Umweltschutz
Mehr Mittelmeer-Schutzgebiete

Forscher fordern, 10 bis 20 % des Meeres unter Schutz zu stellen - aktuell sind es nicht einmal 1 %. Auch Yachten tragen zur Zerstörung bei

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 21.09.2011

A. Fritsch/YACHT Die Bucht von Cabrera. Auch hier liegen Bojen aus

Seit etwa einem Jahr werden die Diskussionen um die Ausweitung der Schutzgebiete ("Marine Protected Areas") im Mittelmeer zunehmend heftiger geführt. Grund dafür sind unter anderem Programme von der EU und den Vereinten Nationen zum Erhalt der Artenvielfalt der Erde. Zum Teil zwingen diese schon jetzt die EU-Mitgliedsländer, in Zukunft weitere Schutzgebiete auf dem Wasser auszuweisen, doch die Umsetzung verzögert sich. Biologen fordern nun eine Kombination aus Einschränkungen der Fischerei und des Mülleintrags in das Mittelmeer zusammen mit der Ausweisung vieler neuer Schutzgebiete mit zum Teil strengen Auflagen. Nur so könne die immer schneller verfallende Artenvielfalt noch aufgehalten werden.

In diesem Zusammenhang wird auch Wassersportlern ein Teil der Schuld zugewiesen. So ergab etwa eine Untersuchung des Meeres-Umweltschutz-Verbandes Oceana in Spanien, dass die Seegraswiesen-Schutzgebiete vor Formentera durch die Anker von Megayachten und auch der kleinere Schiffe in den letzten Jahren so massiv geschädigt wurden, dass Biologen fürchten, sie könnten in wenigen Jahren zerstört werden. Wie groß die Schäden sind, belegen diese Filmaufnahmen eines Megayacht-Ankers  , der illegal über einem Seegrasfeld geworfen wurde.  Hunderte Quadratmeter werden bei jedem einzelnen Ankermanöver zerstört, wie man leicht erkennen kann. Dasselbe gilt natürlich auch für kleinere Yachten, die ihr Eisen in die wertvollen Posidonia-Felder werfen. Das Problem ist, dass die Pflanze – einmal entwurzelt – abstirbt und sich zerstörte oder beschädigte Teile nur mit einer Wachstumsrate von etwa einem Zentimeter pro Jahr wieder erholen. Doch da Tausende Yachten jährlich bei Formentera ankern, sterben die Seegraswiesen immer weiter ab. Und das, obwohl die Behörden schon vor zwei Jahren begonnen haben, durch Bojenfelder das Ankern einzuschränken. Doch offensichtlich halten sich viele Crews nicht an die Verbote. Viele wissen nicht einmal, dass – streng genommen – die EU seit Jahren das Ankern über Seegrasfeldern verboten hat - nur die Nationalstaaten verschleppen die Umsetzung aus Furcht vor Einbußen im Touristik-Geschäft und der Fischerei.

Doch es gibt auch einen Lichtblick, wie die Kollegen von National Geographic Deutschland in ihrer September- Ausgabe berichten. So ergab eine Expedition zu den wichtigsten Schutzgebieten im Mittelmeer (unter anderen Cabrera auf den Balearen, Scandola vor Korsika oder den Islas Medas an der Costa Brava), dass der Schutz nach nur zwei Jahrzehnten enorme Erfolge zeigt. Arten, die in vielen Teilen des Mittelmeeres nicht mehr vorkommen, haben hier Refugien gefunden und wecken so neue Hoffnung. Es zeigt sich nämlich, dass die streng geschützten Gebiete in Sachen Artenvielfalt in die Umgebung "ausstrahlen". Das heisst, wird der Raum für eine Spezies zu klein, wandert sie über die Ränder des Gebietes hinaus in die verödeten Zonen und belebt diese so wieder. Regionale Fischer, die mit kleinen Booten umweltverträglich in der Umgebung der Schutzzonen fischen, berichten von enorm positiven Effekten auf ihr Fangergebnis, seit die Schutzgebiete eingerichtet worden sind.

Die Frage ist, wie zukünftige Schutzgebiete mit dem Wassersport zu vereinbaren sind. Fest steht: Bojenfelder sind stark auf dem Vormarsch und eine mögliche Alternative zum freien Ankern – zumindest in ökologisch noch wertvollen Buchten. Das Beispiel des Nationalpark Cabreras zeigt, dass dies gut funktionieren kann. Aber die Freiheit der Segler wird dadurch natürlich eingeschränkt: Die Plätze sind begrenzt, müssen teilweise im Vorfeld gebucht werden. Oft sind solche bestehenden Felder auch gar nicht ökologisch motiviert: In Kroatien etwa dienen die kostenpflichtigen Bojen schlicht als Einkommensquelle für Pächter oder Restaurantbetreiber. Ob diese Felder dennoch ökologisch positive Nebeneffekte haben, ist noch gar nicht erforscht worden. Es ist wohl aber absehbar, dass sich auch die Segler in Zukunft stärker mit dem Naturschutz auseinandersetzen müssen, da sie nachweisbar ein Teil des Problems sind.


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Themen: BojenfelderCabreraUmweltschutz

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