Charter

Ecker Yachting stellt Insolvenzantrag

Die österreichische Charterfirma steckt in ernsten Finanzproblemen und versucht durch einen Investor die Sanierung in letzter Minute

Andreas Fritsch am 13.11.2013
Ecker

Das Ecker-Logo

Die Nachricht kommt überraschend, galt Ecker Yachting doch immer als eine der ersten und grundsoliden Adressen im Chartermarkt. Nachdem das Unternehmen größere Außenstände bei Personal und Eignern der Basis in Göcek hatte auflaufen lassen, gruppierten sich diese bereits in Eigenregie neu und wechselten zu einem neuen Partner als Vermittler. Nun organisieren sich die Eigner der kroatischen Standorte, um ähnliche Schritte zu besprechen. Am vergangenen Samstag trafen sie sich erstmals, um eine gemeinsame Vorgehensweise zu koordinieren. 

Auf Nachfrage der YACHT erklärte Ecker-Yachting-Prokurist Michael Simharl die Lage wie folgt: "Es ist richtig, dass Ecker Yachting finanzielle Probleme hat. Wir können nicht allen Eignern ihre Einnahmen bezahlen, und mit den Löhnen des Personals an den Standorten sind wir im Rückstand. Wir sind in Verhandlungen mit einem Investor, der entweder 51 Prozent des Geschäfts übernimmt oder Anteile erwirbt." Geschäftsführer Hannes Kikinger war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die finanzielle Schieflage sei durch die schrumpfenden Margen im Markt und zu später, entschlossener Kostenreduktion entstanden. Hinzu käme ein Rechtsstreit mit dem kroatischen Staat um die Rechtsform der Charterbasen vor Ort, der vor einigen Jahren in hohen Geldstrafen von rund 1,8 Millionen Euro mündete.

Aus diesem Grund hat Ecker Yachting am Montag einen Insolvenzantrag gestellt, der die Sanierung des Konzerns zum Ziel hat. Nach Angaben der österreichischen Creditreform beträgt das Firmenkapital noch rund 1,933 Millionen Euro, demgegenüber Außenstände von 6,807 Millionen Euro stehen.

Nach Angaben von Michael Simharl bemühe man sich um ein Sanierungsverfahren nach österreichischem Insolvenz-Recht, welches vorsieht, dass ein Verwalter eingesetzt wird, der mit den Gläubigern eine Rückzahlungs-Quote aushandelt. Ein Schuldenschnitt quasi, um den Fortbestand der Firma zu ermöglichen. Wird ein solches Verfahren vom Gericht zugelassen, würde Ecker Yachting vor allen Forderungen der Geschädigten zunächst geschützt, bis eine Lösung verhandelt worden ist. Kommt es zur Sanierung, kann der Prozess maximal zwei Jahre beanspruchen.

Wichtigste Nachricht für Ecker-Charter-Kunden ist, nach Angaben von Michael Simharl, dass die Firma zwar Buchungen für 2014 bereits angenommen hat, aber noch an keinen Kunden eine Rechnung geschickt wurde, da sich die Probleme bereits seit Längerem abzeichneten. Da die Saison 2013 praktisch abgewickelt ist, seien also keine Gelder der Charterkunden gefährdet. Abgesehen davon gibt Ecker Yachting für alle Zahlungen Sicherungsscheine der Uniqua aus. Sollte doch jemand Anzahlungen geleistet haben, sollte er umgehend Kontakt zum auf dem Sicherungsschein genannten Rückversicherer aufnehmen.

Am kompliziertesten ist die Lage für die Eigner, die ihre Schiffe bei Ecker Yachting laufen haben. Sie müssen für ihre teils finanzierten Boote Einnahmeverluste wegstecken, die für die Bedienung der Kredite nötig sein können. Abgesehen davon ist für sie nicht klar, wann und wie wieder Einnahmen hereinkommen. 

Probleme gibt es auch noch mit der Ausflaggung der Schiffe aus dem kroatischen Register, in dem Ecker Yachting anstelle der Eigner als Besitzer der Schiffe eingetragen war. Zwar hat die Firma nach Angaben von Michael Simharl alle Boote wieder ausgeflaggt und damit an die Eigner zurückgegeben. Noch ist aber nicht klar, ob auch alle Eigner ihre gezahlte Umsatzsteuer von Ecker zurückerhalten haben. Ist dies nicht der Fall, droht den Besitzern unter Umständen eine erneute Versteuerung ihrer Schiffe.

Während sich die Eigner in der Türkei bereits mehrheitlich für eine Zusammenarbeit mit einer anderen Charterfirma entschlossen haben, ist die Mehrheit der Eigner an den kroatischen Ecker-Stützpunkten noch immer bereit, mit dem Unternehmen zusammenzuarbeiten, wie der Sprecher von rund 40 Eignern, der österreichische Unternehmensberater Werner Kraus, auf Nachfrage der YACHT erklärte. "Wir alle sind mit der technischen Betreuung der Schiffe bis heute hochzufrieden und würden die vorhandenen Basen und das dort arbeitende, hervorragende Personal gern erhalten." Sie würden sich wünschen, mit den Investoren und dem Insolvenzverwalter direkt zu verhandeln, um sicherzustellen, dass ihre Forderungen, etwa ein monatliches Abrechnungsmodell, berücksichtigt werden. Nur als letzte Option sehen sie den Weg, sich ähnlich selbstständig zu organisieren wie die Eigner in der Türkei.

Die Eigner hoffen auf einen finanzstarken Investor. Angeblich sei eine große deutsche Firma oder ein österreichisches Unternehmen bereit einzuspringen – nach dem Schuldenschnitt. Ob und wie das geschieht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Gründer Kurt Ecker hatte das Charter-Unternehmen vor wenigen Jahren an eine fünfköpfige Investorengruppe veräußert. Zuletzt gab es Stützpunkte in Kroatien, Griechenland und der Türkei. 

Andreas Fritsch am 13.11.2013

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