Türkei
Verwirrung um neue Versicherung

In der Türkei soll am 15. Oktober eine vereinheitliche Versicherung für kommerziell genutzte Yachten in Kraft treten. Die Details

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 03.09.2014

Yacht / A. Fritsch Segeln im Gökova-Golf 

Die Regelung wurde im türkischen Gesetzesblatt bereits veröffentlicht und soll am 15. Oktober in Kraft treten. Ab diesem Zeitpunkt sollen alle kommerziell genutzten Schiffe – und wohl auch erstmals solche unter ausländischer Flagge – Versicherungen nachweisen, die dem internationalen Standard der sogenannten P+I-Club-Versicherung entsprechen. Dabei handelt es sich um ein Rahmenwerk aus der Großschifffahrt, das sehr große Haftungsrisiken von Versicherungen decken soll, etwa durch Umweltschäden oder Personenschäden, die manche normale Verträge nicht abdecken. Für diesen Zweck haben einige Versicherer Geld in einen Pool eingezahlt und schütten es in solchen Extremfällen aus.

Da dieser Standard aber bislang von keinem Yacht-Versicherer in Europa umgesetzt worden ist, hat das zuständige Ministerium in Ankara nun eine Liste von Versicherungen veröffentlicht, in der keine der gängigen Anbieter aufgeführt ist. Das sorgte bei einigen Eignern vor Ort für Irritation, glaubten sie doch, nun eine Art "Einheits-Versicherung" abschließen zu müssen. Doch tatsächlich sind privat genutzte Schiffe von der Regelung ausgenommen, es geht nur um Charteryachten.

Die großen deutschen Versicherungsmakler wissen um das Problem und arbeiten an einer Lösung. "Wir haben den zuständigen Behörden mitgeteilt, dass wir die Regelung über die P+I-Club-Versicherung für maßlos übertrieben halten. Kein einziges europäisches Land hat vergleichbar hohe Auflagen", sagt etwa Dr. Friedrich Schöchl von Yacht-Pool in München zum Vorgang. Das Risiko für solche Extremschäden läge bei Sportbooten quasi bei null. "Wir gehen davon aus, dass die türkische Regierung den Passus im Zuge einer Harmonisierung ihres Rechtes mit EU-Gesetzen angepasst hat und die Auswirkungen nicht in vollem Umfang abgeschätzt hat." Der Münchner nimmt an, dass es für Yachten noch einen vereinfachten Lösungsweg oder Ausnahmen geben wird.

Bei Pantaenius arbeitet man ebenfalls an dem Problem: "Wir werden bis zur Frist am 15. Oktober für unsere Kunden eine Lösung finden. Wie die genau aussehen wird, ist zurzeit aber noch nicht klar", so Holger Flindt von Pantaenius gegenüber YACHT online. Es gebe aber natürlich türkische Versicherungsanbieter, mit denen man zusammenarbeiten könnte.

Dr. Yusuf Civelekoglu, mit seiner Firma Marine Solutions Brancheninsider und Türkei-Repräsentant der Kreuzerabteilung, schätzt den Vorgang so ein: "Die Verordnung ist schon lange geplant und auch angekündigt worden, die Umsetzung wurde jedoch mehrfach durch Fristverlängerungen verschoben", weiß er infolge seiner guten Kontakte zur Seehandelskammer der Türkei. "Die Zielrichtung der Verordnung scheint mir aber mehr die Passagierschifffahrt zu sein.  Es gibt viele Ausflugs- und Fährschiffe, vor allem lokale Holzschiffe, die viele Passagiere befördern. Dort macht eine angemessen hohe Abdeckung Sinn."  Er hält es auch für möglich, dass die Frist erneut verschoben wird. Es sei also durchaus denkbar, dass der Gesetzgeber der Branche und den Versicherern den Winter für eine Lösung der Frage einräumt. Die könnte auch so aussehen, dass die Versicherer sich die Deckung von P+I-Club-Assekuranzen gegen Zahlung von Beiträgen sichern lassen müssen. Aus der Megayacht-Branche ist dies durchaus geläufige Praxis.

Zurzeit gibt es also keine befriedigende Antwort für die Eigner von Charterschiffen, die nun abwarten müssen, wie Behörden und Versicherer das Problem lösen. Ein deutliches Murren ist in der Branche aber durchaus zu spüren, hie und da fällt hinter vorgehaltener Hand das Schlagwort "Protektionismus" des eigenen türkischen Marktes. Die meisten Versicherer ließen aber durchblicken, dass kein Eigner seine Police kündigen müsse, man werde die Verträge anpassen, hohe Kosten seien nicht zu erwarten.


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Themen: P+I ClubRegelungTürkeiVersicherung

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