DIE HOMEPAGE VON
BOBBY SCHENK
exclusiv bei

YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet



 Frage von E Samide

Lieber E Samide,

die Antwort auf Deine Frage ist leicht, im Prinzip jedenfalls. Selbstverständlich können alle Segelschiffe schneller als der Wind segeln. Theoretisch jedenfalls.

In der Praxis sieht es allerdings ganz anders aus:

Vor dem Wind kann kein Segelschiff schneller als der Wind segeln, weil der scheinbare Wind, also der, den wir an Bord spüren, immer die Differenz zwischen dem wahren, also dem tatsächlichen Wind und der Bootsgeschwindigkeit ist. Wir spüren das sehr gut, wenn wir abfallen und vor den Wind gehen. Dann haben wir plötzlich das Gefühl, der Wind habe nach gelassen. Wir ziehen die Pullover aus, und die Damen an Bord machen es sich in der Sonne auf dem Vorschiff bequem. Natürlich hat der Wind nicht nachgelassen, sondern wir spüren nur noch den Differenzwind, also bei einer Bootsgeschwindigkeit von 3 Konten und einer Windgeschwindigkeit von 7 Knoten das Lüftchen von vier Knoten. Blicken wir zum Verklicker, dann sehen wir ihn hin- und her kippen. Das deshalb, weil der "Bordwind" so schwach geworden ist.

Ein schwacher Wind schwankt der Stärke nach häufig erheblich. So kann es schon mal passieren, daß er für Sekunden schwächer wird als die verbleibende Bootsgeschwindigkeit. Dann zeigt der Verklicker plötzlich - meist nur kurzzeitig - nicht mehr in die Windrichtung, sondern nach vorne. Wir segeln schneller als der Wind, der Verklicker zeigt dies an. Das ist aber eher ein Kurionsum, und hat nichts mit Deiner Frage zu tun.

Schneller als der Wind kann ein Segelschiff nur mit einer Backstagsbriese segeln, besser gesagt, wenn der Wind achterlicher als querab und nicht genau achterlich kommt. Das ergibt sich aus dem Kräfteparallelogramm aus Wind- und Bootsgeschwindigkeit. In der Praxis gilt dies aber nur für Schiffe, die über ein entsprechendes Geschwindigkeitspotential verfügen. Und da gehören behäbige Fahrtenyachten, wie alle Verdränger, bestimmt nicht dazu. Bei einer Jolle gilt dies allerhöchstens im Gleitzustand. Aber auch das wird in der Praxis kaum vorkommen. Ins Gleiten kommt so ein Ding doch frühestens bei vier bis fünf Windstärken, also bei runden 20 Knoten Wind. Aber die 20 Knoten sind bei keiner normalen Jolle an Bootsgeschwindigkeit drin.

Anders ist dies bei schnellen Katamaranen, wie zum Beispiel dem Tornado. Der segelt leicht schneller als der Wind, aber wiederum nicht, logisch - siehe oben, platt vor dem Wind. Deshalb rentiert es sich mit einem Tornado, vor dem Wind(!) zu kreuzen, also nicht platt vor dem Wind zu segeln.

Alle High-Speed-Rekorde, sei es mit gigantischen Sonderkonstruktionen oder mit dem Surfbrett werden ebenfalls nicht vor dem Wind, sondern mit raumen Wind gesegelt, weil sie dort schneller als der Wind segeln können.

Bobby Schenk

zurück zur Frageseite

zur Home-Page

mailto:mail@bobbyschenk.de
URL of this Page is: http://www.yacht.de/schenk/frage018.html

Impressum und Datenschutzerklärung