Chartermarkt

Was wird aus Thinius Charter?

Die Unternehmensgruppe steckt in ernsten wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Inhaber Andreas Kühn schweigt zur angekündigten Restrukturierung

Andreas Fritsch am 07.11.2016
Thinius

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Gegenüber YACHT online hatte Thinius-Geschäftsführer Andreas Kühn vor zwei Wochen erklärt, mithilfe eines Beraters seine in finanzielle Schieflage geratenen Firmen sanieren zu wollen. Wie das geschehen sollte, war zum damaligen Zeitpunkt noch offen – und ist es bis heute. Trotz wiederholter Aufforderung blieb Kühn das von ihm selbst angekündigte Restrukturierungskonzept schuldig. Zuletzt antwortete er auf Telefonate und E-Mails überhaupt nicht mehr.

Thinius

Bekanntmachung der Zwangsversteigerung an einem Thinius-Boot in Lemmer

Tatsächlich scheinen sich die Probleme noch zu verschärfen. Am vergangenen Wochenende tauchte an drei Schiffen, die noch an Land der Thinius-Basis in Lemmer stehen, die öffentliche Ankündigung für einen Zwangsversteigerungs-Termin am 6. Dezember auf. Mittlerweile sollen die Plätze, die Thinius in der dortigen Marina für seine Flotte gemietet hatte, von einer konkurrierenden Charterfirma genutzt werden.

Auch die Zahlungsschwierigkeiten, die Kühn selbst eingeräumt hatte, bestehen offenbar unverändert fort. Entgegen der Aussage des Thinius-Chefs gegenüber der YACHT, er wolle sich möglichst bald um die Entschädigung betroffener Kunden kümmern, kam Ende Oktober erneut ein Charterskipper zu Schaden.

Wie in vorangegangenen Fällen, deren Details der YACHT vorliegen, behielt Kühn die Anzahlung für einen Törn auf Mallorca ein, obwohl er kein Boot zur Verfügung stellen konnte. Eine Rückerstattung des Geldes erfolgte bislang nicht. Auch unterließ er es, den Kunden rechtzeitig von der Situation in Kenntnis zu setzen – obwohl dieser mehrfach nachgefragt hatte. Erst einen Tag vor Abflug, am 28. Oktober, informierte ihn Kühn in wenigen, kurzen Sätzen darüber, dass er nicht in der Lage sei, ein Schiff zu vermitteln. "Es tut mir leid, eine Vercharterung ist unmöglich", schrieb er, und dass er, Kühn, "mit den Konsequenzen leben" müsse. Auf die Möglichkeit einer Rücküberweisung der geleisteten Anzahlung ging er nicht einmal ein.

Unterdessen meldeten sich nach der Veröffentlichung der YACHT über die Probleme bei Thinius weitere betroffene Kunden, deren Anzahlungen Andreas Kühn nach ihrer Darstellung ebenfalls nicht ordnungsgemäß weitergeleitet hatte. Das stünde im Widerspruch zu Kühns Behauptung gegenüber der Redaktion, es handele sich lediglich um wenige Fälle, in denen es diese Probleme gebe. Insgesamt könnte der Schaden in die Zehntausende gehen.

Kühn selbst hatte sich in einer E-Mail an einen Schuldner selbst vor kurzem als "insolvent" erklärt. Als YACHT online diese Einlassung veröffentlichte, revidierte er seine Aussage allerdings und sprach stattdessen lediglich von vorübergehenden "Zahlungsschwierigkeiten". Ob seine Unternehmensgruppe zu retten ist, erscheint nach den jüngsten Vorkommnissen jedoch fraglicher denn je. 

Andreas Fritsch am 07.11.2016

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