SailGP in Saint-TropezErster US-Sieg, Speed-Rekord für Frankreich

Tatjana Pokorny

 · 11.09.2022

SailGP in Saint-Tropez: erster US-Sieg, Speed-Rekord für FrankreichFoto: Jon Buckle for SailGP

Zwei Segeltage, zwei Welten, ein strahlendes Siegerteam: Beim Range Rover France Sail Grand Prix im Revier vor Saint-Tropez brillierten Jimmy Spithill und sein US-Team mit ihrem ersten Sieg. Dabei stellten die Franzosen mit 99,94 Stundenkilometern (fast 54 Knoten) einen neuen SailGP-Speed-Rekord auf

Wie auf die Bahn katapultierte Flipperkugeln: F50-Katamarane fast 100 Stundenkilometer schnell!

Am ersten der beiden Renntage beim Range Rover France SailGP vor Saint-Tropez wirkte die Flotte oftmals so, als hätte jemand die F50-Katamarane wie Flipperkugeln auf den Kurs geschossen. Die neun Boote rasten in starken Winden mehrfach alle gleichzeitig mit Geschwindigkeiten jenseits der 80 Stundenkilometer über den Kurs, als gäbe es kein Morgen.

Rasendes SailGP-Vergnügen vor Saint-TropezFoto: David Gray for SailGP
Rasendes SailGP-Vergnügen vor Saint-Tropez

Erst stellten die Briten einen neuen Speed-Rekord auf, dann die Franzosen. Ab sofort gilt es, die 99,94 Stundenkilometer zu schlagen, die Quentin Delapierre und seine Les Bleus am 10. September erreichten. Dieses Trostpflaster musste der Equipe Tricolore reichen. Die französischen Gastgeber verpassten nach dem Hochgeschwindigkeitsauftakt und den quälend langsamen Rennen am zweiten SailGP-Tag den Einzug ins Triple-Finale als Gesamtvierte schmerzlich knapp.

Auch andere Teams hatten bei dieser fünften von insgesamt elf Regatten der dritten SailGP-Saison im Kampf um den Finaleinzug das Nachsehen. So die Kanadier mit dem stets furios agierenden Neuseeländer Phil Robertson am Steuer. Die in dieser Saison neu im SailGP durchgestarteten Kanadier erlebten an Tag eins eine dramatische Beinahe-Kenterung und kamen auch sonst nicht so gut in Fahrt wie noch bei ihrem Einstieg. Sie beendeten die Hauptrunde hinter den überraschend auch nur fünftplatzierten Australiern und den folgenden Dänen, Spaniern und Schweizern als Letzte.

Kanadas SailGP-Team mit Steuermann Phil Robertson kentert nur beinahe, während die Spanier um Jordi Xammar dicht vorbeirauschen. Die dramatische Szene ereignete sich am windreichen ersten Tag des zweitägigen Gipfeltreffens beim französischen SailGP in Saint-TropezFoto: Bob Martin for SailGP
Kanadas SailGP-Team mit Steuermann Phil Robertson kentert nur beinahe, während die Spanier um Jordi Xammar dicht vorbeirauschen. Die dramatische Szene ereignete sich am windreichen ersten Tag des zweitägigen Gipfeltreffens beim französischen SailGP in Saint-Tropez

Wie im America’s Cup: Spithill, Burling und Ainslie kämpfen um den Sieg

Nach den Jagdszenen vom Vortag kamen drei Crews mit den extrem schwachwindigen Bedingungen am zweiten SailGP-Tag am besten zurecht: das US-Team um America’s-Cup-Star Jimmy Spithill, die zuletzt zweimal siegreichen Neuseeländer und die routinierten Briten um den olympischen Rekordsieger Sir Ben Ainslie erreichten das Triple-Finale. Bis dahin hatten Tausende Fans in Saint-Tropez am Sonntag mehrere Bahnverkürzungen und unbarmherziges Wettkriechen über den Parcours erlebt. Das letzte Fleetrace, in dem die Kanadier endlich einmal führten, wurde von der Rennleitung wenige Sekunden vor dem Zieldurchgang mit Erreichen des Zeitlimits abgebrochen.

Das SailGP-Spektakel fand direkt vor den mit Zuschauern dicht besetzten Ufern von Saint-Tropez stattFoto: Felix Diemer for SailGP
Das SailGP-Spektakel fand direkt vor den mit Zuschauern dicht besetzten Ufern von Saint-Tropez statt

Mit den berühmtesten Steuerleuten Sir Ben Ainslie (Großbritannien), Peter Burling (Neuseeland) und Jimmy Spithill (USA) trafen im Finale drei Könner und ihre herausragenden Teams aufeinander. Nicht wenige wurden dabei an America’s-Cup-Schlachten der Vergangenheit erinnert. Schon der Start verlief ungewöhnlich, denn der sonst so präzise agierende Peter Burling und seine Kiwis leisteten sich einen knappen, aber doch deutlich sichtbaren Frühstart. Um den damit verbundenen Penalty zu bereinigen, mussten sie sich entsprechend dem Reglement zunächst hinter ihre Gegner zurückfallen lassen, bevor sie wieder angreifen durften. Davon erholten sie sich nur noch teilweise.

Kam, sah, siegte aber nicht: Ben Ainslie und seine Briten wurden Dritte in Saint-Tropez und belegen im Saison-Klassement nach fünf von elf Regatten den gleichen PlatzFoto: Ricardo Pinto for SailGP
Kam, sah, siegte aber nicht: Ben Ainslie und seine Briten wurden Dritte in Saint-Tropez und belegen im Saison-Klassement nach fünf von elf Regatten den gleichen Platz

Wettkriechen im Finale: Jimmy Spithill gewinnt den Nervenpoker

Am meisten profitierten Jimmy Spithill, sein Flügeltrimmer Hans Henken und die Amerikaner vom Frühstart-Malheur der Neuseeländer. Sie konnten sich bei teilweise mitleiderregenden Geschwindigkeiten der Boote von unter zehn Stundenkilometern im Wettkriechen etwas absetzen. Wie in Zeitlupe schoben sich die am Vortag noch so rassig über den Kurs rasenden Katamarane mit beiden Rümpfen schwerfällig durchs Wasser.

Auch das Finale endete mit einer Bahnverkürzung. Schließlich brachte der zweimalige America’s-Cup-Gewinner Jimmy Spithill die US-Bugspitzen als Erster und vor Ablauf des Zeitlimits über die Linie. Die Neuseeländer und die in dieser Begegnung chancenlosen Briten folgten. Spithills US-Team konnte sich durch diesen Coup zwar im Gesamtklassement nach desaströsem Saisonstart noch nicht über den zuvor schon belegten siebten Platz hinaus verbessern, aber den Rückstand auf die vor ihm liegenden Teams deutlich verkleinern. Entsprechend optimistisch zog der angriffslustige Steuermann Bilanz: „Das ist ein großartiges Ergebnis für unser Team. Jetzt werden wir unser Saison-Comeback starten. Der gestrige Tag zählt zu den eindrucksvollsten Erfahrungen, die ich bislang im SailGP gemacht habe. Über unseren Sieg heute sind wir sehr, sehr glücklich.“

Sieger vor Saint-Tropez: Jimmy Spithill und das amerikanische SailGP-Team vor bildschöner KulisseFoto: Bob Martin for SailGP
Sieger vor Saint-Tropez: Jimmy Spithill und das amerikanische SailGP-Team vor bildschöner Kulisse

Jimmy Spithill: „Man darf nie zu viel auf Stimmen von außen geben“

Angesprochen auf viel Kritik, die seine Mannschaft nach den bislang eher schwachen Leistungen bis zum Durchbruch in Frankreich hatte einstecken müssen, sagte Spithill: „Man darf nie zu viel auf Stimmen von außen geben. Wir werden jetzt auf diesem Ergebnis aufbauen.“ Hier geht es zu den Ergebnissen des Land Rover France Sail Grand Prix in Saint-Tropez.

Peter Burlings Neuseeländer setzten mit Platz zwei beim SailGP in Saint-Tropez ihre Erfolgsserie der letzten Monate fort. Sie hatten zuvor zweimal gesiegt und sind den im Gesamtklassement immer noch knapp führenden Australiern um Segel-Tausendsassa Tom Slingsby bei nur noch einem Punkt Rückstand ganz dicht ans Heck gerückt. Ben Ainslies Briten belegen zwei Wochen vor dem spanischen SailGP am 24. und 25. September in Cadiz Platz drei in der Saisonwertung. Hier geht es zu den Saison-Zwischenständen nach fünf von elf SailGP-Regatten.

Sieger in Frankreich: Jimmy Spithill, CEO und Steuermann des USA SailGP Teams, und seine Crew feiern ihren Triumph beim Range Rover France Sail Grand Prix in Saint-Tropez . Wertvolle Revierkenntnisse brachte die kurzfristig als Ersatzfrau für die verletzte Stephanie Roble angeheuerte Französin Amélie Riou mit in die MannschaftFoto: Jon Buckle for SailGP
Sieger in Frankreich: Jimmy Spithill, CEO und Steuermann des USA SailGP Teams, und seine Crew feiern ihren Triumph beim Range Rover France Sail Grand Prix in Saint-Tropez . Wertvolle Revierkenntnisse brachte die kurzfristig als Ersatzfrau für die verletzte Stephanie Roble angeheuerte Französin Amélie Riou mit in die Mannschaft

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