Chartermarkt

Reisewarnung für Mallorca trifft Charterbranche hart

Die etwas überraschende Entscheidung des RKI, auch die Balearen auf die Liste der Risikogebiete zu setzen, bringt viele Kunden in eine schwierige Lage

Andreas Fritsch am 17.08.2020
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Johannes Erdmann

Da auch auf Mallorca die Infektionszahlen zuletzt die vom RKI festgesetzte Schwelle von 50 Infektionen pro Woche und je 100.000 Einwohnern überschritten hatte, wurden neben dem spanischen Festland auch die gesamten Balearen als Risikogebiet eingestuft. Und das, obwohl der Schwerpunkt ganz eindeutig auf Mallorca liegt. Für deutsche Chartergäste bedeutet das nun, dass sie bei der Rückkehr nach Deutschland entweder einen Corona-Test bei Einreise absolvieren müssen oder direkt in 14-tägige Qurantäne gehen.

Diese Entwicklung trifft die Charterbranche schwer, hatte sich nach dem desaströsen Saisonstart durch den Lockdown doch eine durchaus gute Buchungslage für August bis Anfang September ergeben, die den Flottenbetreibern vor Ort Hoffnung machte. "Für uns ist das eine Katastrophe", sagt etwa Dirk Kadach von 1. Klasse Yachten, die in Can Pastilla eine Basis betreiben. "Nach den Lockerungen kam das Geschäft gut in Gang, wir hatten für die nächsten zehn Wochen die Yachten praktisch voll ausgelastet." Nun hagelt es Stornos, wie auch andere Flottenbetreiber vor Ort auf Anfrage der YACHT bestätigen.

Das große Problem ist nun der Umgang mit diesen Stornos, wie schon zu Beginn der Corona-Krise: Die Buchungen fallen nicht unter das Pauschal-Reiserecht, die Reisewarnung bedeutet also kein automatisches Recht auf kostenlose Erstattung – denn Yachtcharter findet in den meisten Fällen unter dem deutlich kundenunfreundlicheren Miet-Recht statt. 

Bei 1. Klasse Yachten versucht man die Flucht nach vorn: "Wir bieten den Kunden, so weit es durch die Buchungslage möglich ist, an, auf Kroatien oder die Ostsee umzubuchen oder den Törn ins Jahr 2021 zu verschieben", so Dirk Kadach. Andere Anbieter, die namentlich nicht genannt werden wollen, sind da angesichts der schwierigen Lage weniger kompromissbereit. Da "nur" eine Reisewarnung gelte, aber kein Lockdown vor Ort, bestehen sie darauf, dass die Kunden segeln oder sonst die Stornokosten nach dem Chartervertrag tragen müssen. So kurz vor dem Törn sind das erfahrungsgemäß oft 100 Prozent. Denn Fakt ist: Man kann ja vor Ort ohne Einschränkungen segeln, muss eben nur bei der Rückkehr die Test- oder Quarantänepflicht akzeptieren.

Schwieriger ist es natürlich, wenn der Kunde auch reisen will, aber die Airline die Flüge cancelt. Zwar hat die Lufthansa bereits angekündigt, weiter Mallorca anzufliegen, ob das so bleibt, wenn die Nachfrage ausbleibt, bleibt abzuwarten. 

Kunden, die in diesem Jahr noch eine Charter ab Mallorca gebucht haben, bleibt nun nichts anderes, als mit ihrem Flottenbetreiber Kontakt aufzunehmen und eine Lösung zu diskutieren – oder eben zu fliegen und sich mit dem Corona-Test bei Rückkehr zu arrangieren.  

Andreas Fritsch am 17.08.2020

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