Tipps zum Gebrauchtbootkauf

Im Test: fünf gebrauchte Yachten für 40.000 Euro

Low Budget und dann noch investieren oder lieber teurer und dafür reisefertig? Wir haben fünf Yachten diesbezüglich getestet. Teil eins der Serie: der Innenraum

Alexander Worms, Karolina Meyer-Schilf am 12.05.2020
Vergleichstest 40tsd Gruppe Lelystad 2019 BSc_IMG_6664
YACHT/B. Scheurer

Eine kleine Lebensversicherung, ein Erbe, eifriges Sparen oder die Auszahlung der vermögenswirksamen Leistungen plus Verkauf des eigenen Schiffs – 40 000 Euro sind nicht unerreichbar viel.

Natürlich will der enthusiastische Segler das Ersparte gleich in ein neues Schiff investieren. Doch wie bekommt man da den besten Deal fürs Geld?

Eignergemeinschaft

Wenn man sich dem Thema Gebraucht­bootkauf nicht von der Bootsseite, also fest­gelegt auf ein bestimmtes Modell, sondern von der Budgetseite her nähert, nehmen die Möglichkeiten im Quadrat zu. Sehr weit ge­dacht wäre das Investment in einer Eigner­gemeinschaft möglich – aus 40.000 würden 80.000 Euro, wenn zwei Parteien sich die Kosten teilen. Dafür sind dann schon durch­aus große Schiffe erhältlich. Warum nicht? Wie das funktioniert und worauf die Eigner achten sollten, haben wir bereits in YACHT 19/2019 thematisiert.

Jolle, Trailer, Wohnmobil

Eine weitere Möglichkeit wäre die Kom­bination von kleinerem Schiff wie einem Po­lyvalken oder einer gebrauchten Varianta 18 mit einem Trailer und einem Wohnmobil. Das erschließt neue Reviere und bringt Flexibilität in die Urlaubsplanung. Allerdings ist das kein echtes Yachtsegeln. Wenn dies angestrebt, muss ein adä­quater schwimmender Untersatz her. Und am Begriff "adäquat" scheiden sich die Geis­ter. Für den einen soll es möglichst groß sein, dann eben auch älter und womöglich nicht in Bestzustand. Basteln, auch während des Ur­laubs, gehört zum Bootsvergnügen. Der andere mag es lieber neuer, mit funktionierender Technik und zuverlässigem Antrieb. Dafür werden Abstriche in der Größe gemacht. 

Alt oder richtig alt?

Was bleibt, ist die Frage nach dem richti­gen Kaufzeitpunkt. Ein Beispiel: Die älteren Winner 9.50 haben einkreisgekühlte Moto­ren, die neueren fahren mit zwei Kühlkrei­sen; letztere haben erwartungsgemäß eine längere Lebensdauer. Wenn aber ein älteres, gut gepflegtes Modell gefällt und einige Tau­send Euro günstiger ist, kann die alte Maschine auch von Vorteil sein. Beim Kauf­preis sparen, das Geld zurücklegen, den ollen Motor fahren, bis er aufgibt, und dann einen neuen einbauen – so hat man seitens des Antriebs lange Zeit Ruhe.

Ein älteres Boot, bei dem die ursprüng­lich verbaute Elektronik bereits ersetzt wur­de, kann das bessere Angebot sein, vergli­chen mit einem neueren Modell mit zwar noch funktionierenden, aber doch in die Jah­re gekommenen Komponenten. Denn ihr Austausch steht unweigerlich irgend­wann an. Kauft man nun das neuere und teu­rere Schiff, zahlt man die Elektronik quasi zweimal – einmal, weil beim Kauf noch funk­tionsfähig, und das zweite Mal, wenn sie ersetzt werden muss. Das zeigt: Nicht immer ist neu automatisch besser.

K.-o.-Kriterium Segelgarderobe?

Ein weiteres Beispiel: Wer gern sportlich unterwegs ist, mag gute Segel. Ein Schiff mit ausgewehten Tüchern kann dann genau das richtige sein: wen man den Preis entsprechend herun­terhandelt und in eine neue Garderobe nach eigenen Vorstellungen investiert. Das ist oftmals die bessere Alternative im Ver­gleich zu halb guten Tüchern, die noch ei­nige Jahre halten müssen, weil der persön­liche Kostenrahmen ausgeschöpft ist.

Budget nicht ganz rausreizen

Gebrauchtbootkäufer sind im Übrigen immer gut beraten, wenn sie das eigene Budget nicht vollends aus­reizen; irgendetwas geht immer kaputt. Die Boote haben oft längere Zeit gelegen. Da sind Akkus schnell mal defekt, oder die Hei­zung springt nicht mehr an. Oder eine Rei­nigung des Tanks ist fällig, weil sich die Die­selpest eingenistet hat. Gerade am Anfang scheinen gebrauchte Boote den neuen Eig­ner zuweilen testen zu wollen, ob er es auch wirklich ernst meint. Darauf sollte man finanziell vorbereitet sein.

Aber es gibt auch Dinge, die Eigner selbst richten können, wie Gelcoatschäden oder eine defekte Winsch. Andere Aufgaben wer­den die meisten Segler jedoch Profis über­lassen müssen, wie etwa Arbeiten am An­trieb, neue Segel oder die Anfertigung von Sprayhood und Kuchenbude. Auch das The­ma stehendes Gut fällt darunter, kaum einer wird das selbst pressen können.

Substanz vs. Kosmetik

Wer also für die unverändert gute Substanz des Schiffs zahlt, ohne zu viel aus­zugeben für Peripherie, die ohnehin eines Tages ersetzt werden muss, macht’s richtig. Wer Zeit und Geld dafür hat, kauft ein substantiell gutes Schiff, das jedoch schon einen etwas verwit­terten Eindruck macht. Die zu tauschenden Teile werden dann erneuert, ein wenig Ei­genleistung kommt dazu, und man hat eine so gut wie neue Yacht zu einem fairen Preis.

Hier stellen wir Kandidaten im Bereich um 40.000 Euro vor. Es handelt sich dabei um fünf recht unterschiedliche Boote, um das Spektrum des Möglichen im Ansatz abzubil­den. Vielleicht ist ja das passende Schiff für Sie dabei. Im ersten Teil geht es um den Innenraum.

Das Raumschiff: die Bavaria 30

Seit 2006 lief die getestete Cruiser 30 im Charterbetrieb, im Schnitt 20 Wochen pro Jahr. Da erwartet der Tester ein, gelinde gesagt, abgelebtes Interieur. Aber das ist es nicht. Gut, die Niedergangstreppe hat gelitten, aber das ist eine Frage von ein paar Stunden mit Exzenterschleifer, Lack und Pinsel.

Das oftmals als zu dünn verrufene Furnier auf den Holzteilen hat sich perfekt gehalten, kaum Kratzer oder gar Löcher sind zu sehen. Auch der Fußboden ist in gutem Zustand, hier zeigen sich oft zuerst unschöne Gebrauchsspuren. Ein einfaches Leben hatte die Bavaria jedoch sicher nicht, was man im nächsten Teil am arg ramponierten Deckslayout sehen wird.

Ergonomisch leistet sich die Fränkin nahezu keine Schwächen. Alle Kojen sind lang und breit genug auf Höhe der Matratze. Wohl aufgrund des hohen Freibords läuft auf beiden Seiten des Schiffs ein Stringer zur Stabilisierung von vorn nach achtern. Den merkt man meistens nicht; im Vorschiff ist er beidseitig als Regalbrett getarnt. Leider raubt er jedoch auf Schulterhöhe eine Menge der ansonsten üppigen Breite von 1,75 Metern; am Ende bleiben zwischen den Ablagen nur rund 1,20 Meter übrig, das ist knapp.

Aber eine echte Navi findet Platz, auch Pantry und Nasszelle sind im Vergleich großzügig. Die Stehhöhen von um die 1,80 Meter sind ausreichend. Viel Schiff!

Die Unklare: Dehler 31 TOP

Modern ist nicht immer besser. Anfang der Neunziger bringt Dehler mit der TOP eine Weiterentwicklung der erfolgreichen Duette 94, die später Dehler 31 heißt. Die Pinne wird auf Wunsch durch ein Rad ersetzt, und unter Deck beherrschen weiße Oberflächen das Bild.

Tiefziehteile aus ABS stehen hoch im Kurs bei Dehler. Sie sind günstig zu fertigen und relativ leicht. Die verwendet die Werft auf dem Boden und an der Decke, dazu kommen schneeweiße Oberflächen in Pantry und Navi. Den Salon will man schiffig gemütlich halten und spendiert Mahagoni-Furniere. Das Resultat: ein wilder Mix, der aus heutiger Sicht sehr unruhig wirkt.

Weniger üppige Außenmaße im Vergleich zur Bavaria sorgen für beengte Raumverhältnisse. So kann man weder vorn noch achtern aufrecht auf der Koje sitzen, etwa um sich anzuziehen. Die Deckenverkleidung achtern, eine Art Samtersatz, hat im Laufe der Zeit viel Schmutz aufgenommen, das ist unschön. Im Vorschiff läuft die Koje bis vorn zu. Die 2,30 Meter Länge sind so nicht nutzbar. 

Die Stehhöhe im Salon ist mit 1,83 Metern üblich, nimmt aber nach vorn hin ab. Völlig in Ordnung ist der WC- Raum. Die Stehhöhe in der Nasszelle beträgt 1,71 Meter. Gut nutzbar sind die Salonkojen, dank klappbarer Rückenpolster. Wenn es eine Dehler sein soll, lieber eine Duetta 94 suchen.

Die Handliche: Dufour 30

Vielleicht liegt es daran, dass die Dufour 30 die kleinste Kandidatin im Test war und daher so etwas wie Welpenschutz genoss – aber sie gefiel allen Testern auf Anhieb. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sie keine Fragen aufwirft; man geht an Bord und fühlt sich gleich angekommen.

Das Schiff ist klar strukturiert und sauber verarbeitet. Seltsame Lösungen sucht man vergebens. Alles wirkt sehr einfach, aber komplett, fast schon zu clean. Die Holzarbeiten sind sauber ausgeführt, die Ablagen im Salon haben allerdings keine Klappen oder Türen.

Staugut lässt sich unter den Salonbänken und achtern in der Kammer sowie in der Pantry unterbringen.

Man hat das Gefühl, dass Dufour eine echte Yacht auf neun Meter Länge bauen wollte, koste es, was es wolle. So wurde überall um Zentimeter gefeilscht. Der Salonboden wurde hinter der Kielstruktur einige Zentimeter nach unten gelegt, sodass dort wenigstens 1,78 Meter Innenhöhe möglich sind; andernorts ist es weniger. 

Die innere Koje achtern ist zu kurz, der Kopf liegt quasi auf dem Saildrive. Das ist schade, denn die Maschine hätte gut und gerne 15 Zentimeter nach vorn gekonnt, wodurch zwei gut nutzbare Kojen entstanden wären. Allzu groß darf man nicht sein für die Dufour. Wegen ihrer einfachen Zugänglichkeit ist sie jedoch ein perfektes Einsteigerboot, auch unter Segeln.

Die Vielseitige: Winner 9.50

Unter Deck auf der Winner fühlt man sich wohl, sie ist hell, geräumig und bietet gute Sitzgelegenheiten. Der Blick wandert über ordentlich verarbeitetes Holz. Das ist über der Tür zum Vorschiff am besten rund. Die ersten Modelle hatten dort eine rechtwinklige Öffnung; hier bildeten sich manchmal unter der Last des Riggs Risse, die Rundung leitet Kräfte besser ein.

Apropos einleiten: Den verzinkten Stahlrahmen sieht man nahezu nicht. Er ist unter einer dicken Schicht Topcoat verschwunden. Dennoch gilt es, sorgfältig auf Risse zu achten. Zeigt sich irgendwo eine Roststelle, unbedingt die Kielnaht von außen inspizieren. Ist sie intakt und die Roststelle weist keine Haarrisse auf, reicht es meist, den Rost aufzuschleifen und mit Zinklack zu versiegeln. Andernfalls sollte ein Gutachter zugezogen werden.

Das Besondere der Winner ist die offene Achterkammer. Sie schafft Raum an Bord, denn ein Schott samt Tür kann entfallen. Der Zugang zur Schlafstatt erfolgt über die Naviecke, sodass die Pantry größer werden konnte.

Die kleine Nasszelle liegt vorn, sie separiert den Salon vom Vorschiff – ideal für Familien mit Kindern, diese können abends vorn in Ruhe schlafen, während die Großen noch im Salon sitzen.

Dort wird auch einer der beiden Skipper schlafen wollen: 1,34 Meter Breite achtern reichen nicht für erholsamen Schlaf zu zweit.

Die Sportliche: X-342

Was so ein Meter Länge doch ausmacht. Denn obwohl die 342 eine eher sportliche Vertreterin ihrer Zunft ist, was üblicherweise nicht für Raumwunder unter Deck spricht, erfreut der Salon mit luftiger Anmutung.

Große Fenster helfen dabei natürlich, ebenso die helle Deckenverkleidung – aber auch 1,20 Meter mehr Länge als die Bavaria, bei gleicher Breite.

Die Extralänge investierte Konstrukteur Niels Jeppesen vor allem in die Kojen. Das ist an sich gut, nur hilft es nicht, wenn die Breite zum Bug hin so stark abnimmt, dass dort keine zwei Paar Füße hineinpassen.

Das ist in der Achterkoje besser, wenngleich auch sie sich auf gerade mal 93 Zentimeter Breite zusammenzieht.

Der durchgesteckte Mast sorgt für Feuchtigkeit in der Bilge, der kleine Sumpf ist also ein willkommenes Detail.

Gleiches gilt für den Ölzeugschrank hinter der Nasszelle, auch er lenzt in die Bilge. Dort liegt auch der Strongback, der die Kielbolzen aufnimmt. Bei ihm gilt es unbedingt zu prüfen, ob der Verbund zum Rumpf intakt ist und dass keine Rostspuren erkennbar sind.

Das Interieur zeigt sich in gutem Zustand, etwas Pflege hier und da, und alles passt wieder. Die Polster sind hin. Die Bezüge wie auch die Schaumstoffe gehören ausgemustert. Mit Ersatz wirkt die X gleich viel frischer – und ist eine spannende Yacht.

Fazit: Drinnen gut

Unter Deck gibt sich keines der Schiffe echte Blößen. Die Unterschiede sind jedoch durchaus sichtbar.

Betrachtet man lediglich das schiere Raumangebot im Inneren, gibt es einen klaren Gewinner: Die Bavaria 30 macht alles richtig. Kojenmaße, Stehhöhen, Helligkeit, Möglichkeiten zum Lüften – das alles ist spitze im Vergleich.

Minuspunkt bei ihr ist lediglich die unruhige Maserung der Holzoberflächen, insbesondere auf den Schapptüren. Aber das ist Geschmackssache.

Gleiches gilt für den bunten Mix auf der Dehler. Viele Eigner schätzen den hellen Bereich am Niedergang und freu­en sich über dunkles Mahagoni im Salon.

Die Winner ist heller, homogener. Sie ist die Einzige mit anderer Aufteilung: Nasszelle vorn, offene Achterkammer an Steuerbord. Das sorgt für Luft und Raum­gefühl, bietet aber kaum Privatsphäre.

Die Dufour ist quasi die Bavaria in Klein: alles etwas kürzer und niedriger, aber sonst ebenso schlüssig gelöst. Die X­342 spielt einen Meter mehr Rumpflänge aus; unter Deck passt alles. Die Qualität des Innenausbaus war bei allen Probanden erfreulich hoch.

Seite 1 / 6


Downloads


(für Print-Jahresabonnenten kostenlos)
Alexander Worms, Karolina Meyer-Schilf am 12.05.2020

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

    ANZEIGE

    Das könnte Sie auch interessieren

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online