Charter
Probleme bei Global Yachting

Die Münchner Charteragentur hat Kundengelder nicht weitergeleitet, Inhaber Dimitrios Chrimpakis spricht von vorübergehendem Engpass

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 26.09.2014

Global yachting Global Yachtings Firmenlogo

Dem deutschen Kunden – einem Segelclub, der Ausbildungsfahrten auf zwei Charteryachten veranstalten wollte – passierte der Albtraum jedes Charterseglers: Etwa 12 Tage vor Antritt des seit einem halben Jahr gebuchten und komplett bezahlten Chartertörns kontaktierten die Segler die Basis, um zu fragen, ob es möglich sei, das eigene Auto für die Törndauer vor Ort sicher zu parken.

Dabei stellte sich heraus, dass für sie gar keine Yacht gebucht war. Der kroatische Vercharterer erklärte, dass die Agentur Global Yachting zwar zwei Schiffe gebucht hatte, doch nachdem die notwendigen Anzahlungen nicht eingingen, habe man die Buchung vor Monaten storniert. Wiederholt sei es mit Global Yachting zu solchen Problemen gekommen.

Beim sofortigen Kontakt des Charterskippers mit dem Geschäftsführer von Global Yachting, Dimitrios Chrimpakis, räumte dieser den Vorgang ein und versprach sofortige Auszahlung der Chartergebühr auf das Konto der Crew bis zu einer vereinbarten Frist am nächsten Tag. Die Kopie eines vermeintlichen Überweisungsbeleges wurde dem Kunden auch umgehend zugemailt. Doch nachdem kein Geld eingegangen war, erstattete der Vorstand des Vereins Strafanzeige gegen den Geschäftsführer beim zuständigen Amtsgericht in München.

Auf Anfrage der YACHT erklärte Dimitrios Chrimpakis den Vorgang telefonisch so: "Es gab einen Liquiditäts-Engpass, da wir zurzeit die Olympic Marina in Lavrion übernehmen und dort einen Charterstützpunkt aufbauen. Doch dieses Problem ist nun gelöst, und wir zahlen die Gelder umgehend an den Kunden zurück."
Zudem hätte man mit dem kroatischen Flottenbetreiber in der Vergangenheit Probleme gehabt, deshalb sei das Geld nicht sofort weitergeleitet worden. Doch über eine Woche, nachdem die Crew auf die Verfehlung der Agentur aufmerksam geworden ist, wartet sie noch immer auf die Rückzahlung ihres Geldes.

Zumindest hat die Crew für ihre geleisteten Zahlungen einen Sicherungsschein von Yacht-Pool. Sollte es aber nicht gelingen, umgehend Ersatzyachten zu bekommen, drohte zumindest der Verlust der bezahlten Flüge.
Auf Rückfrage bei Yacht-Pool erklärte die Münchner Firma, dass man an Global Yachting seit Anfang 2014 keine Sicherungsscheine mehr ausgebe. Auch bei ihnen haben sich bereits vier weitere Kunden von Global Yachting gemeldet und von ähnlichen Zahlungsproblemen der Charteragentur berichtet. 
Da Global-Yachting-Geschäftsführer Chrimpakis aber betont, dass die Firma nicht insolvent sei, greift der Sicherungsschein bislang nicht, und die Kunden müssen ihr Geld eigenständig einfordern.

Erwähnenswert ist auch, dass der kroatische Flottenbetreiber in seinen Mails den Kunden vorschlug, doch direkt über ihn zu buchen und auch künftig nicht den "Umweg" über eine deutsche Charteragentur zu gehen. Das ist eher kritisch zu sehen: Würde der Flottenbetreiber in ähnliche Schwierigkeiten geraten wie die deutsche Agentur, wäre das Geld nicht einmal mit einem Sicherungsschein abgesichert, denn nur ganz wenige Flottenbetreiber im Ausland stellen für einen deutschen Kunden einen Sicherungsschein aus. Und Chartergebühren im Ausland per Anwalt einzuklagen, ist in der Regel unwirtschaftlich, da die hohen Kosten für Partneranwälte im Ausland, Übersetzung und Anreise zu Gerichtsterminen den Streitwert schnell überschreiten.


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Themen: Global YachtingProbleme

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