Bodensee

Highlights rund um den See

Eine Buchautorin, ein Fischer, ein Fotograf und mehrere angesehene Wassersport-Experten – sie alle verrieten der YACHT ihre See-Favoriten

Pascal Schürmann am 02.09.2013
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Der Bodensee bei Friedrichshafen

Eine Bestsellerautorin, ein Fischer, ein qua Beruf besonders ortskundiger Fotograf, ein Fährkapitän, allesamt dem Segeln eng verbunden, und zudem mehrere angesehene Wassersport-Experten – sie alle verrieten der YACHT ihre persönlichen Favoriten: die schönsten Liegeplätze und Ankerbuchten am See, die besten Ausflugsziele, die kulinarischen Top-Adressen, die Eigenarten der Segelbedingungen und eine Menge mehr.

So entstand, aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln, ein Potpourri individueller Insider-Tipps, die eben nicht in jedem Reise- oder Törnführer zu finden sind.


HOLGER SPIERING, Fotograf aus Überlingen. Er hat für seinen Bildband acht Jahre die schönsten Ecken am See erkundet:
"Der Altenrhein, diese herrliche, weidengesäumte Mündung des unbegradigten alten Rheinlaufs in den See, liegt gegenüber dem Naturschutzgebiet Rheinspitz. Den sensationellen Blick bei der Marina Rheinhof kann man mit dem Besuch des kleinen Restaurants am Wasser geschickt verbinden. Es heißt bezeichnenderweise 'Paradiesli'. Die 350-Plätze-Marina wird über eine gebaggerte Rinne angesteuert. Vor dem Hafen muss eine Zugbrücke passiert werden, die der Hafenmeister auf Hornsignal öffnet – zwischen 20 und 8 Uhr darf der Skipper aber selbst die Kette ziehen."

NILS THEURER, YACHT-Autor und See-Veteran. Von ihm stammen auch die im Folgenden nicht namentlich gekennzeichneten Tipps:
"Direkt vom Steg zum Kaffeetrinken, Eisessen oder Shoppen – Überlingen macht es möglich. Die zweimal sechs Plätze an kurzen Fingerstegen sind als Kurzzeitparkplätze gedacht, Übernachten ist nicht erlaubt und wegen der exponierten Lage auch lediglich bei Flaute angebracht. Ein großer Wurf ist dem Ort mit der Wiederbelebung des historischen Kornspeichers 'Greth' gelungen: zwei Restaurants, mehrere Geschäfte und ein Kino hinter den fast zwei Meter dicken Mauern. Eine gewisse Manöversicherheit ist allerdings angeraten, jedes An- und Ablegen wird von einer stattlichen Zuschauerkulisse auf der Promenade beobachtet – und kommentiert."

HEINZ UNGLERT, langjähriger Wasserschutzpolizist und Skipper eines Dragonfly-800-Trimarans:
"Einer der schönsten Plätze ist kein Geheimtipp mehr, das Weingut Haltnau am Nordufer des Sees zwischen Meersburg und dem Weindorf Hagnau. Hier kann man mit seinem Boot direkt am Steg des Lokals vor Heckanker bequem und sicher liegen. Nur bei starkem Schwell empfiehlt es sich, in die nahe gelegenen Häfen auszuweichen. An einem lauen Sommerabend ein tolles Fleckchen Erde. Im Überlinger See kann die Nacht unterhalb des Bodanrücks zwischen Bodman und Wallhausen vor Anker verbracht werden. Hier ist man gewiss unter sich und sollte deshalb Vorräte gebunkert haben. Mein Übernachtungstipp im Osten ist der kleine Hafen Lindau-Zech, im Seglerhafen Lindau mag ich die Vereinsgaststätte. Bei drohendem Gewitter liegt man bei BMK und Meichle + Mohr auf den beiden Seiten der Argenmündung wie die Perle in der Muschel."

RUEDI SCHELLENBERG, Präsident des Bodensee-Segler-Verbands aus Romanshorn, Eigner einer Hallberg-Rassy 29:
"Ich mag besonders das vielerorts völlig unbekannte 'Löchle', ganz am Ende des Überlinger Sees zwischen Bodman und Ludwigshafen, den kleinen, familiären Naturhafen des Yachtclubs Stockach. Er bietet die Infrastruktur eines Wasserwander-Rastplatzes: Toiletten, Strom, Wasser und eine Grillstelle. Viel mehr gibt es in dem Landschaftsschutzgebiet nicht, dafür aber Ruhe satt. Eine Besonderheit ist die ausdrückliche Bitte des Clubs, bei Manövern den Motor so wenig wie möglich zu benutzen, mit Schlamm haben die Mitglieder genug zu kämpfen. Da nicht einmal ein Müllfahrzeug den Hafen anfahren kann, nimmt man seinen eigenen wieder mit. Meine Hallberg-Rassy hat nicht so viel Tiefgang, 1,60 Meter, und kommt da in der Regel ganz gut hinein. Aber genauso gut gefällt mir der Kontrast dazu, die größeren Städte wie Konstanz – auch wegen meiner Frau, die in den Geschäften dort gern einkauft, zumal der Weg vom Yachtclub dorthin nicht weit ist."

ULI VON MÜHLEN, ehemaliger Hafenchef des Nautischen Dienstes der Schule Schloss Salem und Miteigner eines imposanten, gepflegten Seefahrtskreuzers:
"Wer gut essen und trinken mag, geht zuerst auf den Pfänder, den Bregenzer Hausberg. Oder nimmt für 6,10 Euro die Seilbahn. Und dann geht's südlich über den Gebhardsberg – auch gut zum Einkehren! – nach Fluh. Und da zum 'Möth' – einem ehemaligen Metzger, der am Pfänder Wein an- und ausbaut. Die Vesper ist hervorragend. Man sitzt wunderbar in einer Weinlaube. Weiter schätze ich den 'Goldenen Hirsch' in Bregenz und sein vorzügliches Siedfleisch, das keineswegs nur Touristen anlockt. Keine Lust auf Besucherscharen? Da empfehle ich Nonnenhorn, dahin verirrt sich niemand! Und es gibt eine prima Weinschänke."

HARALD THIERER, Geschäftsführer vom Match-Center Germany in Langenargen:
"Zwei Plätze lege ich ans Herz. Zum einen Bad Horn, das kleine Hotel. Weil es einen wunderbaren Palmengarten hat, eine Küche mit viel Bodenseefisch und auch italienischen Einfluss, außerdem einen eigenen Steg, an dem ich mit meiner Bavaria 35 Match sehr gern liege. Der zweite Tipp ist Bregenz mit der berühmten Seebühne. Vom Yachthafen kann man sehr gut in den Ort laufen, wo sich auch viele jüngere Leute treffen. Direkt gegenüber vom Bundesbahnhafen befindet sich ein mexikanisches Restaurant, das einen Besuch lohnt. In der anschließenden Fußgängerzone gibt es eine Reihe von prima Bars für den Drink danach. Aber bleiben Sie nicht zu lange: Früh am Morgen weht der Rheintäler, den Sie zur Weiterfahrt ausnutzen sollten."

JOCHEN FRIK, Bootsbauer und Segelmacher bei der Segelmanufactur in Friedrichshafen, Eigner der 101 Jahre alten Sonderklasseyacht "Wolkuse":
"Magisch, aber auch thermisch – durch das lokale Windphänomen, im Volksmund 'Pfänderfürzchen' – zieht es mich immer wieder in die Harder Bucht, besonders weil meine Sonderklasse ihre Stärken im Raumbereich hat und diese Backstagsbrise wirklich benötigt. Bei gutem Wetter steigt die Luft am Berg auf und beschert den Seglern einen flotten Wind, ab Langenargen immer stärker werdend bis Bregenz. Die Reise verläuft im Rheindelta, jetzt wellengeschützt hinter dem Damm, durch wohlriechende Natur und Feuchtgebiete mit einer Vielfalt an Vögeln. Der Hafenmeister in Hard hilft immer, auch wenn's eigentlich zu voll ist. Felchen blau mit Salzkartoffeln und Salat, dazu ein Grüner Veltliner, runden den Tag ab."

GABY HAUPTMANN, Bestseller-Autorin ("Suche impotenten Mann fürs Leben"), lebt am Untersee in Allensbach und ist begeisterte Seglerin:
"Auf 'meiner' Uferseite verrate ich nur ungern, dass das Seerestaurant 'Leissner' in Allensbach mein absolutes Lieblingsrestaurant ist. Es ist nur einen Steinwurf entfernt, und Harry kocht einfach bodenständig und dabei unverschämt lecker. Am Steg lässt es sich gut anlegen (Gästeplätze: Tel. 07533/988 48 oder 0160/721 28 79), und anschließend lockt die Liebesinsel. Wer mit seinem Schiff ankern und einen romantischen Sonnenaufgang erleben will, sollte es dort tun. Ein Tipp für den nächsten Mittag: die 'Sandseele', das Restaurant des Reichenauer Campingplatzes."

ANDREAS KNOBLAUCH, Fischer aus Unteruhldingen, Betreiber eines Spezialitäten-Lokals in Überlingen:
"Der Obersee hat einfach seinen Reiz durch die Weite, durch seine enorm große Fläche. An sechs Tagen in der Woche bringe ich dort abends die Netze aus und hole sie morgens wieder ein, bis zu 1,4 Kilometer sind sie lang. Mein Vorschlag: Kommen Sie, so früh es nur geht. Dann fahren die Kursschiffe noch nicht, und es herrscht eine einmalige Stimmung, die ich immer aufs Neue genieße. Wenn man beim Hellwerden ganz allein auf dem See ist und den Promenadenschlag vor Immenstaad, Hagnau, Meersburg und Uhldingen macht, verschlägt es selbst einem Revierkenner manchmal wirklich die Sprache."

THOMAS DREXLER aus Konstanz ist ständig auf dem See – als Segler oder Kapitän der Bodensee-Schiffsbetriebe:
"Der schöne Stadthafen des Segelclubs in Lindau besticht durch sein tolles Vereinshaus, in dem man unbedingt ein Weißwurst-Frühstück einnehmen sollte. Im nahegelegenen Hafen Lochau auf der österreichischen Seeseite gibt es einen Sandstrand zur Erholung, als Restaurant eine aufs Land gesetzte alte Fähre und als Ambiente den herrlichen Blick auf die nahen Alpen. Auch wenn ich fast jeden Tag auf oder zumindest am Wasser bin, überrascht mich der See und seine Landschaft immer wieder mit tollen Wetterstimmungen. Das gilt für Sonnenaufgänge ebenso wie für ein aufziehendes Gewitter, wobei die ganze Szenerie in ein einzigartiges Licht getaucht wird."


Extra-TIPP: die Pfahlbauten in Unteruhldingen
Zugegeben, die Pfahlbauten im Archäologischen Museum von Unteruhldingen sind kein besonders originelles Ziel. Aber dennoch erwähnenswert. Die Ausstellung hat sich nämlich von einer muffigen Zur-Schau-Stellung mit platten Effekten bei den Führungen zu einer vielfältigen und lebendigen Vernetzung unterschiedlicher Aspekte der Steinzeit gewandelt. In knapp einer Stunde wird anschaulich und interessant vermittelt, wie sich das Leben vor Tausenden von Jahren wohl abgespielt hat. Der Eintritt kostet 7 Euro, das Familienticket 19,50 Euro.

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Pascal Schürmann am 02.09.2013

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