessern.

Die Foils werden nicht nur für Auftrieb sorgen, sondern auch für mehr Kursstabilität und weniger Abdrift auf den Raumwindkursen. Fraglich ist aber, ob die Figaro 3 – ähnlich wie die Open 60 – richtig foilen und mit Teilen des Rumpfs wird abheben können.  

Figaro 3

Figaro 3

Die Kielfinne fällt extrem schlank aus. Der Festkiel geht bis in eine Tiefe von 2,50 Metern. Auf Wasserballasttanks wie beim Vorgängermodell verzichtet die das neue Figaro 3-Konzept. Der Mast steht auffällig weit hinten im Boot. Der rund 1,10 Meter lange Bugspriet für den Gennaker ist fest angebaut. 

Mit dem Projekt hat Bénéteau jetzt auch eine neue Arbeitsgruppe unter dem Namen Bénéteau Racing Division Group ins Leben gerufen. Rund 15 Spezialisten kümmern sich dort vermehrt um sportlich orientierte Regatta-Projekte. Es wird als ein starkes Signal gewertet, dass der Branchenführer jetzt wieder intensiver und fokussierter im Bereich von leistungsstarken Yachten entwickelt. 

Der erste Prototyp der Figaro 3 befindet sich offenbar bereits in der Bauphase. Bénéteau hat dafür eine eigene Produktionsstätte in der Nähe von Nantes eingerichtet. Die Werft rechnet damit, schon im Sommer 2017 die ersten Testschläge absolvieren zu können. Erst danach wird die endgültige Spezifikation feststehen, Gebaut wird die Figaro 3 übrigens ganz herkömmlich als GFK-Sandwich-Konstruktion mit Schaumkern. Auch das Rigg soll, wie bei der Figaro 2, weiterhin aus Aluminium gebaut sein.

Eine Preisvorstellung gab Bénéteau zunächst noch nicht bekannt. Die ersten 50 Boote sollen der Figaro-Klasse vorbehalten bleiben, damit die Serie ab 2019 mit dem neuen Design starten kann. Danach sollen auch interessierte Eigner zum Zug kommen, die Projekte außerhab der weitgehend französisch geprägten Klasse verfolgen. Die Figaro 3 wird vermutlich nicht wenige ambitionierte Skipper ansprechen, denen eine Class 40 zu groß und teuer ist, andere moderne Hochsee-Boote dagegen zu konservativ erscheinen. 

Technische Daten Figaro 3
Lüa (Rumpflänge) 9,75 m
Gesamtlänge (inkl. Bugspriet) 10,85 m
LWL (Länge Wasserlinie)  9,00 m
Breite  3,40 m
Breite auf Wasserlinie 2,40 m
Tiefgang  2,50 m
Gewicht segelfertig 2,9 t
Ballast/-anteil  1,1 t (38 %)
Großsegel 39,5 qm
Genua 30.9 qm
Gennaker 105,0 qm
Michael Good am 04.12.2016

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