Türkei
Umweltauflagen flächendeckend

Die "Blue Card" wird bis Ende 2014 verbindlich an der ganzen Küste eingeführt, Verstöße können mit hohen Bußgeldern belegt werden

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 08.11.2013

A.Fritsch/YACHT Yacht am Ankerplatz im Gökova-Golf

Überraschend hat die türkische Regierung angekündigt, bis Ende 2014, nach einer zweijährigen Testphase in der Region Mugla, nun verbindlich die Fäkalientank-Entsorgung im ganzen Land zu regeln. Dann muss jede Yacht die "Blue Card" an Bord haben, eine elektronische Karte, auf der die regelmäßige Absaugung der Fäkalientanks dokumentiert wird. Sollte eine Yacht ohne Blue Card unterwegs sein, drohen Bußgelder von bis zu 5.000 US-Dollar. Bislang gilt schon, dass, wenn keine oder zu wenige Absaugungen registriert sind, die Hafenbehörde die Ausstellung eines neuen Transitlogs verweigern kann. Das wäre besonders für Charterfirmen ein Alptraum-Szenario. Dann stünde die Anschluss-Crew nach einer Charter ohne Boot da, da jede Crew ein eigenes Transitlog braucht.

Die Vorschrift kommt zu einem erstaunlichem Zeitpunkt, denn auch in dieser Saison erwies sich das Blue-Card-System als noch nicht praxistauglich. Es gibt an der Küste schlicht zu wenig Absaugstationen, um eine flächendeckende Umsetzung zu garantieren. Da in der Türkei viel geankert wird, müssten die Crews weite Umwege fahren, um die Tanks alle zwei, drei Tage leeren zu lassen – viel länger reichen die Tank-Kapazitäten der Schiffe kaum aus. Darüber hinaus verbietet die neue Regelung eigentlich auch das Einleiten von Küchen- und Sanitärabwässern, was bislang auf Yachten wegen fehlender Grauwasser-Tanks unumgänglich ist.

Zwar verhängten die Behörden in diesem Jahr noch keine Bußgelder, doch kontrolliert wurde stichprobenartig. In der Praxis stellen Marinas schlicht einen Entsorgungsnachweis gegen Gebühr aus, egal ob abgesaugt wurde oder nicht.

Im eigentlich sehr lobenswerten Bemühen, die steigende Umweltbelastung an der türkische Küste zu reduzieren, scheinen die Behörden sich in eine Sackgasse zu begeben. Machbare Lösungsvorschläge gibt es, etwa verankerte Entsorgungsplattformen an strategisch wichtigen Punkten, die größere Tanks haben und regelmäßig geleert werden. Oder Entsorgungsboote, die durch die Buchten touren und in der Vergangenheit auch schon probehalber unterwegs waren. Doch solche Lösungen kosten viel Geld.

Doch das eigentliche Problem, nämlich des Einleitens der chemisch belasteten Abwässer der Duschen und Küchen Herr zu werden, würde auch das nicht lösen.


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Themen: AnkernBlue CardBuchtenflächendeckendTürkei

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