Urteil

Skipper der "Amicitia" freigesprochen

Nach dem Mastbruch – drei Menschen starben dabei – forderte die Staatsanwaltschaft eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung. Jetzt ist ein Urteil ergangen

Alexander Worms am 12.12.2018
Mastbruch
picture alliance/dpa/Catrinus Van Der Veen

Nachdem im August 2016 auf der "Amicitia" der Mast gebrochen war, hatten drei Menschen ihr Leben verloren. Jetzt ist die Verhandlung vor dem Gericht zum Abschluss gekommen. Die Richter sehen die Schuld nicht beim Schiffsführer. Der hatte zwar den Prüfern, die den Zustand des Mastes beurteilen müssen, durchgeführte Reparaturen am Rundholz verschwiegen und zudem die Arbeiten während einer Lackierung nur ungenügend überwacht – für eine Verurteilung reiche das jedoch nicht aus, so das Gericht.

Der Mast war gebrochen, nachdem sich hinter einer Blechplatte, die dem Schutz des Mastes vor dem Druck der Gaffelklau dient, Wasser ansammeln konnte. Dieses stehende Wasser verursachte die Durchrottung des Mastes binnen weniger Jahre. Der Bruch hinter dieser Abdeckung war eine logische Konsequenz.

Grafik Einwasserung

Deutlich zu sehen: Wasser dringt ein und kann hinter der Manschette nicht wieder abfließen

Die Untersuchung des Vorfalls durch diverse Stellen kam zu dem Schluss, dass die erforderlichen Abnahmen an Traditionsschiffen aufgrund von im finanziellen Wettbewerb stehenden Prüfinstanzen mitunter zu lax durchgeführt wird. So wurde der Testintervall des Mastes von den Prüfern auf der "Amicitia" eigenmächtig verlängert. Laut Vorschrift wäre eine erneute Prüfung bereits fällig gewesen, das Prüfprotokoll wies jedoch aus, dass eine erneute Überprüfung erst noch anstand. 

Mastbruch

Offenbar Pfusch an der Mast-Manschette: wohl unfachmännisch eingesetzter Spund (helle Fläche)

Die Untersuchungsinstanzen wiesen zudem auf fehlende Wartungspläne auf den Schiffen hin. Dies alles, so die Staatsanwaltschaft, hätte der Schiffsführer erkennen und entsprechend handeln können. Da er das nicht tat, sieht man die Schuld beim Skipper, der auch der Eigner der "Amicitia" ist. Daher forderte die Staatsanwaltschaft 200 Sozialstunden und drei Monate Haft auf Bewährung.

Die Richter sind jedoch der Ansicht, dass auch bessere Überwachung und sorgfältigere Überprüfungen durch den Schiffsführer das Unglück nicht verhindert hätten. Daher war der Freispruch die logische Konsequenz.

Alexander Worms am 12.12.2018

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