Chartermarkt
Pleitewelle zum Saisonhöhepunkt

Die deutschen Charteragenturen SALT und Sprungmann Yachting scheinen insolvent zu sein, mehrere hundert Kunden sind betroffen

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 05.07.2011

Salt Firmenlogo

Die Hiobsbotschaft kam wie so oft von betroffenen Seglern, die ihren Urlaub vor Ort im Revier antreten wollten, um dann vom Personal der Basis zu erfahren, dass die Charteragentur in Deutschland, über die gebucht wurde, die Gelder nicht weitergeleitet hat. So passierte es YACHT-Lesern in Griechenland, die über die Firma Sprungmann gechartert hatten. Bei der Agentur in Deutschland war niemand mehr telefonisch zu erreichen, Firmeninhaber Dieter Sprungmann war untergetaucht. Den Kunden vor Ort bleibt dann nur, entweder die gesamte Charter oder die noch ausstehende Restsumme erneut zu zahlen – oder unverrichteter Dinge wieder nach Hause zu fahren.

Sprungmann Firmenlogo

Fast zeitgleich liefen die ersten Beschwerden von Kunden der Charterfirma SALT aus Saarbrücken, nicht zu verwechseln mit der Segelschule gleichen Namens, auf. Das Prinzip war dasselbe: Firmeninhaber Sascha Vogel hatte Kundengelder nicht weitergeleitet, erst vor Ort erfuhren die Segler davon. Auch bei SALT geht niemand mehr ans Telefon.

Glück im Unglück ist für Kunden, dass offenbar beide Agenturen für Buchungen bis zum Schluss Sicherungsscheine ausgegeben haben, im Falle Sprungmann von der R+V Versicherung, bei SALT von Yacht-Pool in München. Bei Letzterer kann Inhaber Dr. Friedrich Schöchl schon Genaueres sagen "Es geht wohl um rund 150 Kunden. Das Problem zurzeit ist, dass wir nicht in allen Fällen sagen können, wer die Betroffenen sind, da Herr Vogel untergetaucht ist und nicht dazu beiträgt, die Kunden zu warnen." SALT hat nach seinen Informationen bei vielen Flottenbetreibern unter dem Namen der Agentur und nicht des Kunden eingebucht, wodurch es nun auch den Charterflotten-Betreibern und Versicherungen nahezu unmöglich ist, die Kunden auszumachen. Chartersegler, die bei SALT gebucht haben, sollten sich umgehend bei Yacht-Pool melden.

"Für uns ist das wieder ein klares Beispiel dafür, wie sehr die Charterverträge einiger Agenturen im Argen liegen. Es sollte Standard sein, dass der Kunde namentlich darin genannt wird und dass er einige Wochen vor der Charter von der Basis einen Bordpass zugeschickt bekommt, in dem noch einmal alle seine Daten zusammengefasst werden. Auch darum haben wir vor einigen Jahren unseren Fair-Charter-Vertrag ins Leben gerufen, der genau das den Geschäftspartnern vorschreibt." Bei der derzeitigen Lage kann Yacht-Pool als Rückversicherer nur alle Charterfirmen per Mailing von der SALT-Pleite in Kenntnis setzen und hoffen, dass sich diese selber bei dem Versicherer melden. Wahrscheinlich werden also noch in den nächsten Wochen Kunden an Basen stehen und erst dort erfahren, was Sache ist.

Der Fall unterstreicht erneut, wie wichtig es ist, bei einer Charterbuchung auf einen Sicherungsschein zu bestehen. Nur er sichert im Falle der Pleite einer Agentur den Verlust der Chartergebühr ab. Aber auch dort gibt es Unterschiede: Manche Sicherungsscheine decken nur eine Pleite der deutschen Agentur ab, aber nicht des Flottenbetreibers vor Ort. Die Sicherungsscheine von Yacht-Pool und die von Pantaenius in Zusammenarbeit mit dem VDC decken dagegen sowohl die Agentur als auch den Partner im Ausland ab. Manche Anbieter erstatten den Schaden auch erst, nachdem ein Insolvenzverfahren eröffnet wurde, was im Ausland oft lange dauern kann, dann bleibt der Kunde auf seinem Schaden monatelang sitzen. Yacht-Pool und Pantaenius betonen ausdrücklich, dass bei Ihnen das Geld schon vorher ersetzt wird.

Darüber hinaus sollten Kunden auch noch nach den Deckungssummen fragen: "Manche Angebote deckeln den Gesamt-Schadensersatz schon bei relativ geringen sechsstelligen Summen pro Firma, die pleitegeht. Ist die Firma sehr groß, wie der Schaden bei Blu Balu vor einigen Jahren, bleiben für den Kunden dann nur Anteile seines Schadens übrig", so Dr. Friedrich Schöchl von Yacht-Pool. Seine Policen seien mit 140 Millionen ausreichend gesichert, so der Münchner.


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Themen: CharterInsolvenzsaltsprungmann

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