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Kurt Ecker kämpft um sein Erbe

Im Wirrwarr um die Ecker-Insolvenz entwickelt sich ein regelrechter Wirtschafts-Krimi: Gründer Kurt Ecker gegen die neuen Firmenbesitzer

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 09.12.2013

Ecker Yachting Unternehmen in Schieflage: Ecker Yachting

Mit einem Paukenschlag meldete sich Kurt Ecker in Sachen Insolvenz seinem ehemaligen Unternehmen zurück: Auf einer Versammlung von etwa 50 geschädigten Eignern in Linz verkündete er am vergangenen Wochenende, dass er zusammen mit einem namentlich noch ungenannten Investor die Stützpunkte von Ecker Yachting in Kroatien und Griechenland mit dem bewährten Personal und einer neu gegründeten Firma übernehmen will.

Fritsch, Andreas Will um den Ruf seiner ehemaligen Firma kämpfen: Kurt Ecker

Entsprechende Gespräche mit den Basisleitern und den Eignern gebe es bereits. "Wir wollen nun versuchen, möglichst noch in diesem Jahr die neue Firma startklar zu bekommen, um alle Eigner und Kunden, die bislang treu zu uns gehalten haben, nicht zu enttäuschen", so Kurt Ecker gegenüber der YACHT.

Das ist ein Schlag ins Gesicht des bisherigen Geschäftsführers und Mitinhabers von Ecker Yachting, Hannes Kikinger, der die Firma 2011 übernommen hatte, nachdem er und Kurt Ecker davor das Unternehmen in einer Übergangsphase gemeinsam geführt hatten.

Andreas Fritsch Hannes Kikinger

Unter Kikingers alleiniger Führung war die Ecker Yachting letztlich im November in die Insolvenz gerutscht – mit rund 4 Millionen Euro ist der bis zuletzt hoch angesehene Betrieb überschuldet. Zuletzt gab es nach Angaben von Kurt Ecker zwischen Hannes Kikinger und ihm keinen Kontakt mehr, da er gemerkt habe, dass die Firma in eine falsche Richtung steuere, er aber nichts mehr dagegen habe unternehmen können.

Das sieht Hannes Kikinger wiederum ganz anders. Er berichtet, es habe Jahre gedauert, bevor die Bilanzen der Firma wirklich transparent geworden wären. Darüber hinaus seien die kroatischen Finanzbehörden mit einer Steuernachforderung in Höhe von 1,7 Millionen Euro auf ihn und seine Gesellschafter zugekommen, die noch aus der Zeit vor der Übernahme resultierte.

Der Österreicher will sich jedenfalls nicht einfach so geschlagen geben und kämpft um einen Fortbestand des Unternehmens unter seiner Führung: Er habe bereits einen angesehenen ukrainischen Investor im Boot, der eingestiegen sein soll. "Mit seiner Hilfe haben wir gerade die griechische sowie die kroatischen Tochter-Firmen mit frischem Geld versorgt", so Kikinger. "Alle Rechnungen und Gehälter sind bezahlt!"

Man werde dem Insolvenzverwalter nun ein Angebot unterbreiten, um die Betreiberfirmen der Standorte in Kroatien und Griechenland aus der Konkursmasse herauszukaufen. Darüber hinaus sei geplant, im großen Stil Schiffe zu kaufen, um die Flotte zu verjüngen. Ecker Yachting mit Sitz in Österreich wird dagegen vom Insolvenzverwalter aufgelöst, da das Stammunternehmen wohl nicht zu retten ist.

Hinter der Schieflage, die schon verworren genug klingt, steckt aber noch mehr an Ungereimtheiten.

So kamen zuletzt sehr handfeste Vorwürfe von betroffenen Eignern auf den Tisch. Gegenüber der YACHT erklärten mehrere Schiffseigentümer, dass ihnen von Ecker Yachting Boote verkauft wurden, die ohne ihr Wissen mit einer Hypothek belastet waren. Formal sah das so aus: Ecker Yachting verkaufte Schiffe und sicherte in den Kaufverträgen zu, dass sie frei von irgendwelchen finanziellen Lasten seien. Doch waren die Schiffe zuvor bei Banken mit Krediten finanziert oder geleast worden. Entsprechende Belastungen waren bei größeren Schiffen teils sogarins kroatische Schiffsregister eingetragen worden.

Selbst nach der vollständigen Bezahlung durch die Eigner liefen die Kredite auf die Yachten weiter. Wofür das Geld benutzt wurde, bleibt offen. In einigen Fällen wurde den Besitzern per Hinhaltetaktik die von ihnen verlangte Eintragung ins Schiffsregister verweigert. YACHT-Rechtsexperte Dr. Heyko Wychodil dazu: "Deutsche Gerichte würden so etwas wahrscheinlich als Betrug einstufen."

Wer für diese Praxis verantwortlich zeichnete, ist nachträglich kaum zu durchschauen. Auf Nachfrage der YACHT erklärte Kurt Ecker, in der Übergangsphase der Geschäftsleitung gegen 2009/2010 hätte die finanzielle Führung des Unternehmens allein bei Hannes Kikinger gelegen, die Weiterführung der Kredite nach dem Verkauf wären ohne sein Wissen zustande gekommen. Hannes Kikinger betonte auf Rückfrage der YACHT dagegen: "Sie werden unter keinem einzigen der fraglichen Verträge meine Unterschrift finden. Ich habe damit nichts zu tun!"

Fakt ist, dass einige der Eigner, die von diesen Praktiken betroffen sind, sich am vergangenen Samstag auf der Eignerversammlung dafür aussprachen, Kurt Ecker zu vertrauen und ihm in eine mögliche neue Firma zu folgen. Die Mehrheit der anwesenden 45 Eigner dachten offenbar ähnlich. Das letzte Wort scheint aber noch längst nicht gesprochen, wie Eigner-Sprecher Werner Krauss nach dem Meeting zusammenfasst: "Wir sind in der Wartestellung, wollen aber möglichst noch vor Weihnachten eine Entscheidung. Wenn ein Investor einen vernünftigen Vorschlag macht, sprechen wir mit ihm. Außer Kurt Ecker hat sich aber bisher keiner der Herren die Mühe gemacht mit uns zu reden."

Seit sich die Insolvenz abzeichnete, hatte Kurt Ecker hinter den Kulissen versucht, eine Rettung durch Investoren voranzutreiben. Gegenüber der YACHT erklärte er: "Ich habe mein Geschäft in rund 26 Jahren aufgebaut, bevor ich Partner hereingenommen habe. In diesen 26 Jahren war mein absolut oberstes Ziel und Gebot Fairness und Seriosität gegenüber Eignern, Charterkunden und Mitarbeitern. So ist auch der Ruf entstanden, den Ecker Yachting über fast drei Jahrzente hatte und halten konnte. Dieser Ruf war hart erarbeitet und nicht geschenkt. Dass es nun in letzter Zeit diese schlimmen Vorfälle gegeben hat, setzt mir ganz gewaltig zu und das ist auch der ausschließliche Grund für meinen Einsatz." Man werde versuchen, die Firma so schnell wie möglich wieder zu dem zu machen, wofür sie bei den Chartercrews und Eignern jahrzehntelang stand: Zuverlässigkeit und erstklassige Qualität, so der Österreicher.

Da dies finanziell nicht allein zu stemmen ist, wurden Gespräche mit Investoren geführt, auch der Hamburger Schiffsausrüster A. W. Niemeyer war darunter. Nach dessen Rückzug will ein zweiter potenzieller Partner nun den geplanten zweijährigen Sanierungskurs unterstützen. Noch in diesem Jahr soll die neue Firma den Betrieb aufnehmen. Ecker will versuchen, so die alten Stammkunden zurückzugewinnen. Noch sind die Verträge aber nicht gemacht.

Dazu muss man wissen, dass der Insolvenzverwalter mittlerweile alle Charterverträge, die zwischen Ecker Yachting Österreich und Kunden bestanden, anulliert hat, da die Firma aufgelöst wird. Sowohl Kikinger als auch Ecker beginnen also bei null.


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