Häfen
Steuerentlastung für Italiens Marinas

Die Regierung kürzt den Mehrwertsteuersatz für Yachthäfen von 22 auf gerade mal 10 Prozent. Eigner müssen aber noch geduldig sein

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 09.09.2014

YACHT/A. Fritsch/Hafenbetreiber

Fast zehn Jahre lang dauerte der Kampf der gebeutelten italienischen Marinabranche für diese – aus ihrer Sicht – überfällige Entlastung. "Wir argumentieren seit langem, dass die Häfen, genau wie die Hotel- und Campingplätze, Besucher ins Land bringen und es als Aufgabe haben, Übernachtungen zu ermöglichen", so Roberto Perocchio, Chairman des italienischen Assomarinas-Verbandes. "Diese Gleichstellung haben in diesem Frühjahr erstmals die regionalen Regierungen von Friaul-Venedig und Emilia Romagna akzeptiert. Und nun ist die Zentralregierung in Rom dem gefolgt", erklärt er. In Italien genießt das Hotelgewerbe schon lange einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von 10 Prozent. Der solle nun auch für die Marina-Betreiber gelten. Das dies ab sofort zu günstigeren Liegeplatzkosten führen dürfte, ist jedoch unwahrscheinlich, da es noch einige bürokratische Hürden zu nehmen gilt, wie Perocchio erklärt:

A.Fritsch/Yacht Assomarinas-Chairman Roberto Perocchio

"Die Verordnung ist Teil eines Not-Programms der Regierung für die Wirtschaft und zunächst noch auf das Jahr 2014 beschränkt. Doch es muss nun in maximal 60 Tagen vom Parlament ratifiziert werden, und im Zuge dessen sind weitere Änderungen möglich. Wir sind optimistisch, dass die Änderung auch für die nächsten Jahre festgeschrieben wird." Die Marina-Betreiber dürften vermutlich so lange warten und die Steuersenkung noch nicht an die Kunden weitergeben, da sie im Falle einer Änderung des Prozentsatzes oder der Fristen durch das Parlament eventuelle Nachforderungen des Staates zu befürchten hätten.

Doch gelingt die Umsetzung so wie geplant, könnten sich Tages- und auch Dauerlieger 2015 auf eine um 12 Prozent reduzierte Steuerlast freuen. Liegeplatzinhaber sollten also genau schauen, ob die Betreiber den Preis nächstes Jahr erhöhen oder welcher Prozentsatz kassiert wird. In Friaul-Venedig und Emilia Romagna könnte die Änderung wegen der regionalen Sonderlösung dagegen schon jetzt greifen.

Der Assomarinas-Verband schätzt, dass die letztlich verbindliche landesweite Umsetzung in nationale Vorschriften nicht vor Ende des Jahres erfolgt. Man zeigte sich aber zufrieden damit, dass die Regierung nach den herben Verlusten der Branche durch die zeitweilige Besteuerung von Privatyachten (rund 40.000 Schiffe sollen das Land verlassen haben) nun endlich den Betreibern der Häfen entgegenkommt.

Zurzeit scheint sich in Italien außerdem eine leichte Erholung des Wassersportmarktes abzuzeichnen: 2014 kamen bislang etwas mehr Yachten in die Marinas, und auch der Gebrauchtboothandel zog bislang um rund drei bis vier Prozent an. Allerdings war der Markt in den letzten Jahren auch um rund 30 Prozent eingebrochen.


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Themen: AssomarinasItalienMarinasMehrwertsteuersatz ItalienPerocchioSteuersenkung

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