Wetter

Medicane trifft heute auf Griechenland

Im Ionischen Meer zieht aus Westen ein gewaltiges Sturmtief mit Böenpotenzial jenseits der 65 Knoten und 5 bis 10 Meter Wellen auf. Crews sollten Schutz suchen

Andreas Fritsch am 17.09.2020
Medicane
Windy.com

Das Sturmtief "Ianos"

Der Sturm wird als Medicane eingestuft, der meteorologischen Wortschöpfung aus „Mediterran“ und „Hurricane“. Diese Einstufung erfolgt, wenn mittlere Spitzenböen von über 112 km/h erwartet werden und das Sturmtief ein richtiges Auge ausbildet, wie ein Tropensturm. Das ist  bei dem Tief „Ianos“ klar der Fall. Es zieht von Westen auf das südliche Ionische Meer zu und wird neben dem Sturm und hohem Seegang auch Gewitter mit extrem viel Niederschlägen mit sich führen.

Die Meteorologen rechnen damit, dass der Medicane die Inseln vor allem von Lefkas südwärts heute gegen späteren Nachmittag erreichen und den ganzen Freitag fest im Griff haben wird. Den Crews ist also dringend zu empfehlen, sich schleunigst einen sturmsicheren Liegeplatz zu suchen. Das ist im Revier gar nicht so einfach, da es nur wenige perfekt geschützte Häfen mit Muringleinen gibt. Stattdessen machen die Crews oft mit Heckleinen zur Pier und Buganker in kleinen Kommunalhäfen fest. Da in diesen oft nicht viel Platz  für lang ausgelegte Ketten ist und viele Crews den Anker auch nicht gründlich genug einfahren, kann es im Hafen bei extremem Sturm mitunter brenzlig werden, besonders wenn Nachbarlieger auf Drift gehen.

Medicane

Die Windy-Ansicht des Böen-Potentials

Da der Wind während des Sturms mit dem Auge über die Inseln zieht, ist mit drehenden Windrichtungen je nach Standort der Crew zu rechnen. Für den Bereich um Lefkas und Nidri etwa dreht er von fast östlichen Richtungen auf Nordwest, entsprechend muss ein Hafen mit Schutz in dieser Richtung gesucht werden. Ist kein Hafen mit Muringleinen erreichbar, sollten Crews prüfen, ob sie den Buganker mit noch mehr Kette ausbringen können und diesen möglichst richtig einfahren und zusätzlich – falls möglich – den Zweitanker ausbringen. Wichtig dabei ist, das mit den Skippern der Nachbarboote zu koordinieren, denn wenn später alle Ketten und Eisen übereinanderliegen, hilft das nicht weiter. Wer alternativ in einer Bucht bleiben will oder muss, sollte diese sehr sorgfältig aussuchen, denn es gibt im Ionischen Meer diverse Winddüsen, die berüchtigt sind, etwa von Kalamos’ Südseite herab oder an der Nordostseite von Ithaka.   

Andreas Fritsch am 17.09.2020

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