Segeln olympisch

"Zu viele Fragezeichen im Kopf"

Philipp Buhl muss sich als 14. vor dem Finale von Olympia verabschieden. Für den Allgäuer war es der traurigste Tag seiner Karriere

Tatjana Pokorny am 14.08.2016
Olympische Spiele 2016 Tag 5

Bild mit Seltenheitswert in der Guanabara-Bucht: Philipp Buhl in Führung. Es war nie sein Revier und sollte es bei der Olympia-Regatta auch nicht werden

Tapfer wahrte Philipp Buhl auch nach dem für ihn desaströsen Vorschlusstag bei der Olympia-Regatta die Fassung. Man sah ihm im Hafen der Marina da Gloria an, dass er am liebsten direkt in Tränen ausgebrochen wäre. Doch die wollte er sich für später aufheben. Mit den Rängen 34 und 17 hatte Buhl sein Schicksal in der Guanabara-Bucht besiegelt: Mit Platz 14 muss er schon vor dem Finale Abschied nehmen und sagte: "Ich bin so megaenttäuscht von mir selber."

Olympische Spiele 2016

Philipp Buhl mit dem Blick, der vieles sagt

Der Hoffnungsträger der Segel-Nationalmannschaft ist darüber gestolpert, dass er mit Rios Revier einfach nicht warm geworden ist. Diese Erkenntnis hatte sich lange vor Beginn der Olympischen Spiele so sehr in seinem Kopf zementiert, dass die Mauer nicht mehr einzureißen war. Auch nicht von außen durch seine Betreuer Thomas Piesker und Vater Friedl Buhl. "Ich dachte, ich könnte diesen Trend hier bei Olympia kippen." Doch das gelang ihm nicht, egal, was er versuchte. "Ich hatte zu viele Fragezeichen im Kopf", sinnierte der 26-Jährige nach der schmerzlichsten Niederlage seiner Karriere. Über sein Ergebnis konnte er nur immer wieder mit dem Kopf schütteln und dann glaubwürdig ankündigen: "Heute Abend muss ich mal heulen. Das muss jetzt sein."

Olympia 2016 Tag 1

So hoffnungsfroh hatte Buhl seinen Laser am ersten Regattatag in Richtung Rampe geschoben. Hinter ihm geht der Kroate Tonci Stipanovic, der am Montag Olympiasieger werden kann

Der Weltranglisten-Erste konstatierte selbst, dass er ausgerechnet bei Olympia sein schlechtestes Ergebnis des Jahres eingefahren habe. Dafür versuchte er erst gar nicht, andere als sich selbst in die Verantwortung zu nehmen: "Ich bin der Schuldige." Das vorletzte Rennen, in dem er einen für seine Verhältnisse indiskutablen 34. Rang kassierte, ließ der sonst so sonnige Allgäuer mit teilweise fassungslosem Blick noch einmal an sich vorüberziehen: "Da waren alle diese Helikopter. Du denkst, die ganze Welt schaut dabei zu, wie du es verreißt. Ich habe an die Leute gedacht, die mich unterstützen und die ich jetzt enttäusche. Dabei hätte ich ja nur im richtigen Moment das richtige Ding machen müssen. Das ist eben die Kunst im Segelsport."

OS 2016 Tag 2

Er hat auf den Kursen der Guanabara-Bucht alles versucht, doch nur wenig gelang. Am Ende der Olympia-Premiere sagte Buhl, er könne jetzt den sechsten Platz von Simon Grotelüschen viel besser verstehen. Den Fans und Segelsport-Verantwortlichen bleibt zu hoffen, dass Buhl die gesammelte Olympia-Erfahrung für einen zweiten Anlauf nutzt

Als beinahe "ängstlich" beschrieb Buhl seinen Start in das fatale vorletzte Rennen, in dem sich eine Lücke für ihn aufgetan hatte. Doch er nutzte sie nicht und kann auch sich selbst nicht erklären, warum ihm die Tatkraft fehlte. Der mäßige Einstieg in die Olympia-Regatta mit zwei 16. Rängen hatte von Beginn an Buhls zwischenzeitlich erfolgreich verdrängte Zweifel an seiner Fähigkeit neu genährt, das ungeliebte brasilianische Revier bezwingen zu können. Diese Zweifel hat der als Kämpfer und "Gerne-Jäger" bekannte Steuermann, der für seine offene Selbstkritik bekannt ist, zu keinem Zeitpunkt der Olympia-Regatta auslöschen können. Nicht einmal der Wettfahrtsieg in Rennen sieben hat ihm mehr Mut verliehen. Buhl war am Ende seiner Olympia-Premiere so ins Mark getroffen, dass er auf die Frage nach seiner seglerischen Zukunft zunächst nur antwortete: "Mal sehen, was das Publikum dazu sagt." Ihm selbst war an diesem Abend nicht mehr nach Entscheidungen irgendeiner Art zumute. Es hatte am Samstagabend dennoch niemand Zweifel daran, dass dieser Athlet zurückkommen wird, wenn er den schweren K.-o.-Schlag verdaut hat.

Philipp Buhl bei seiner Olympia-Premiere

Auf der Suche nach der olympischen Erfolgswelle, die er in Rio nie fand: Philipp Buhl in seiner Paradeklasse Laser

Parallel zu Buhls Ausscheiden versenkte am Samstag Nationalheld Robert Scheidt seine Chancen auf einen dritten Olympiasieg. Der Brasilianer kann aber noch Bronze gewinnen, wenn er am Montag im Finale herausragend segelte. Als Spitzenreiter zieht der Kroate Tonci Stipanovic vor dem Australier Tom Burton und dem Neuseeländer Sam Meech ins Finale ein.

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Tatjana Pokorny am 14.08.2016

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