Umweltschutz

Niederlande kontrollieren Antifouling auch im Wasser

Bislang war nur die Verarbeitung nicht NL-zugelassener Anstriche mit einer Strafe bewehrt. Das soll sich in der kommenden Saison ändern

Alexander Worms am 10.02.2020
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YACHT/N. Günter

Nicht nur beim Auftragen des falschen Antifoulings können künftig Bußgelder ausgesprochen werden

Die bisherige Regelung, dass nur Anstriche mit einer niederländischen Prüfnummer aufgebracht werden dürfen, wurde oft umgangen. Nutzer haben Kupferpulver nachträglich untergerührt oder alte Eimer mit Prüfnummer im nächsten Jahr mit einem oftmals wirksameren und günstigeren Anstrich aus Deutschland aufgefüllt. Beides ließ sich bei Kontrollen während des Streichens nicht nachweisen und wurde insofern auch nicht mit dem ansonsten drohenden Bußgeld bestraft.

„Das konnte natürlich nicht so bleiben", sagt Manon van Meer von Varen doe je samen, einer Vereinigung von Organisationen, die die Sicherheit auf dem Wasser erhöhen will. „Schließlich haben viele, besonders deutsche, Wassersportler angegeben, dass sauberes Wasser einer der Hauptgründe sind, warum sie Urlaub in den Niederlanden verbringen. Das gilt im Besonderen für die Provinz Friesland, die treibende Kraft hinter der neuen Regelung ist", so van Meer weiter.

„Es gibt ein Gerät, das auch bei Booten, die im Wasser liegen, angeben kann, ob das Antifouling zugelassen ist", behauptet van Meer. Nähere Angaben zur Methodik wollte die Vertreterin von Varen doe je samen nicht über das ominöse Gerät machen. Wahrscheinlich misst es den Kupfergehalt der Oberfläche. Ist der höher als die derzeit erlaubten 12 Prozent, wird davon ausgegangen, dass das Antifouling keine Zulassung in den Niederlanden hat. Dann muss der Anstrich entfernt werden, und es werden 2500 Euro Bußgeld fällig.

Die Regelung gilt für alle Schiffe, die ihren Heimathafen in den Niederlanden haben, also auch für solche unter deutscher Flagge. Der Bitte, doch die rechtlichen Grundlagen für das neuerliche Vorgehen zu präsentieren, wurde bislang nicht nachgekommen. Allerdings dreht sich die Frage um den Begriff „Gebruik" – das könnte man mit Gebrauch oder Verwendung übersetzen. Bislang wurde „Gebruik" als Vorgang des Aufbringens, also dem Streichen, angesehen. Weil das aber nicht die gewünschten Effekte brachte, wird der Begriff nun offenbar einfach weiter gefasst und auf die Nutzung im Wasser ausgedehnt. Somit sind auch Kontrollen im Wasser möglich. 

AF blättert ab

Wenn das Antifouling ohnehin erneuert werden muss, warum dann nicht auf ein biozidfreies Produkt wechseln?

„Die Regierung strebt eine Lösung mit völlig biozidfreien Antifoulings an. Das wird in wenigen Jahren so kommen, da bin ich mir sicher", gibt sich van Meer überzeugt. Um die Wirksamkeit dieser Produkte zu zeigen, hat man an verschiedenen Orten in den Niederlanden Tests verschiedener Systeme durchgeführt. Deren Ergebnisse sollen Ende Februar veröffentlicht werden. Wer also neues Antifouling aufbringen will, sollte die Tests abwarten und eventuell bereits auf eine wirksame Alternative umsteigen. Das erspart unter Umständen eine Menge Ärger.

Die Niederlande eilen mal wieder dem Rest Europas voraus. Deutsche Wassersportler werden jedoch mit dem Thema Wasserqualität bereits eine ganze Weile konfrontiert. So werden etwa auch die Regeln zum Einleiten von WC-Abwässern immer engmaschiger. Was auf den ersten Blick wie Schikane wirkt, ist in Wahrheit wohl eher der Versuch, die Gewässer zu schützen, damit wir auch weiterhin in den Niederlanden unbesorgt Wassersport betreiben können. Dazu wäre es allerdings ebenso wichtig, andere gewässergefährdende Industrien wie Frachtschifffahrt und Landwirtschaft anzugehen. Bestrebungen dahingehend sind bislang weitestgehend erfolgreich von diversen Lobbys verhindert worden. „Aber auch das wird kommen!", beruhigt van Meer.

Alexander Worms am 10.02.2020

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