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Bavaria nimmt Stellung zum Kielverlust

In einer ersten Stellungnahme bleiben Gründe für den Abriss des Kiels an einer Bavaria 42match weiter offen - Gab es eine Grundberührung?

Jochen Rieker am 09.05.2005

In einer ausführlichen Erklärung hat Bavaria Yachtbau erstmals schriftlich Stellung genommen zu dem Kielverlust einer Bavaria 42match in der Adria, in dessen Folge ein Segler ums Leben kam. Der Text im Wortlaut:

Stellungnahme der Bavaria Yachtbau von Freitag, 6. Mai 2005

"Leider ist es aus bisher nicht geklärter Ursache während einer Regattaveranstaltung in Kroatien zu einem tragischen Unfall mit einer Bavaria 42match gekommen, bei der ein ungarischer Segler sein Leben verloren hat. Wir bedauern dieses Unglück sehr und sprechen den Hinterbliebenen des verstorbenen Seglers unser aufrichtiges Beileid aus.

Der größte Teile der vorliegenden Informationen über den Unglückshergang sind jedoch nur Vermutungen, Gerüchte und Medienberichte, die teilweise sehr widersprüchlich sind. Deshalb konnte der Unfallhergang und die letztendliche Unfallursache bisher nicht endgültig geklärt werden.

Wir wissen, dass das Schiff bei Dunkelheit und schwerem Wetter unterwegs war, und sich ein Fischernetz im Propeller verfangen hatte. Die Taue des Netzes im Propeller sind auf einigen der uns vorliegenden Fotos deutlich zu erkennen. Der Motor konnte deshalb in einer Notsituation nicht eingesetzt werden. Die Crew ist unter diesen Bedingungen gegen bestehenden YUGO in einem mit Untiefen versehenen Gebiet gekreuzt, um das vorgesehene Regattaziel zu erreichen.

Wir gehen nach Einschätzung des Schadensbildes davon aus, dass das Schiff vor dem Unglück eine Grundberührung beim Segeln in Lage hatte und durch das Netz im Propeller nicht den Motor einsetzen konnte und weitersegeln musste. Der durch die Grundberührung bereits gelöste Kiel ist beim Segeln auf dem Steuerbordbug vollends herausgerissen. Danach ist das Schiff gekentert. Die exakte Unglücksposition konnte uns bisher nicht genannt werden, da das GPS Tracking System noch nicht ausgewertet ist. Auch konnte der Kiel des Schiffes noch nicht gefunden und geborgen werden.

Wir wissen, dass andere Schiffe der gleichen Baureihe aus dieser Charterflotte bereits eine stärkere Grundberührung hatten und dabei den Kiel nicht verloren haben. Ein anderer Eigner aus Finnland ist vor wenigen Tagen mit seiner Bavaria 42match auf einen Granitfelsen aufgelaufen und konnte danach noch die Fahrt in einen sicheren Hafen antreten und diesen ohne Folgeschäden erreichen.

Noch nie vorher, selbst bei kritischen Grundberührungen hat eine Bavaria Segelyacht je den Kiel verloren. Deshalb ist es für uns aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen und der vorliegenden Informationen nicht nachvollziehbar, dass sich der Kiel ohne eine vorangegangene äußere Einwirkung von alleine gelöst haben soll.

Die bestehenden und zertifizierten Laminatpläne aller Bavaria Segelyachten werden über die konstruktiven Vorgaben hinaus erfüllt.

Da aber die genaue Unglücksursache noch nicht bekannt ist und eine technische Ursache gegenwärtig auch nicht ausgeschlossen werden kann, untersuchen wir zusammen mit unseren Händlern, aufgrund unseres Verantwortungsbewusstsein gegenüber unseren Kunden und im Rahmen unserer Produktbeobachtungspflicht, gegenwärtig alle Bavaria 42match Yachten im Kielbereich.

Gleichzeitig überprüfen wir mit der Unterstützung von anerkannten Experten die strukturellen Systeme dieser Segelyachten. Dabei werden wir zur Erhöhung der Sicherheitsreserven, auch um Schäden und Folgeschäden bei möglichem Auflaufen zu minimieren, eine Nachrüstung des Kiellaminates / der Kielbefestigung aller Bavaria 42match umgehend veranlassen.

Entgegen anders lautenden Gerüchten wurden nicht alle Bavaria 42match in Kroatien mit einem Auslaufverbot belegt, sondern nur die an dieser Regatta beteiligte Gesamtflotte eines Vercharterers. Wir haben diesem Kunden bereits angeboten, alle Schiffe seiner Flotte nach dessen Einwilligung unter Aufsicht der kroatischen Registrierungsbehörde nachzuarbeiten um sie baldmöglichst wieder in Betrieb nehmen zu können.

Bavaria Yachtbau GmbH

06.05.2005

Jochen Rieker am 09.05.2005

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